Stimmen-Festival

Elbow-Sänger Guy Garvey: «Der Brexit ist das grösste kulturelle Desaster unseres Lebens»

Elbow im Interview vor ihrem Konzert am Stimmen-Festival in Arlesheim

Elbow im Interview vor ihrem Konzert am Stimmen-Festival in Arlesheim

Die britische Band Elbow tritt heute am Stimmen-Festival in Arlesheim auf. Wie haben sie die Terrorattacke in ihrer Heimatstadt Manchester erlebt, was denken sie über den Brexit? Sänger Guy Garvey und Keyboarder Craig Potter geben Antwort.

Die britische Band Elbow tritt am Stimmen-Festival in Arlesheim auf. Wie haben sie die Terrorattacke in ihrer Heimatstadt Manchester erlebt, was denken sie über den Brexit? Sänger Guy Garvey und Keyboarder Craig Potter geben Antwort.

Sie machen seit 25 Jahren Musik, der grosse internationale Durchbruch war ihnen allerdings erst spät vergönnt: 2008, mit ihrem vierten Album «The Seldom Seen Kid», wurden Elbow aus Manchester mit Preisen und Lob überschüttet. Ihre schwebenden, erhabenen Songs lassen den Einfluss von Radiohead erahnen, die sie zu ihren ganz grossen Vorbildern zählen. Die Stimme von Guy Garvey erinnert mit ihrem Timbre auch auffallend stark an Peter Gabriel.

Das Stimmen-Festival hat Elbow nach Arlesheim geholt, für eines von gerade mal fünf Open-Air-Konzerten auf kontinentaleuropäischem Boden in diesem Sommer. Schotten sie sich vom Kontinent ab, zeigt da schon der Brexit Wirkung? Guy Garvey und Keyboarder Craig Potter lachen und winken ab. «Nein, das hat nichts mit dem Brexit zu tun», sagen sie beim kurzen Interview vor dem Soundcheck. «Niemand in unserem Bekanntenkreis hat für den Brexit gestimmt», sagen sie im Video-Interview. «Wir betrachten diesen Mehrheitsentscheid als das grösste kulturelle Desaster unseres Lebens.»

Ein anderes Desaster spielte sich vor wenigen Wochen in ihrer Heimatstadt Manchester ab: Nach einem Popkonzert der Sängerin Ariana Grande riss ein islamistischer Selbstmordattentäter 22 Konzertbesucher in den Tod, darunter viele Jugendliche. 

«Als wir am nächsten Morgen davon hörten, waren wir schockiert und konsterniert», sagt Craig Potter. «Wenn so etwas in deiner Nähe passiert, betrifft dich das besonders stark. Hinzu kommt, dass wir selber schon oft in der Arena gespielt haben.»

Guy Garvey, der kürzlich nach London zog, hat das Attentat auch aufgewühlt, weil er vor kurzem Vater wurde. Er erinnert sich daran, wie er als Schüler die ersten Grosskonzerte besuchte, wie aufgeregt er selber war, wenn er via Victoria Station in den Ausgang ging. 

So schrecklich das Attentat war: Auch das Zusammengehörigkeitsgefühl hat ihn aufgewühlt. «Es hat uns alle stark gemacht. Und mich wahnsinnig stolz. Wie Manchester darauf reagiert hat, machte mich stolzer denn je.»

Im vergangenen Jahr verliess der Drummer Richard Jupp die Band, nach 25 Jahren. Wie schaffen es die restlichen vier, zusammen zu bleiben, sich nicht gegenseitig auf die Nerven zu gehen? «Wir versuchen, uns nicht in Repertoire-Diskussionen zu verlieren und uns an solchen Dingen aufzureiben», sagt Craig Potter. Sie hätten sich immer nur in musikalischen Fragen richtig hart gestritten. «Weil wir so leidenschaftlich bei der Sache sind.»

Wie leidenschaftlich Elbow 2017 auf der Bühne sind, zeigt ihr Konzert bei «Stimmen»: heute Freitag, auf dem Domplatz Arlesheim, 20 Uhr. 

 

Das ganze Interview erscheint am Montag in der bz.

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