«Women as leader» heisst die Reihe des Jazzfestival Basel, die gezielt Frauen eine Plattform bietet. Eine löbliche Sache. Und doch: Von den acht Bands mit Frauen als Bandleaderinnen kommt nur gerade die albanisch-stämmige Sängerin Elina Duni aus der Schweiz. Nicht viel besser sieht es beim kommenden Jazzfestival Schaffhausen (22.–25. Mai) aus, dem bedeutendsten Festival für Schweizer Jazz. Vier der dreizehn eingeladenen Bands werden von Frauen geleitet. Und der Musikerinnenanteil beträgt 8,5 Prozent. Das ist bezeichnend und leider traurige Realität.


Frauen hatten es im Jazz schon immer schwer, Schweizer Jazzmusikerinnen erst recht. Die vor drei Jahren verstorbene Elsie Bianchi-Brunner war in den Fünfzigerjahren die erste professionelle Schweizer Jazzmusikerin. Sie blieb ebenso eine Exotin, eine Ruferin in der Wüste wie Irene Schweizer, die inzwischen 77-jährige Grande Dame des Schweizer Jazz. Nach acht Jahren Unterbruch kommt es an diesem Sonntag in Zürich zu einer Wiederbegegnung mit der Saxofonistin Co Streiff. Auch sie ein Unikat, denn Frauen dieser Generation waren, wenn überhaupt, für die Rolle als Sängerin (Susanne Abbühl, Lisette Spinnler, Marianne Racine) oder Pianistin (Silvie Courvoisier, Vera Kappeler) vorgesehen.


Inzwischen steht eine neue Generation selbstbewusst fordernder Frauen am Start. Langsam, langsam verändert sich etwas, aber mehrheitlich sind es immer noch Sängerinnen. Das Missverhältnis bleibt krass. Der Schweizer Jazz ist weit von einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis entfernt. So ist die Big Band von Sarah Chaksad das einzige Schweizer Jazz-Orchester mit einem Frauenanteil – immerhin 4 von 18. «Wir kommen nur langsam von unseren Rollenvorstellungen weg. Es mangelt an weiblichen Vorbildern und am Bewusstsein, wirklich etwas ändern zu wollen», sagt die 35-jährige Saxofonistin und Bandleaderin.


«Wo sind die Frauen im Schweizer Jazz?», heisst das Thema der Schaffhauser Jazzgespräche, die Chaksad als Kuratorin im Rahmen des Jazzfestivals Schaffhausen am 25. Mai organisiert. Wie erreichen wir, dass es so schnell wie möglich zu einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis im Schweizer Jazz kommt? Zum Beispiel mit einer Playlist zu Frauen im Schweizer Jazz. Immerhin.

Künzlis Playlist

  • Elsie Bianchi-Brunner: I Remember Clifford (1962)

  • Irene Schweizer Solo: Contours (1996)
  • Irene Schweizer - Co Streiff: Bea Be Good (2002)
  • Marena Whitcher’s Shady Midnight Orchestra: Lost In Time (2015)
  • Sarah Chaksad Orchestra: Insensitive Lady (2016)
  • Lucia Cadotsch: Some Other Spring (2017)
    • Ester Poly (Beatrice Graf/Martina Berther): La vie en rose (2018)

  • Cinzia Catania: Anatomy of Melancholy (2018)

  • Elina Duni: Meu Amor (2018)

  • Luzia von Wyl Ensemble: Antumbra (2018)

  • Nojakîn (Corinne Huber): Boldhearted (2018)

  • Nicole Johänntgen Henry II: Im Feelin Dark (2018)