Rock
«Ich wollte eigentlich Tequila saufen, nicht proben»

Am 23. Septembererscheint das zweite Album der Supergroup Chickenfoot. Die az sprach exklusiv mit Sänger Sammy Hagar.

Pascal Münger
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Früher haben alternde Rockstars einfach angefangen, Golf zu spielen, wenn ihnen nach einer Abwechslung zumute war. Heute toben sie sich in so genannten Supergroups aus. Eine davon heisst Chickenfoot – bestehend aus dem Red-Hot-Chili-Peppers- Drummer Chad Smith, dem Gitarrenvirtuosen Joe Satriani und den beiden Ex-Van-Halen-Mitgliedern Michael Anthony am Bass und Sänger Sammy Hagar. Am 23. September erscheint das zweite Album von Chickenfoot mit dem Titel «III».

«Wir hatten nur ein kurzes Zeitfenster, um die Songs aufzunehmen», erzählt Sänger Sammy Hagar im Interview. «Wegen des kürzlich erschienenen Red-Hot-Chili-Peppers-Albums hatte Chad Smith kaum freie Zeit.» Also musste alles ganz schnell und unkompliziert durch den Frühling hindurch in verschiedenen Sessions aufgenommen werden. «Es gab keine andere Möglichkeit», sagt Hagar. «Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt null Bock hatte auf die ganze Arbeit.»

Kurz davor ist nämlich seine Autobiografie erschienen, in der der ehemalige Frontmann von Van Halen ordentlich über seine Ex-Band herzieht und damit in Amerika einigen Staub aufwirbelte. «Ich wollte einfach in mein Cabo-Wabo-Restaurant in Mexiko und Tequilas saufen und nicht in einem stinkigen Proberaum herumsitzen.» Trotzdem hat sich Sammy Hagar letztlich überreden lassen und bereut das heute keine Sekunde. «Ich bin so verdammt stolz auf das neue Material», sagt er. «Es hat von Anfang an wieder ‹Bang› gemacht, als wir zusammenkamen.»

Treibender Blues-Rock

Weil man so gut untereinander harmoniert hatte, wählte man auch den etwas komischen Titel «III» für das zweite Album. «Es fühlt sich einfach nicht an wie ein zweites Album», sagt Hagar. Durch die intensive Zeit, die man nach dem Erfolg des Debüts und der anschliessenden Tournee zusammen verbracht habe, fühle es sich eher an wie ein drittes oder viertes Album. Zudem kenne das Phänomen jeder: Man hat eine Lieblingsband, die ein fantastisches Debüt aufnimmt, und vom zweiten Album ist man dann enttäuscht. «Darum haben wir uns dafür entschieden, das zweite Album einfach auszulassen.»

Wie schon beim Debüt haben Sammy Hagar und Joe Satriani den grössten Einfluss auf die Chickenfoot-Songs. Vor allem Joe Satriani überrascht mit ein paar bluesgetränkten Gitarrenriffs à la Keith Richards oder Led Zeppelin. «Teilweise haben mich seine Riffs so angesprochen, dass ich schon beim ersten Hördurchgang wusste, wie ich den Refrain singen will», sagt Hagar, der mit seiner rauchigen Stimme und der energiegeladenen Art genauso zum Motor der Band gehört wie Drummer Chad Smith.

Die erste Single «Big Foot» ist ein wunderbares Beispiel für den treibenden Blues-Rock. Aber auch der mit einem fast schon epischen Refrain versehene Opener «Last Temptation» oder das balladeske «Different Devil» sind gelungene Perlen, die Hagars Euphorie über das neu geschaffene Werk erklären.

Einziger Wermutstropfen ist, dass Chickenfoot die kommenden Shows nun ohne Chad Smith spielen müssen, weil dieser mit Red Hot Chili Peppers auf Welttournee ist. «Wir haben lange überlegt, wer seinen Job übernehmen könnte», sagt Sammy Hagar. «Wir haben einige namhafte Schlagzeuger ausprobiert.» Gemäss dem Sänger hatte aber keiner von ihnen die gleiche Energie wie Chad Smith am Schlagzeug.

Schliesslich brachte der Drummer selber den Berufskollegen Kenny Aronoff ins Gespräch, der sich als Studiodrummer von Joe Cocker, Bob Dylan und Alice Cooper einen Namen gemacht hatte. «Dank Aronoff werden wir auf der kommenden Tournee kein Dezibel an Energie einbüssen, auch wenn uns Chad Smith fehlen wird», sagt Sammy Hagar.

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