Vivien und Thwini

Freiburger Schwestern wollen dem Schlager neuen Schwung geben

Vivien und Thwini mit ihrem Lied Mädchen habens schwer im Musikantenstadl

Vivien und Thwini mit ihrem Lied Mädchen habens schwer im Musikantenstadl

Vivien und Thwini – zwei Schwestern, die dem deutschen Schlager in der Schweiz neuen Schwung geben – sind jung und ganz schön clever.

Der deutsche Schlager hat in der Schweiz keinen guten Ruf. Toll ist das nicht, aber eine Tatsache. Die Folge: Junge Menschen mit guten Stimmen machen einen Bogen um dieses Genre und wenden sich dem englischsprachigen Pop zu. Was wiederum dazu führt, dass Menschen mit weniger guten Stimmen schnell einmal zu Sternchen am heimischen Schlagerhimmel werden. Die Ex-Miss-Schweiz aus der Gaster, die Bootsführerin aus Altenrhein, die Spielgruppenleiterin aus dem Zugerland sind gewiss ansehnlich und keineswegs unsympathisch. Nur singen können sie halt nicht.

Mix aus 14 Schlagern

Das ist bei Vivien und Thwini Ruffieux anders. Jedenfalls, wenn sie ihre Stimmen zusammenlegen und sich gegenseitig gesanglich stützen. Seit wenigen Tagen liegt ihre erste CD vor. Darauf ein Mix aus 14 Schlagern, zurückhaltend arrangiert und dezent produziert. Und dennoch zum Mitklatschen geeignet. Die beiden Schwestern aus Plasselb FR haben die Musiksorte nicht neu erfunden. Sie knüpfen, clever!, einfach an die grosse Zeit des Schlagers an: Melodien wie aus den Siebzigerjahren. Inbegriffen Seitenblicke auf lateinamerikanische Rhythmen und kleine Anleihen beim moderaten Deutschrock.

Vivien ist 20, sie studiert an der Universität Freiburg Germanistik und Psychologie. Thwini, zwei Jahre jünger, macht bei der Gemeindekanzlei ihres Wohnortes eine kaufmännische Lehre mit dem Ziel Berufsmatura. Die beiden wohnen noch zu Hause. Sie sagen, dass sie liiert seien und halten damit dieses Kapitel für ausreichend abgehandelt. Klug und begabt, selbstbewusst und dennoch bescheiden: Das ist die neue Schweizer Schlagergeneration.

«Wir wollen wir sein»

Vivien und Thwini hören selber Schlagermusik. Vivien sagt, was ihr dabei gefällt: «Diese Lieder erlauben es dem Zuhörer, seine Gedanken schweifen zu lassen. Oder mitleiden zu können.» Natürlich singen die beiden Freiburgerinnen von der Liebe – von der Sehnsucht nach Vollendung und vom Schmerz beim Scheitern. Sie singen aber auch über ihren Vater, den sie im Teenageralter verloren haben. Die beiden sagen, dass sie bei sämtlichen Texten mitreden konnten und alle Lieder vom Autorengespann Markus Wermuth, Ursula Schneider und Gertrud Lauper speziell für sie geschrieben worden seien. Die Schwestern betonen, dass ihnen Authentizität wichtig sei. Thwini: «Wir wollen wir sein.»

Dazu gehört, dass sie sich ein Leben in der Stadt nicht vorstellen können. Beide freuen sich, nach der Berufsschule oder den Uni-Lektionen jeweils ins Dorf zurückkehren zu können. Zwar nehmen die Schwestern seit anderthalb Jahren Gesangsunterricht, aber eine Profikarriere steht nicht im Vordergrund. Vivien möchte Mittelschullehrerin werden, Thwini sieht ihre berufliche Zukunft bei einer Gemeindeverwaltung. Es ist für die Sängerinnen kaum denkbar, sich bei einer der heute bekannten TV-Castingshows anzumelden. Noch weniger kommt eine Teilnahme an der Schweizer Ausscheidung zum Eurovision Song Contest infrage: «Wir passen nicht zu diesem Anlass.»Ihre Devise: «Wir nehmen Stufe für Stufe.» Sollten sie damit Erfolg haben, wären sie die Letzten, die das nicht geniessen könnten.

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