Piano District
Grosse Pianisten, ein Glas Wein und etwas Sex

Die Klavierreihe Piano District des Aargauers Pianisten Oliver Schnyder startet heute in Baden in ihre zweite Saison.

Christian Berzins
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Die Druckerei ist ein ungewöhnlicher, aber ein durchaus geeigneter Ort für Klavierabende: Im Bild Arta Arnicane (links) mit «Hausherr» Oliver Schnyder. Mathias Marx

Die Druckerei ist ein ungewöhnlicher, aber ein durchaus geeigneter Ort für Klavierabende: Im Bild Arta Arnicane (links) mit «Hausherr» Oliver Schnyder. Mathias Marx

Aargauer Zeitung

Machen, nicht jammern. Wenn sich jemand diesen Leitspruch zu Herzen genommen hat, dann der Ennetbadener Pianist Oliver Schnyder. Im Herbst 2013 gründete er aus dem Nichts eine neue Aargauer Klavierreihe, die von Beginn an regen Zuspruch fand. Notabene in einer Zeit, in der das Klassikpublikum vermeintlich ausstirbt, Kunst im verborgenen Kämmerlein stattfinden muss, da die Tageszeitungen bekanntlich keine Kritiken mehr drucken, und sowieso kaum ein Wort über das lokale Konzertgeschehen verlieren ...

Die drei Faktoren

Verantwortlich für Schnyders «0 auf 100»-Erfolg waren drei Dinge. Erstens (und am wichtigsten): Die Qualität der Pianisten war sehr hoch. Zweitens begab man sich nicht in eine der üblichen heiligen Hallen, wo der Besucher pausenlos denkt, man müsse nach dem Genuss einer Brahms-Sonate den Musikphilosophen Adorno zitieren, um klug dazustehen. Nein, Schnyder wählte mit der Druckerei im BT-Haus mitten in Baden einen unbekannten Ort. Und drittens gab man den – gängigen Mustern folgenden – Konzerten einen modernen Rahmen: Ein Glas (guten) Wein und zum Finale ein Künstlergespräch, darin kam auch mal das Wort Sex vor. Fertig war Piano District.

Nun geht man guten Mutes in die zweite Saison, an deren Durchführung Oliver Schnyder nie gezweifelt hatte: Doch zwischenzeitlich herrschte nicht nur Freude. Obwohl der Zuschauerzuspruch erfreulich gross war, kürzte nämlich das Aargauer Kuratorium die Zuschüsse. Das sorgte erst für Irritation, dann für gute Diskussionen – unterdessen haben sich beide Seiten arrangiert.

Das Kuratorium wollte den ersten Beitrag als Starthilfe verstanden wissen, den aktuellen also nicht als Kürzung. «Dass das Kuratorium uns gegenüber wohlwollend handelt, zeigt auch die Tatsache, dass es neben dem bereits kommunizierten Extrakonzert mit dem Argovia Philharmonic noch ein zweites im neuen Busterminal Knecht in Windisch unterstützt.» Ein erfreuliches Signal. Das Überleben der Reihe ist allerdings auch dank der vielen privaten Initiativen gesichert. Der Publikumserfolg inspiriert nun mal alle.

Neue Piano Districts gesucht

In der zweiten Saison kommt man nun der einst selbst gestellten Aufgabe nach und will an ungewöhnlichen Orten Konzerte geben. Im Juni geht man dafür hinaus in die Sandsteinhöhlen bei der Liebegg. Doch Schnyder und sein Co-Initiant Thomas Pfiffner wollen nun vermehrt auch dem einst angekündigten industriellen Ambiente der Konzerte Rechnung tragen. Allerdings sei es viel schwieriger, als man es sich vorgestellt hatte, geeignete Orte zu finden, meint Schnyder: «Einige der ins Auge gefassten Räume sind inzwischen renoviert oder für unsere sporadische Nutzung nicht zugänglich. Wir sind deshalb auch auf Ideen und Tipps aus der Bevölkerung angewiesen. Es muss doch in einem stolzen Industriekanton noch viele potenzielle Piano Districts geben!»

Die 88 Fragen des Schriftstellers

Beim Blick auf das Jahresprogramm fällt auf, dass gleich zwei Klavierduos in der Druckerei zu hören sein werden – zwei klassische Rezitals kommen hinzu. Erstaunlich auch: Mit dem 19-jährigen Kanadier Jan Lisiecki hat man einen der bedeutendsten Vertreter der jungen Pianistengeneration für die Reihe gewinnen können. Andererseits steht mit Alexandra Dariescu auch ein sogenannter Geheimtipp an. Schriftsteller Claude Alain Sulzer wird mit seinen exklusiv für die Reihe konzipierten 88 Fragen auch im zweiten Jahr so manchen der gelassenen Alleskönner überraschen. Zuhörer wie Pianisten.

Piano District Saisonauftakt: Anderson & Roe Piano Duo, heute 7. November, 19.30 Uhr, Druckerei Baden.

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