Sophia Kennedy teilt den Namen mit einem toten Präsidenten und kann die Dinge genauso auf den Punkt bringen: «Man kann doch alles machen, wenn man nicht nervt und nicht scheisse dabei ist», meinte die 28-jährige Songwriterin zum deutschen Musikmagazin Intro. Und recht hat sie, wie sie gleich selbst beweist.

Auf ihrem aktuellen Debütalbum wechselt Kennedy von schmissigen R’n’B-Balladen zu knatternden Dub-step-Tracks, erinnert manchmal an die zeitlose Eleganz von Frank Sinatra und dann wieder an die gegenwärtige Renitenz von Beyoncé.

«Bewährtes Aufgreifen und durcheinanderwirbeln», beschreibt Kennedy ihre Arbeitsweise und trifft den Nagel wieder auf den Kopf. Zurecht wurde ihr Debütalbum von der versammelten deutschen Musikpresse zu den besten Alben des Jahres 2017 gezählt. Kennedy selber ist überwältigt von dieser Begeisterung.

Das «Kuhkaff», eine andere Welt

Die Amerikanerin wuchs in Baltimore an der amerikanischen Ostküste auf. Als ihre Mutter neu heiratete, zog die Familie in ein «Kuhkaff» bei Göttingen in Mitteldeutschland um. Sie erzählte der «Zeit»: «Das war heftig, eine andere Welt.»

Kennedy sang schon als Kind gerne, kam früh in einen Chor und wurde nach eigener Aussage extensiv in der Blockflöte unterrichtet. Ob man Letzteres ihrer Musik heute anhört, sei mal dahingestellt.

Für das Filmstudium zog Kennedy dann nach Hamburg und schrieb sich an der Kunsthochschule ein. Doch so richtig warm wurde sie mit den zielstrebigen Mitstudierenden nicht. Statt realistische Filme über Drogenerfahrungen und das Nachtleben zu drehen wie die anderen, machte sie einen Avantgarde-Film über eine Sekte von Pfirsichen, die die Weltherrschaft an sich reissen wollen.

Das Publikum reagierte darauf mit Stille und fragenden Blicken. «Ich wollte provozieren, indem ich etwas komplett Lächerliches machte. Mein Professor fand es gut, sagte aber auch, dass viele sich fragen würden: Was soll das?» Eine Frage, die sich bei ihrer Musik nicht mehr stellt.

Ohrwürmer auf Elektro-Teppich

Schon 2013 trat sie erstmals musikalisch in Erscheinung mit dem zurück-
gelehnten Soul-Track «Angel Lagoon», den der Hamburger und kürzlich in Basel aufgetretene Elektro-Tüftler Erobique produzierte. Im gleichen elektronischen Umfeld erschien im April ihr Debüt: Es ist das erste Songwriting-Album auf dem Elektro-Label von DJ Koze von Pampa Records, der Anfang Februar für einen Gig nach Basel kommen wird.

Produziert wurde es vom umtriebigen Mense Reents, der unter anderem in der einflussreichen Punkband «Die goldenen Zitronen» und dem Elektro-Duo «Die Vögel» spielt.
Die elektronischen Einflüsse legen sich bei Kennedy wie ein flauschiger Teppich unter ihr herausragendes Songwriting.

Sie schmeisst mit ihrer Stimme grosse Melodien hin wie in «William by the Windowsill» und «Being Special», die man Tage nicht mehr aus dem Kopf bringt. Sie sprechsingt sozialkritisch über den Alltagstrott wie in «A Bug on a Rug in A Building» oder fordert mit hakenschlagenden Beats zum Tanz heraus wie in «Something Is Coming My Way».

Es ist den vorausschauenden Veranstaltern der Kaserne Basel zu verdanken, dass man diese Ausnahmekünstlerin am Samstag bei uns live erleben kann. Ihre Musik würde längst in grössere Hallen gehören.

«Sophia Kennedy» Support: «Nobody Reads Duo». Samstag, 27. Januar, 20.30 Uhr. Kaserne Basel.