Archäologen sind bekannt für ihre Jagd nach Schätzen. Seit Indiana Jones weiss jedes Kind, das diese Jagd voller Abenteuer und Gefahren steckt. Nun seilen sich die Forscher und Musiker der Schola Cantorum Basiliensis nicht gerade in Dschungel-Schluchten ab oder graben sich durch vom Einsturz bedrohten Tempelruinen.

Trotzdem sind sie so etwas wie Musik-Archäologen, die eine Schneise durch den Notendschungel schlagen. Ihre Arbeit ist wie ein symbolischer Gang über eine morsche Hängebrücke, wie das Zusammensetzen einer zerbrochenen Vase.

Meist beginnt die Schatzsuche in einem Klosterarchiv und endet – das ist das Besondere – nicht einfach mit dem Sichern, Besitzen und Ausstellen des Fundstücks. Vielmehr führt sie in das viel grössere Abenteuer: das musikalische Experiment. Klingende Hypothesen aufzustellen, darin sind Dozierende wie Studierende der Hochschule für Alte Musik FHNW einsame Spitze.

Denn ob es um Besetzung, Aufführungsbedingungen, Tempo oder Artikulation geht, selten lassen sich endgültig sichere Aussagen treffen. Praktisch alle musikalischen Parameter sind Auslegungssache. Da es keine durchgehende Aufführungspraxis gibt und man sich erst im 20. Jahrhundert wieder begann für die Musik früherer Jahrhunderte zu interessieren, ist das Fragezeichen wohl der treuste Begleiter eines jeden Scholaren. Vielleicht klang es so, aber vielleicht klang es auch ganz anders?

Unspielbar gibt’s nicht

Hier kommen nun die Freunde Alter Musik Basel (FAMB) ins Spiel. Seit 75 Jahren ermöglichen sie die Aufführung dieser musikalischen Fragezeichen vor einem grossen Publikum und bringen so die Arbeit der Schola Cantorum Basiliensis (SCB) zum Leben. Traditionell verantwortet die SCB-Leitung die künstlerischen Entscheidungen des Orchesters.

Mit durchschnittlich sechs Konzerten pro Jahr hat der Verein vor allem historische Räume und Kirchen der Stadt bespielt, aber auch mit anderen Veranstaltern wie dem Theater Basel, der Kaserne, der Cembalomusik in der Stadt Basel oder dem Dom zu Arlesheim kooperiert.

«Dank der Famb können wir immer wieder Experten von ausserhalb einladen, aber auch eigene, grössere Projekte stemmen, die sonst nicht möglich wären,» erläutert Martin Kirnbauer, der die Forschungsabteilung der SCB leitet. In Vorbereitung auf das Jubiläum haben nun Dozenten und Studenten ein Semester lang ihr Fragezeichen hinter den Renaissance-Komponisten Ludwig Senfl gesetzt, der vermutlich in Basel geboren wurde.

Unter dem Titel «Senfl reloaded» wird so an das erste Konzert der Freunde Alter Musik erinnert, das ebenfalls Senfl-Liedern gewidmet war. 75 Jahre und 465 Konzerte später hat die musikalische Schatzsuche einige neue Erkenntnisse und eine kleine Sensation gebracht.

Kirnbauer schreibt: «Die Sänger werden nur aus Originalnoten spielen. Sie stehen um ein grosses Chorbuch herum und werden von Zink und Posaune begleitet. Unter den Werken sind auch solche, die bislang als unspielbar galten.»

Davon wird wohl nicht zuletzt auch die Senfl-Spezialistin Birgit Lodes aus Wien begeistert sein, die in einem Vortrag Senfl als politischen Komponisten beleuchtet.

«Senfl reloaded» Samstag, 27. Januar, 18 Uhr: Vortrag von Birgti Lodes in der Musik-Akademie Basel. 19.30 Uhr: Konzert in der Leonhardskirche, Basel.