Es gibt Bands, denen fällt der Zeitgeist in den Schoss. Franz Ferdinand zum Beispiel. In der gleichen Woche, wo Donald Trump in einem Tweet eine Massenkundgebung zur Unterstützung des britischen Gesundheitsdienstes (NHS) in einen «Protest gegen diese bankrotte und kaputte» Organisation umwandelte und damit Premierministerin Theresa May auf die Palme brachte, erscheint ihr neues Album mit dem Song «Huck and Jim». «We’re going to America/We’re gonna tell them about the NHS» («Wir gehen nach Amerika/und erzählen ihnen alles über den NHS») singt Alex Kapranos aus ironischer Kehle.

Solch pointiertes Timing ist das Glück des Tüchtigen. Ein solches stand der schottischen Gitarrenband vor 14 Jahren schon zur Seite. Damals wurde das Popgeschehen von Rappern, Green Day sowie den Überbleibseln der englischen Gitarrenromantiker Libertines geprägt. Franz Ferdinand zeigte, was mit messerscharfen Akkorden und smarten Lyrics auch noch möglich war: intelligente Popmusik nämlich mit Herz, Schwung und unwiderstehlichen Refrains.

Mit dem Debüt gelang der Band ein stilprägender Start, mit dem Zweitling «You Could Have It So Much Better» landete sie achtzehn Monate später überall – auch in der Schweiz – in den vordersten Charträngen. Dann begann man sich zu wiederholen. Das Ende schien bevorzustehen.

Glückliches Zusammentreffen

Doch dann begegnete Bandleader Alex Kapranos den Brüdern Ron und Russell Mael alias Sparks. Als gegenseitige Fans nahm man ein gemeinsames Album auf, von dem selbst die Plattenfirma nichts wusste, bis es auf dem Plattenteller lag. Die Begeisterung wirkte auf beide Seiten erfrischend: «Ein toller Nebeneffekt der Zusammenarbeit war es, dass wir aus unseren alten Schienen gehoben wurden», erklärt Kapranos. «Es war befreiend, den Raum mit einem anderen Songschreiber zu teilen, dessen Methode ich vorher nicht gekannt hatte, und zu erleben, wie aus einer solchen Begegnung etwas Cooles entstehen kann.»

Diese Erfahrung hat der Band auch geholfen, den Abgang des Gitarristen Nick McCarthy zu verarbeiten, der lieber bei seiner jungen Familie bleiben wollte, als weiter auf Tournee zu gehen. Neu dazugekommen sind dafür Gitarrist Dino Bardot und der ebenfalls in Glasgow lebende Multiinstrumentalist Julian Corrie, der unter dem Namen Mioaux Mioaux elektronische Tanzmusik anfertigt.

«Wir haben die alten Elemente genommen und sie anders zusammengestellt, um der Band einen frischen Charakter zu geben», sagt Kapranos. Angesichts der Tatsache, dass man für die Aufnahmen ins Pariser Studio des Produzenten Philippe Zdar (Cassius) gereist ist, überrascht es wenig, dass «Always Ascending» mit allerhand stromlinienförmigen Dance-Beats ausgestattet ist. Aber die süffigen Refrains, die raffinierten Details und die schlauen Texte sind geblieben.

Franz Ferdinand Always Ascending (Domino). Erscheint am Fr 9. Februar.