Stanley Clarke muss aufpassen, dass er nicht bis nach Montreux weiterfährt. Am dortigen Kult-Festival wurde der 67-jährige US-Bassist schon mehrmals umjubelt. Dieses Jahr aber macht er Halt in Cully, wo das Festival zwar kleiner, die Stimmung dafür gemütlicher ist. Clarke wird mit seiner aktuellen Band aufspielen, für die er junge Talente zusammengesucht hat.

Solche «Meisterklassen»-Projekte zeichnen das Festival im Waadtländer Weinstädtchen Cully aus. Auch der kubanische Altstar Eliades Ochoa besetzt seine Band El Comité mit jungen Kollegen der brodelnden Szene von Havanna. Und Pianist Omar Sosa trifft sich mit der wirblig-frischen Violinistin Yilian Cañizares.

London calling, voici Paris

Traditionell ist die frankophone Szene in Cully gut vertreten. Höchst attraktiv ist die Affiche mit Pianist Baptiste Trotignon und Klarinettist Michel Portal. Ein bis zwei Generationen jünger sind der umtriebige Saxofonist Emile Parisien sowie Multiinstrumentalist Théo Ceccaldi, der 2017 in Paris als «Newcomer des Jahres» gefeiert wurde.

Wenn in Grossbritannien heute noch etwas funktioniert, dann ist es die junge, findige Musikszene. Dies zeigen in Cully Soulsänger Jacob Banks und die erst 19-jährige Mahalia. Jazz und Hip- Hop mixt Pianist Alfa Mist, das Ezra Collective zelebriert einen multikulturell brodelnden Urban Jazz.

Für musikalische Schnittstellen und Graubereiche haben die Festivalmacher in Cully besonders grosse Ohren. Dieses Jahr sorgen Bands wie Yemen Blues oder das Trio Abozekrys für einen arabischen Touch. Mit Gaye Su Akyol reist eine der angesagten Sängerinnen aus Istanbul an.

Nicht fehlen dürfen auch heuer die mannigfaltigen Heimspiele. Die Funktion Cullys als Sprungbrett belegt Sängerin Elisa Day aus Bern, die letztes Jahr noch im Gratisprogramm auftrat und nun eine der Hauptbühnen bespielt. Schon bekannter ist ihr Compatriot Julian Sartorius: Der Tüftel-Trommler überrascht in Cully mit einem neuen Programm.

Auf 17 Bühnen verteilt sich das Programm des Cully Jazz Festival. Und nur die Konzerte auf den drei Hauptbühnen kosten Eintritt. 110 der total 150 Konzerte finden im Off-Programm statt. Dieses spielt am Seeufer, in Cafés oder den örtlichen Weinkellern, den Caveaux, und ist gratis. Mit dem «Kaffee Lutz» öffnet dieses Jahr ein neues Kellergewölbe seine Tore.

Das Lavaux-Festival hat sich vom Geheimtipp längst zur beliebten Frühlings-Location entwickelt. Die Veranstalter erwarten gegen 70 000 Besucherinnen und Besucher. (SDA)

37. Cully Jazz Festival 5.–13. April.