Die Vorbereitungen von Luca Hänni für den Eurovision Song Contest laufen auf Hochtouren. Promo in Deutschland, Produktionenproben in Schweden stehen auf dem Programm und am nächsten Sonntag geht es ab nach Tel Aviv, wo der Berner Sänger am 16. Mai im zweiten Halbfinal für die Schweiz antreten wird. Doch zunächst muss er in der Schweiz noch einen Interview-Marathon bewältigen.

Was können wir von Ihnen in Tel Aviv auf der Bühne erwarten?

Luca Hänni: Zu viel darf ich noch nicht verraten, aber es wird in meiner Show viel getanzt auf der Bühne. Es ist für mich eine riesige Herausforderung, denn eine so grosse Show habe ich noch nie gemacht. Es ist mehr als ein Konzertauftritt. Auf der Bühne stehen keine Musiker, dafür umso mehr Tänzer und Tänzerinnen. Alles muss perfekt getimt sein. Das ist die grösste Schwierigkeit, aber ich bin überzeugt, dass es gut kommt.

Sie haben schon im Vorfeld einen Tanz zum Song geliefert. Steht dieser Tanzschritt im Zentrum?

Im Zentrum stehen der Song und mein Gesang. Aber darum herum wird eine gigantische Show kreiert, in der dieser Tanzschritt ein wichtiges Element ist. Die Idee ist, dass das Publikum den Tanzschritt nachahmt und mittanzt.

Wie ist Ihre Beziehung zum Eurovision Song Contest?

Ich habe ihn immer verfolgt. Was mich inspiriert ist die Show. Auf dieser Bühne kannst du wirklich alles machen, was du willst. Es war für mich immer ein Traum, eine solche Show mit fast unbegrenzten Möglichkeiten umzusetzen.

Der Song hat einen orientalischen Touch. Ist das eine bewusste Konzession an die östlichen Länder?

Dieser orientalische Touch passt perfekt zu diesem Anlass. Es war aber nicht wirklich geplant. Damals, als ich den Song im Komponisten-Camp schrieb, war es Sommer und heiss. Ich liess mich einfach vom Sonnenschein inspirieren.

Wie schätzen Sie Ihre Konkurrenz in ihrem Halbfinal ein?

Hm … leider sind alle starken Länder und Favoriten in diesem Halbfinal. Ich versuche, das auszublenden, und will das Publikum mit unserer Show überraschen und überzeugen. Cool finde ich, dass meine Fans in Deutschland abstimmen können. Ich setze darauf, das Final zu erreichen.

Schweizer Kandidaten haben sich in den letzten Jahren schwergetan. Was ist der Grund für Ihre Zuversicht?

Ich bin überzeugt, dass wir in Tel Aviv einen guten Job machen werden. Wie auch ein Showcase in Amsterdam gezeigt hat, kommt der Song sehr gut an. Dazu schneidet «She Got Me» bei den Wetten exzellent ab, er zählt zu den Favoriten und ist immer in den Top 3. Kein Schweizer Song wurde in den letzten Jahren so hoch eingeschätzt. Das gibt mir Mut. Ich würde nicht teilnehmen, wenn ich nicht überzeugt wäre, dass ich diesen Final erreichen kann.

Der ESC kennt ganz eigene, etwas undurchsichtige Gesetze. Für die Schweiz ist es schwierig aufgrund der politischen Konstellation. Wie wollen Sie diesen Nachteil überwinden?

Es stimmt. Für uns ruft niemand an, nur weil wir aus der Schweiz sind. Da sind andere Länder im Vorteil. Umso mehr müssen wir mit unserer Show punkten. Das ist für mich ein Ansporn.

Betreiben Sie aktives Lobbying in anderen Ländern?

Nein, der Showcase in Amsterdam war der einzige Testlauf. Wir haben beschlossen, dass wir unsere Zeit besser in die Trainings und Proben investieren.

Für Schweizer Kandidaten gibt es gewisse Regeln. Eine besagt, dass Bekanntheit wie DJ Bobo kein Garant für Erfolg ist. Was sagen Sie dazu?

Das stimmt sicher. Was mich betrifft: Mich kennt man im deutschsprachigen Raum. Aber für die meisten anderen Länder bin ich ein Newcomer. Meine Erfahrung kommt mir sicher zugut. Ich bin jeden- falls froh, dass ich nicht erst seit gestern Musik mache und auf der Bühne stehe. Ich wäre hoffnungslos überfordert.

Auch Qualität ist kein Garant für Erfolg. Das hat das Beispiel von Zibbz im letzten Jahr gezeigt. Oder?

Ich bin überzeugt, dass Qualität beim ESC eine sehr grosse Rolle spielt, schliesslich setzt sich das Resultat zur Hälfte aus den Jurystimmen zusammen. Qualität ist eine Voraussetzung, aber nicht der Ga- rant für Erfolg. Es zählt wohl alles miteinander – die Show, der Song und ob man das Publikum in diesen drei Minu- ten wirklich berühren konnte. Erzwingen kann man nichts.

Eine weitere Regel besagt, dass bekannte Schweizer Künstler fast nur verlieren können.

Ich für mich persönlich finde, dass ich bereits jetzt gewonnen habe. In den letzten paar Monaten konnte ich schon so viel dazulernen und neue Kontakte knüpfen.

Ihre Karriere ist in einer schwierigen Situation. Seit vier Jahren haben Sie kein Album mehr veröffentlicht und die Singles «Powder» und «Signs» waren nur mässig erfolgreich. Weshalb will es nicht mehr so richtig klappen?

Ich persönlich bin mit der momentanen Situation sehr zufrieden – ich arbeite stetig an neuen Projekten und entwickle mich künstlerisch weiter. Dazu gehört auch meine neue Musik, welche bald mit dem Album im Herbst veröffent- licht werden wird.

Erhoffen Sie sich vom ESC, Ihre Karriere neu zu lancieren?

Ich bin sehr froh und dankbar, was ich musikalisch bereits erreicht habe. Mit der Teilnahme am Eurovision Song Contest erhoffe ich mir mit meiner Musik, auch ausserhalb der Schweiz, Deutschlands und Österreichs, die Menschen ansprechen und begeistern zu können.

Wie geht es weiter, wenn Sie den Final nicht erreichen?

Ich würde einfach weiter an meinem Album arbeiten, das derzeit in der Entstehung ist. Daran ändert sich nichts. Zudem habe ich im Sommer diverse Shows, arbeite an neuen Bühnenperformances und im Herbst geht es auf Tour.