Konzert
Händel als idealer Einstieg in die Barockmusik

Dirigent Andrea Marcon erklärt, warum die Serenata «Parnasso in festa» von Georg Friedrich Händel so besonders ist, und weshalb sie dennoch wenig bekannt ist.

Jenny Berg
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«Man wird sich keinen Augenblick langweilen.» Andrea Marcon Dirigent

«Man wird sich keinen Augenblick langweilen.» Andrea Marcon Dirigent

Marco Borggreve

Andrea Marcon, Sie dirigieren am Mittwoch das La Cetra Barockorchester und Vokalensemble. Warum sollte das Publikum Ihr Konzert besuchen?

Andrea Marcon: Weil wir ein wunderbares Werk von Georg Friedrich Händel aufführen, das bisher kaum bekannt ist: die Serenata «Parnasso in festa».

Händel ist noch heute berühmt für seine grossen Opern und Oratorien. Was ist besonders an der Serenata?

Die Musik in der Serenata ist entspannter. In den Oratorien und Opern geht es deutlich dramatischer zu, es gibt viele Extreme, verzweifelte Dramatik – in den Gefühlslagen der Figuren und auch in der Musik. Die Serenata aber ist eine überwiegend festliche, freudige Musik.

Also nur in Dur?

Nein, es gibt auch einige melancholische Momente. Aber die Musik ist ausgeglichen, jubelnd, strahlend. Ich denke, es ist das ideale Stück für alle, die noch nie in einem Konzert mit Barockmusik waren. Wenn sie das gehört haben, wollen sie immer wieder Barockmusik hören.

Die Serenata als Einstiegsdroge?

Ja: Weil man sich dabei keinen Augenblick langweilt. Händel hat die Serenata 1734 für die Hochzeit der englischen Prinzessin Anne mit Prinz Wilhelm IV. von Oranien komponiert. Damit wollte er die Festgesellschaft erheitern. Und das ist noch heute unterhaltsam.

Können Sie in einem Satz die Handlung erklären?

In einem Satz? – Ich probiere es: Auf dem Parnass von Apollo, dem Gott der Künste, wird anlässlich einer Hochzeit über die beiden grössten Liebesgeschichten der Mythologie debattiert: Apollo und Daphne sowie Orpheus und Euridice.

Weshalb ist die Serenata heute so wenig bekannt?

Ich weiss es nicht. Vor zwei Jahren haben wir sie bereits bei den Schwetzinger Festspielen und bei den Händel-Festspielen in Halle gespielt. Dort gibt es eine grosse Händel-Fan-Gemeinde, und es sitzen viele Experten im Publikum. Auch sie waren alle sehr überrascht.

Warum?

Weil dieses Werk voll ist von wunderschönen Arien. Händel hat damals die besten Sänger zur Verfügung gehabt, und deshalb auch so gut komponiert.

Wer sang die Hauptrolle?

Der berühmte Kastrat Carestini; er sang die Rolle des Apollos. Sie ist sehr virtuos, hat viele Koloraturen, man braucht einen sehr langen Atem – auch für damalige Verhältnisse sehr anspruchsvoll.

Und wer singt jetzt den Apollo?

David Hansen. Ich bin sehr glücklich, dass wir ihn gewinnen konnten – denn wir werden auch eine Aufnahme produzieren. Hansen ist auch ein Grund, weshalb das Publikum kommen sollte: Weil er einer von nur drei Männern weltweit ist, die den Apollo singen können. Selbst Philippe Jaroussky ist diese Partie zu hoch.

«Parnasso in festa» von Händel: Mi, 19. 10., 19.30 Uhr, Martinskirche Basel.
www.lacetra.ch