Klassik

Eine zauberhafte Stimme des Wassers

Als sei sie mit ihrem Instrument dem Wasser entstiegen: Die Flötistin Eva Oertle.

Als sei sie mit ihrem Instrument dem Wasser entstiegen: Die Flötistin Eva Oertle.

Flötistin Eva Oertle ist Künstlerin und Musikvermittlerin – jetzt präsentiert sie eine neue CD. Die Flötistin widmet ihre neue CD «Undine» der Nixe in ihrer unterschiedlichen Erscheinung. Ausgangspunkt ist Carl Reinckes Flötensonate «Undine».

«Mich fasziniert das Element des Wassers», sagt die Flötistin und SRF-Musikredaktorin Eva Oertle, die in Gerra am Lago Maggiore aufgewachsen ist und immer wieder gerne dorthin geht. Ob Meer oder See, Eva Oertle liebt das Wasser. Sie ist fasziniert von den märchenhaften Wesen, den Nixen, die in den mythologischen Geschichten auftauchen, die sich um dieses Element der Weite und Unergründlichkeit ranken. Das Meer und der See mit den vom Menschen erfundenen Wesen ist zudem ein Bild für das Unbewusste. Die Nymphen, halb Fisch, halb Frau, regten die Fantasie von Schriftstellern, Malern, Komponisten an und weckten ihr Begehren – vor allem in der Romantik. Mal ist die Undine, Rusalka, Loreley oder Sirene todbringende Verführerin, mal Leidende, weil sie eine verlorene Seele ist. Der Nixe – in ihrer unterschiedlichen Erscheinung – widmet Eva Oertle ihre neue CD «Undine»; mit Carl Reinckes Flötensonate «Undine» als Ausgangspunkt. Aus diesem Anlass haben wir uns in Basel, wo Eva Oertle heute wohnt, zum Gespräch getroffen.

«Den Klang der Querflöte verbinde ich mit den Elementen Wasser und Luft.» Sie spricht von der Leichtigkeit, der Geschmeidigkeit des Tons. Eva Oertles Leidenschaft und Begeisterung für ihr Instrument ist fühlbar. «Mich hat die Flöte immer fasziniert», erzählt sie. Kein anderes Instrument könne schöner, anmutiger singen – mit ihrem Spiel belegt sie aufs Schönste ihre These.

Zwei Säulen: Musik und Sprache

Die in St. Gallen geborene, im Tessin aufgewachsene Eva Oertle studierte an den Musikhochschulen in Freiburg und Basel Querflöte – bei Janek Rosset, Flötist im Tonhalle-Orchester Zürich, sowie den Baslern Felix Renggli und Peter-Lukas Graf. Nach dem Konzertdiplom bildete sie sich an der Schola Cantorum Basiliensis in historisch informierter Aufführungspraxis weiter und studierte zuerst hier Traversflöte, später bei Rachel Brown in London. Die Engländerin gehört zu den Stars der Alten Musik. Eva Oertle spricht begeistert vom Studium bei ihr.

Der Flötistin «zweite Passion» ist die Sprache: In Freiburg pendelte sie deswegen zwischen der Musikhochschule und der Universität, studierte dort auch Germanistik und Musikwissenschaft. Sie lebt – seit 15 Jahren – ihre beiden Leidenschaften als quasi doppelten Beruf. Sie ist Künstlerin und als Redaktorin bei Radio SRF 2 Kultur Musikvermittlerin. Sie sieht darin «eine bereichernde Ergänzung». Eva Oertle gestaltet Musik-Reportagen, moderiert Live-Sendungen und «Musik für einen Gast», eine Sendung, die sie überaus schätzt. Zudem ist sie Gastgeberin in der «Diskothek», in der verschiedene CD-Aufnahmen verglichen werden. Aber sie rezensiert keine CDs: «Ich urteile nicht über meine Kolleginnen und Kollegen.» Sie profitiere als Musikerin von der Radioarbeit und umgekehrt. Sie höre viele unterschiedliche Interpretationen verschiedener Werke, vertiefe so ihr Repertoirewissen. Die Gestaltung von Radiosendungen wiederum baue auch auf Rhythmus, auf Klang, erklärt sie. So verbinden sich der lebendige Flötenton der Musikerin und der klare Klang der Stimme der Musikredaktorin zum schönen Ensemble.

Als Musikerin bewegt sich Eva Oertle virtuos zwischen Barock, Klassik, Romantik und Neuer Musik, verfügt in allen Bereichen und Epochen über ein eingehendes Wissen.

Vom Barock bis zur Gegenwart

Sie überträgt die Erkenntnisse der historisch informierten Aufführungspraxis auf die Querflöte, pflegt in klassischen wie romantischen Stücken einen kräftigen geradlinigen Ton. Im Barock plädiert sie für die alten Instrumente: «Ich spiele Johann Sebastian Bachs Musik nicht mehr auf dem modernen Instrument, sondern auf der Traversflöte.» Eva Oertle tourt als Traversflötistin mit Eduardo López Banzos spanischem Barockensemble «Al Ayre Español» und vor allem mit Giovanni Antoninis berühmter Truppe «Il Giardino Armonico». «Hier bin ich wie zu Hause», sagt die Flötistin, deren Denken und Fühlen Südeuropa, besonders Italien zugeneigt ist.

Meist spielt sie Kammermusik – zum Beispiel mit dem in Basel ansässigen Gémaux Streichquartett. Derzeit ist sie mit ihrem Klavierpartner Vesselin Stanev mit «Undine» unterwegs. Eine weitere wichtige Partnerin ist die Klarinettistin Karin Dornbusch. Ihnen beiden widmete der Komponist Dieter Ammann 2011 das Duo-Stück «Cute». Helena Winkelmann schrieb in diesem Jahr das Solostück «Aqua» für sie – wobei wir wieder bei einem Lebenselixier Eva Oertles sind: dem Element Wasser. Auf einigen Fotos zur CD entsteigt sie denn auch – Undine gleich – dem Wasser.

Undine Works for Flute & Piano, Eva Oertle und Vesselin Stanev, Sony 2013.
Konzerte
Basel, BauArt, Claragraben 160 am 17.11., 17 Uhr; Olten, Pauluskirche, Konzertreihe Abendmusik, 24.11., 17 Uhr.

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