Theater-Festspiel «Die Teufelsuhr»

Im Sommer 1970 war der Basler Jazzmusiker George Gruntz ein Würenloser

Der Musikverantwortliche Antonio Mestre mit den Originalnoten von George Gruntz.Mathias Marx

Der Musikverantwortliche Antonio Mestre mit den Originalnoten von George Gruntz.Mathias Marx

George Gruntz lebte damals mit seiner Familie im Aargau auf einem Bauernhof, komponierte die Musik für das Festspiel in Würenlos. Im August wird das Stück wieder aufgeführt

Der im Januar verstorbene Basler Musiker George Gruntz hat auch im Aargau seine Spuren hinterlassen. Zuerst in Baden, wo er 1947 eine vierjährige Lehre als Maschinenzeichner bei der damaligen BBC begann und während dieser Zeit vergeblich versuchte, den Badenern den modernen Jazz näherzubringen («az» vom 2. Mai).

Gruntz’ zweite Aargauer Station war Würenlos. Er hatte gerade seine Stelle als musikalischer Leiter am Schauspielhaus Zürich angetreten (bis 1984), als er im Sommer 1970 die Musik und den Chorgesang für das Festspiel «Die Teufelsuhr» komponierte. Die Benediktinerin und Schriftstellerin Silja Walter hatte das Stück für die damalige Elfhundertjahrfeier von Würenlos geschrieben.

Mit Familie in einem Bauernhaus

Sigi Zihlmann, der heutige Präsident der TheaterGemeinschaft Würenlos, war damals für die Technik zuständig und erinnert sich genau: «George Gruntz nahm damals extra Wohnsitz im Würenloser Weiler Oetlikon», erzählt er der «az». Zusammen mit seiner Frau Lilly und seinem Sohn Felix wohnte er den ganzen Sommer in einem Bauernhaus. «Gruntz wollte die Musik und die Chorgesänge zum Chronikspiel praktisch an Ort und Stelle komponieren», erzählt Zihlmann weiter, «unzählige Stunden hatte er mit den Laienmusikern von Würenlos verbracht, um die Musik nach ihren Fähigkeiten zu entwickeln.»

Auch Felix Gruntz hat den Sommer 1970 in bester Erinnerung. «Ich war 14 Jahre alt und lernte auf dem Bauernhof Melken», sagt er. Sein Vater war schon damals ein Perfektionist. Er ärgerte sich, wenn der singende Spengler aus beruflichen Gründen nicht an der Chorprobe erschien. Umgekehrt war er überrascht von den ungeahnten Talenten der Laien, und fasziniert vom Enthusiasmus, der Begeisterung und dem Zusammenhalt in der Gemeinde.

Das Schicksal wollte es so, dass die TheaterGemeinschaft Würenlos ausgerechnet im Todesjahr des grossen Musikers dieses Festspiel wieder aufführt. Unter der Regie von Jean Grädel wird «Die Teufelsuhr» vom 22. August bis 9. September als Freilichttheater vor der spektakulären Kulisse im Mittleren Steinbruch in Würenlos gezeigt. Aufgeführt wird es von den Schauspielern Kuska Càceres, Brigitte Jost und Clo Bisaz in den Hauptrollen, 140 Laien und Mitwirkende aus Würenlos und Umgebung sowie vierzehn Live-Musikern. Das Stück handelt von der Zigeunerin Santscha, welche in Würenlos auftaucht und die vom Wettinger Abt geschenkte Turmuhr verhext. Diese läuft von diesem Zeitpunkt an rückwärts und so wird die Dorfgemeinschaft in Aufruhr versetzt. Dabei geht es um die Auseinandersetzungen zwischen Reformierten und Katholiken sowie um das Verhältnis des Menschen zu Gott und der Ewigkeit.

Original-Noten übergeben

Am Pfingstsamstag 2010 übergab George Gruntz in Begleitung seiner Frau Lilli seine handgeschriebenen Originalnoten dem Musikverantwortlichen Antonio Mestre am Spielort im Steinbruch und wünschte ein erfolgreiches Gelingen des Theaterprojektes. «Es war ein historischer Moment», sagt Zihlmann, «wir werden die Noten in hoher Wertschätzung und in ehrenvollem Andenken an unseren unvergesslichen George Gruntz zu würdigen wissen».

«Es ist eine spannende, leicht verständliche Musik zwischen volksmusikalischem Liedgut, Blasmusik, mittelalterlichen Anleihen und Free Jazz», sagt Mestre. Bei der heutigen Umsetzung versucht Mestre, möglichst nah bei der Originalmusik zu bleiben. Aus personellen Gründen musste sie aber leicht angepasst werden. Die Musik wird heute von einem sechzehnköpfigen Orchester mit fünf Blechbläsern, Klarinette, Flöte, Geige und Cello, einer Handorgel, Orgel, Klavier, Elektro-Bass und Elektro-Gitarre, zwei Schlagzeugen, Pauken und anderen Perkussionsinstrumenten interpretiert. Es sind alles professionelle oder halbprofessionelle Musiker aus dem Umfeld von Würenlos. Dazu kommen gegen 40 Chorleute.

«Wir wollten George Gruntz unbedingt wieder dabei haben», sagt Mestre. Jetzt wird das Festspiel auch ein Gedenkanlass für den grossen Komponisten. «Wir Würenloser dürfen stolz darauf sein, was George Gruntz für das Festspiel und die Gemeinde leistete», sagt Zihlmann. «Wir werden sein bescheidenes, freundliches und fröhlich Wesen in bester Erinnerung behalten.» Wie sagte es George Gruntz doch selbst so treffend: «Ich gehe immer fröhlich durch die Welt, denn es gibt keinen schöneren Beruf als meinen.»

Freilichttheater Die Teufelsuhr, vom 22.8. bis 7.9. (jeweils Donnerstag, Freitag und Samstag) ab 18 Uhr, Mittlerer Steinbruch Würenlos. Veranstalter: Verein TheaterGemeinschaft Würenlos.

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