Argovia Philharmonic
Eine Geigerin tanzt mit dem Argovia Philharmonic ins Glück

Die Violinistin Alina Ibragimova erntet als Solistin beim Argovia Philharmonic zu Recht Beifallsstürme. Sie spielt dieser Tage noch dreimal im Aargau.

Christian Berzins
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Alina Ibragimova verblüfft mit Beethovens Violinkonzert.

Alina Ibragimova verblüfft mit Beethovens Violinkonzert.

HO

Was ist die Aufgabe eines Konzertabends? Hat er überhaupt eine Aufgabe? Darf er vielleicht auch ganz einfach unterhalten und verzaubern? Oder soll er uns nach einem langen Tag auch noch fordern, stören, belehren?

Wir überlegten uns diese Fragen, als wir am Dienstag nach dem 2. Abokonzert zufrieden das KuK in Aarau verliessen, hatten wir doch alle diese fünf Regungen erlebt. Das lag einerseits am Programm, andererseits auch an der Solistin. Heute in Baden und am Sonntag in Aarau kann das Folgende nachgeprüft oder nachgehört werden.

Douglas Bostocks Liebe

Obwohl der Programmtitel «Hymne an das Leben» lautete, war das Thema Norden zentral. So wie in den – gefühlt – sieben vorangehenden Saisons. Werke von Jean Sibelius und Carl Nielsen standen auf dem Programm – Musik also, die Argovia-Philharmonic-Chefdirigent Douglas Bostock über alles liebt. Aber klar: Sibelius ist Jahres-Jubilar, sein 150. Geburtstag wird am 8. Dezember gefeiert.

Seine sinfonische Dichtung «Finlandia» ist ein tolles Werk – aber auch ein heikles: Eines, das von einem akustisch idealen Saal klangvoll getragen werden will. Das KuK ist ein hartes Pflaster für solcherlei Klangzauber: Jede Unsauberkeit, und davon gab es einige, wird hier nur zu deutlich erkennbar, jedes Gramm zu viel wirkt dort drinnen tonnenschwer. Bostock ist zwar ein Meister in der Beherrschung des KuK, aber auch nur so weit, wie ihm das Orchester perfekt folgt.

Ein Ton, den keiner vergisst

Nielsens 3. Sinfonie, die «sinfonia espansiva», ist ein Mosaik der Schönheiten, Skurrilitäten und Überraschungen: Im 3. Satz beginnt sie dann auch noch zu blinken, setzen doch Sopran und Bariton mit einer Vokalise ein, schweben dank der süssen Ausgestaltung des Vokales «a» davon. Flurina Stucki und Jonathan Sells taten das hervorragend.

Hauptwerk des Abends war Ludwig van Beethovens Violinkonzert. Das Argovia Philharmonic war hierbei sehr präsent: Kein Wunder, vor dem Orchester stand mit Alina Ibragimova eine überaus inspirierende Geigensolistin.

Die Russin verfügt über einen Ton, der einem noch stundenlang im Ohr bleibt: süss, rein, klar und so variabel in den feinsten Wendungen, dass man immer wieder hingerissen staunt. Fürchterlich muss es für die 30-Jährige allerdings sein, wenn mal ein Lauf missrät. Dieses Spiel lebt nämlich von innigster Sorgfalt, es sucht die Perfektion: Diese Kunst bereitet der Geigerin Ibragimova den Weg zu einer wohlbedachten Feier der Schönheit.

Jubelnde Aarauer

Die Ausgestaltung eines Pianissimos in der höchsten Lage kostet sie mit aller Raffinesse aus; weitreichende Legatobögen werden sinnlich zelebriert, aber nie übertrieben. Die kühne Zurückhaltung Ibragimovas macht jeden ihrer Töne spannend. Und so tanzt sie denn im 3. Satz auf leisen Sohlen in Glück. Der Triumph ist ihr nach der Kadenz nicht mehr zu nehmen, kurz vor dem Schlusston liegt da locker ein dreifaches Piano drin. Kein Wunder, war das sonst reservierte Aarauer Publikum zu Jubelgesten fähig.

Das Andante aus Bach 2. Sonate gabs als Dank – und gleichzeitig als Amuse-Bouche für ihr Rezital am Samstagabend. Dann nämlich spielt Ibragimova zusammen mit dem famosen Schweizer Pianisten Louis Schwizgebel gleich nochmals in Aarau.

Wiederholung Sinfoniekonzert: Baden, Fr 27. 11., Kurtheater (!), 19. 30 Uhr; Aarau So 29. 11. KuK Aarau, jeweils 17 Uhr

Rezital: Ibragimova/Louis Schwizgebel: Sa 28. 11., 20 Uhr, Aarau (KuK). Bach, Beethoven.

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