Der Anfang ist einfach: Ein weisses Männchen steht auf der Bühne. Es schlägt einen projizierten Ball präzise aus dem Blickfeld der Zuschauer. Und erzeugt so einen elektronischen Basstupfer. Immer wieder. Während der Bass langsam in Herz und Niere übergeht, tritt das Marsmännchen zurück und überlässt seinem Schatten an genau der gleichen Position dieselbe Aufgabe. Ein weiterer Ball poppt auf. Er wird als Schlagzeug-Snare benutzt. Und ständig blubbern mehr Soundelemente hoch, die sich zu einem Technobeat zusammenbrauen. So entsteht nach und nach ein kompletter Beat. Ein schöner Beat. Ein Technosound, dem man beim Entstehen zuschauen konnte.

Ein Gewühl von Schatten und Bällen

Und einer, den man aber nicht nur hören, sondern auch sehen kann. Ein Gewühl von Schatten und Bällen, indem die reale Person wie verloren scheint. Was ist Projektion, was ist Realität, fragt sich der verblüffte Zuschauer. Und da, plötzlich vereinen sich alle Schatten wieder mit der realen Person, werden zum Riesenmanga in Regenbogenfarben und liefern eine synchrone Tanzshow ab. Freakig ist das und neuartig. Man kommt mit dem Schauen gar nicht hinterher, in diesem puren Irrsinn irgendwo zwischen Kinderzimmer und Technodisco, zwischen Videogame und Kraftwerk-Konzert der japanischen Multimedia-Künstler Siro-A.

Unmöglich zu charakterisieren

Das junge Quartett aus Artisten und ihr Begleitduo aus einem Sound-Programmierer und einem Video-Künstler haben sich mal so eben eine eigene Kunstform erschaffen und dürften mit ihr beim Europadebüt auf staunende Gesichter und lobende Erwähnung hoffen. Siro-A, was auf Japanisch so viel bedeutet wie «unmöglich zu charakterisieren» – ein Name, wie er treffender kaum hätte sein können – ist eine Künstlergruppe, die 2002 von sechs Studenten in Sendai gegründet wurde. Sie vereint der Wunsch, abseits der konventionellen Schauspiel- und Aktionskunst etwas Neues zu machen, das sie kurzerhand – und durchaus selbstbewusst – «die neue Generation des Entertainment» nennen.

Die computergenerierte Trickkiste

Dafür greifen sie tief in die computergenerierte Trickkiste und kombinieren Elektro-Beats mit visuellen Effekten, Bewegung, Licht und Tanz-Choreografien. Die ersten öffentlichen Auftritte hatten sie 2002 auf Festivals in Japan, kurze Zeit später auch im japanischen TV. Und bald darauf waren alle ihre Auftritte in Asien ausverkauft.

Schnitt, Zoom, Überblendung – Siro-A hat eine Möglichkeit gefunden, mit perspektivischen Tricks Filmausschnitten und Projektionen die Räumlichkeit zurückzugeben. Eine Mischung aus Kinderspiel und Präzisionstechnik. Als hätten sich sechs Computerfreaks mit Balletttänzern vereint, um ein Loblied auf den Computer, Packman, Tetris und Co zu singen. Ein Loblied, in dem virtuelle und reale Welt nicht zu unterscheiden sind. So als brülle uns Siro-A zu: Wir benutzen das Internet und den Computer nicht, wir leben darin! Wir sind halt einfach im Sternzeichen Google geboren. Das ist das Geheimnis dieser Produktion.

Fehlender roter Faden

Was der Show allerdings noch fehlt, ist ein roter Faden, der durch das Programm führt. Aber vielleicht ist auch dies einfach Zeitgeist. Eine Aneinanderreihung von Clips, wie sie auch die Werbung liebt. Man muss es sagen: Dabei entstehen viele verblüffende und einige bezaubernde Szenen. Die angestrebte Poesie, sie ist grösstenteils verwirklicht. Alles in allem also eine wunderbare Show für alle, die sich für Computer und Videogames begeistern und bereit sind, sich in ein zwischen zwei und drei Dimensionen changierendes Wunderland entführen zu lassen.

Der Anfang der Show ist einfach, der Schluss ist es übrigens auch, als hätte man den Strom rausgezogen steht da nur noch ein simples «Game over» auf der Bühne.

Siro-A treten heute 20 Uhr im Zürcher Komplex 457 auf. Weitere Auftritte: Mi, 12.September, bis Sa, 15.September. Tickets auf www.siro-a.de

Siro-a - A Technodelic Visual Show