Auf «Cats» folgt in diesem Jahr «Mamma Mia». Damit ist den Verantwortlichen der Thuner Seespiele der Publikumserfolg sicher – macht ihnen nicht der Wettergott einen Strich durch die Rechnung. Doch keine Sorge: Schliesslich spielt «Mamma Mia» auf einer fiktiven griechischen Insel, und die Mächte des Olymps werden durch die lebensbejahende Handlung und die Gute-Laune-Musik sicher besänftigt sein.

«Mamma Mia» kennt wahrscheinlich jeder, der in der Zeit zwischen 1974 und 1999 Musik und Videoclips gehört und gesehen hat. Vielleicht kennt er die Musical-Handlung nicht explizit, dann doch aber die Songs, durch welche die Story vorangetrieben wird. Es sind alles ABBA-Songs, einige der schönsten und erfolgreichsten von Benny Andersson, Björn Ulvaeus und Stig Anderson.

Entstanden ist dieses Musical auf Initiative der Musical-Produzentin Judy Craymer, die Andersson und Ulvaeus bereits Ende der 1980er-Jahre dazu ermunterte, ein auf ihren Songs basierendes Musical zu schreiben. Die beiden waren zunächst skeptisch. Doch 1999 konnte das Musical in London seine Premiere feiern. Bis heute sahen mehr als 60 Millionen Zuschauer das Stück um eine Tochter, die drei Väter hat, auf allen Musical-Bühnen der Welt. 2008 wurde es mit hochkarätigen Hollywood-Stars wie Meryll Streep und Pierce Brosnan erfolgreich verfilmt. Spätestens seither gehört dieses Musical zu den ganz Grossen des Genres.

Wagnis in Schweizerdeutsch

Nun gehört es auch zum Repertoire der Seespiele Thun, und als etwas ganz Besonderes: in Schweizer – genauer – Berner Mundart. Überraschenderweise funktioniert diese Schweizerdeutsche Fassung ausserordentlich gut. Die Titel vieler Songs wie «Dancing Queen», «Gimme, gimme», «Chiquitita», «Super Trouper» oder «Mamma Mia» wurden bewusst beibehalten und lediglich in den Liedstrophen in Mundart gesetzt. Doch wie übersetzt man «I do, I do, I do»? Lassen Sie sich überraschen.

Diese Übersetzungsarbeit war sicher ein Wagnis und man darf attestieren: Es ist gelungen. Die Macher, Dominik Flaschka (Dialoge/Regie) und Roman Riklin (Übersetzung Liedtexte), sowie ihr Berner Mitarbeiter und Chorleiter Ben Vatter haben mit viel Gespür für die Sprache und dem Sound der Musik, sowie einem grossen Quantum Humor, das Beste aus den Texten in die Mundart herübergeholt.

Reife Damen mit Energie

Einen wichtigen Anteil an der gelungenen Schweizerdeutschen Fassung haben natürlich die insgesamt überzeugenden Darstellerinnen und Darsteller, sowie der musikalische Leiter Iwan Wassilevski. Für einmal ist sein Orchester nicht unter der Seebühne platziert, sondern hoch oben, über allen thronend. Manchmal trieb er an der Vorpremiere am Montag die Musik fast etwas zu rockig voran, sodass die Darsteller bei den ersten Liedzeilen noch etwas nachhinkten.

Denn Singen ist das eine, Schauspielern das andere. Die reifen Damen, Monica Quinter als Donna, Gigi Moto als Rosi und Patricia Hodell als Tanja liessen in Gesang und Aktion keine Wünsche offen. Von ihnen wurde Judith von Orelli als junge Sophie richtiggehend mitgerissen. Die vier Herren Eric Hättenschwiler als Bill, Matthias Arn als Sämy, Nathanael Schaer als Harry und Angelo Canonico als Sky hatten da eher Mühe, bei diesen Energieschüben mitzuhalten. Das war einerseits dem Skript geschuldet, andererseits aber nicht gespielt. Den hübschen Herren, die hier als gut Fünfzigjährige auftreten sollten, fehlten noch ein paar Jährchen.

Wie stets auf der Seebühne überzeugte auch «Mamma Mia» punkto Choreografie (Jonathan Huor), Chorgesang (Ben Vatter) sowie Einfallsreichtum in Bühne (Stephan Prattes) und Kostüm (Kathrin Baumberger). Es ist wieder mal ein Musical der Extraklasse für Thun, auch wenn der Niesen mit seinen paar Schneeflecken doch eigentlich so gar nichts mit einer griechischen Insel zu tun hat.

Bis 25. August. www.thunerseespiele.ch