Opernhaus Zürich

Folgt dem Gewinn der neue Vertrag?

Andreas Homoki, aktueller Intendant des Opernhaus Zürich. Foto: Markus Forte

Andreas Homoki, aktueller Intendant des Opernhaus Zürich. Foto: Markus Forte

Das Opernhaus Zürich verzeichnet in der ersten Saison des neuen Intendanten Andreas Homoki einen Gewinn - sein System ist trotz Publikums- und Sponsorenverlust aufgegangen. Die «SonntagsZeitung» titelte zu unrecht «Pereiras glückloser Nachfolger».

Was stimmt nun, hat das Opernhaus Zürich Erfolg oder nicht? Die Bilanz war kaum den Aktionären vorgelegt, da titelte die «SonntagsZeitung»: «Pereiras glückloser Nachfolger». Der «Tages-Anzeiger» antwortete mit «Die Zahlen stimmen» und meinte, dass der Systemwechsel von Alexander Pereira zu Andreas Homoki funktioniert habe, schliesslich verzeichne man einen Gewinn von 156 000 Franken.

Auf den schnellen Blick erschreckend ist die Tatsache, dass 13 000 Karten weniger verkauft wurden und die Einnahmen um vier Millionen zurückgingen. Allerdings ist das leicht erklärbar, wurden doch 27 Vorstellungen weniger gezeigt (total 217). Homoki fuhr den Schnelldurchlauf-Betrieb herunter, kam weg vom pausenlosen Produzieren, das nicht nur die Stars, sondern auch die Festangestellten belastete. Der Kunst kam Homokis System zugute.

Für die Abrechnung belastend ist aber auch, dass die in den letzten Pereira-Jahren schwindenden Sponsoreneinnahmen noch mehr sanken (von 9,3 auf 7,6 Millionen). Der Grund für den extremen Rückgang bei der Gastronomie (0,78 auf 0,18 Mio.) liegt unter anderem auch hier: Bei Pereira gab es pro Woche mehrerer Anlässe für und von den zahlreichen Sponsoren. Es war eine andere Zeit. Die Rechnung ging dennoch auf, da im künstlerischen Bereich satte sieben Millionen eingespart werden konnten. Das ist mutig. Vor allem die dirigierenden Stars sind Vergangenheit: Anstatt der Spitzenverdiener Gatti, Dohnanyi, Mehta oder Ingo Metzmacher stehen heute oft junge (tolle) Dirigenten für die Hälfte der einstigen Topgage von 20 000 Franken im Orchestergraben.

Und immerhin: Die Opernauslastung stieg auf 85,8 Prozent. Neu werden allerdings wie international üblich die Frei- und Steuerkarten mitgezählt, dadurch erklärt sich auch die auf 36,4 Prozent gesunkene Eigenwirtschaftlichkeit. Die 247 251 Besucher waren nämlich ungefähr die gleichen wie früher, und diese Gruppe füllte die weniger zahlreichen Vorstellungen besser als bei Pereira, der nämlich zwischenzeitlich auf 77 Prozent Auslastung abgesunken war und 2009/2010 gar fünf Millionen Verlust schrieb. Pereira kratzte die Kurve im letzten Jahr dank einer Subventionserhöhung auf 79,8 Mio. Sogar noch mehr gab es 2012/2013 für Homoki (80,8 Mio.). Mit diesem Geld wurde ins Marketing investiert. Die Abteilung ist im Vergleich zu früher sehr gross. Der Effekt, neue Zuschauerschichten ins Opernhaus zu bringen, ist bisher aber kaum spürbar.

Für Homoki entscheidend wird die nun laufende Saison sein, in der sich der Direktor trotz der Probleme auch Zeit nimmt, in Wien «Lohengrin» zu inszenieren. Ob er dort Werbung für seine modern-ästhetische Zürcher Regie-Linie macht? Für seine neuen Sänger? Von vielen Künstlern musste das Publikum Abschied nehmen. Das war 1991 auch so. Pereira programmierte damals für sich, für den Opernfan, und traf den Geschmack des alteingesessenen Publikums, das Altstars wie Mara Zampieri, Giorgio Zancanaro oder Ruggero Raimondi liebte. Homoki verzichtet mit Ausnahme von Edita Gruberova und Cecilia Bartoli fast gänzlich auf Sänger, deren Namen grösser als ihre Leistung ist. Er agiert vielmehr als der Künstler, der er ist. Pereira suchte den Erfolg auch an der Kasse, Homoki bei den Intellektuellen. Das ist in Zürich, wo die Oper teurer und mehr als anderswo auch ein gesellschaftliches Ereignis ist, gefährlich. Und selbst Pereira könnte für Homoki gefährlich werden, muss doch der Wiener nun für die Mailänder Scala neue Sponsoren suchen. Damit beginnen werde er in Zürich, liess er verlauten.

Wenn Homoki in der laufenden Saison sein Ziel nicht erreicht, neue – zahlende – Besucher ins Haus zu locken, wird es trotz des Gewinns in Zukunft schwierig. Da kann er noch so krampfhaft demonstrativ optimistisch sein und sein Team loben, ihm Verantwortung abgeben. Man muss rund ums Opernhaus nicht viele Leute fragen, um üble Geschichten über seinen Führungsstil oder über seine Präsenz zu hören. Aber all das kann dem Besucher egal sein, wenn die Hohen Cs geschmettert werden. Auch Pereiras Führungsstil war mehr als «speziell». Ein Opernhaus ist keine Wohlfühloase, auch wenn sich nach den Premieren alles abknutscht. Wenn aber Sponsoren abspringen, da Homoki sich nicht persönlich mit ihnen an den Tisch setzt, ist das mehr als schade. Es wäre falsch, sich jetzt zu «entspannen», wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Der Verwaltungsrat muss unsere Ausgangsfrage beantworten, muss er sich diese Monate doch klar werden, ob er Homoki auch nach 2017 will. Der Zürcher Aviel Cahn – kluger Schlagzeilenmacher – wartet in Antwerpen bereits auf die Anfrage aus Zürich. Aber es gibt auch viele andere gute Leute. Einer ist Homoki.

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