MelodyAarau

Ein Musikfestival mit politischer Botschaft

Akkordeonist Srdjan Vukasinovic ist der künstlerische Leiter von MelodyAarau. Seine Frau, die Violinistin Sira Eigenmann, ist auch beteiligt.HEINZ KURSAAL

Akkordeonist Srdjan Vukasinovic ist der künstlerische Leiter von MelodyAarau. Seine Frau, die Violinistin Sira Eigenmann, ist auch beteiligt.HEINZ KURSAAL

In der Alten Reithalle Aarau gibt es an Pfingsten 2018 ein neues, attraktives Festival zwischen Klassik, Jazz und Volksmusik.

Er will die klassische Musik aus dem starren Korsett befreien, ein neues Publikum gewinnen. Srdjan Vukasinovic heisst der künstlerische Leiter des neusten Aargauer Festivals MelodyAarau, das im nächsten Jahr über Pfingsten erstmals in der Alten Reithalle Aarau stattfinden wird. Der aus Serbien stammende Akkordeonist wohnt mit seiner Frau, der Violinistin Sira Eigenmann, in Winterthur, wo die beiden seit zwei Jahren schon das ähnlich gelagerte Klassik Nuevo leiten. MelodyAarau ist aber stilistisch noch etwas breiter angelegt. Neben klassischen sollen auch jazzige und volksmusikalische Klänge ertönen.
Am Montagabend wurden im Stall der Alten Reithalle Konzept und Programm vorgestellt.

Vukasinovic selbst spielt darin auch als Musiker eine wichtige Rolle. «Vivaldi Nuevo» nennt er sein Programm, in dem er «Die vier Jahreszeiten» mit dem Akkordeon neu interpretiert und ihnen einen volksmusikalischen Touch verleiht. «Ich habe Vivaldi modernisiert und passe das Stück der Zeit» an, sagt er im Stall. Begleitet wird er dabei vom sechsköpfigen Klassik Nuevo Orchestra, in dem auch seine Frau beteiligt ist, sowie unterstützt von Andres Bosshard, einem der bekanntesten Schweizer Klangkünstler.

Weiterer Hauptact (Samstag) ist der amerikanische Sänger und Gitarrenvirtuose Raul Midón (51), der zwischen Soul und Jazz pendelt. In Aarau wird der blinde Musiker von Streichern des Klassik Nuevo Orchestras begleitet, das der Musik eine klassische Dimension beimischt. Am dritten Festivaltag kommt es zur Begegnung der portugiesischen Fadista Carminho mit dem Argovia Philharmonic. Die 33-jährige Sängerin wird in ihrer Heimat als «die neue Stimme des Fado» gefeiert, fühlt sich im Gegensatz zu ihren Kolleginnen Mariza und Cristina Branco aber dem traditionellen Fado verpflichtet. Ihr Album «Alma» war 113 Wochen in der portugiesischen Hitparade.

Das neue Festival ist lokal, national und international. Für die regionalen Delikatessen ist die bekannte Veranstalterin und Klavierlehrerin Irene Näf-Kuhn zuständig. Das Eröffnungskonzert wird von der jungen Aarauer Jazz-Sängerin Cinzia Catania bestritten, die in ihre Musik auch Pop und Elemente der sizilianischen Volksmusik einfliessen lässt. Am Samstagnachmittag finden in sechs verschiedenen Lokalitäten sechs kleine Klavierkonzerte mit sechs Pianisten statt wie den Aarauern Steven Parry und Thomas Lüscher, Samuel Kopp (Hammerflügel), Ioana Ilie (klassische Improvisation), Ludovic van Hellemont und Marina Vasilyeva. Die Konzerte sind gratis und werden bei schönem Wetter auf die Strasse disloziert. Das Opernhaus Zürich reist am Sonntagnachmittag mit der Kinderoper «Die chinesische Nachtigall» von Igor Strawinsky nach Aarau, und für nächtliche Partystimmung sorgt am Freitag und Samstag ab 23 Uhr der Aargauische Funk- und Soulexpress Unique um den formidablen Sänger Reginald Saunders.

Breit abgestütztes Festival

Die Idee zum jüngsten Aargauer Festival entstand 30 Flugstunden von der Schweiz entfernt. Auf den Osterinseln im Pazifischen Ozean lernte Srdjan Vukasinovic den musikbegeisterten Unternehmer Urban Müller, Inhaber der Müller Steinag Gruppe, kennen, der ihn wiederum mit dem Aarauer AKB-Direktionsmitglied Roman Kuhn bekannt macht. CVP-Regierungsrat Markus Dieth gesellte sich dazu, auch Jürg Schärer, der Präsident des Argovia Philharmonic, die Aarauer Stadtpräsidentin Jolanda Urech, Lelia Hunziker, Präsidentin des Einwohnerrats Aarau, FDP-Grossrätin Maja Wanner und, und, und.

Das je achtköpfige Organisations- und Patronatskomitee ist breit abgestützt, die Hauptsponsoren sind attraktiv. Einige Vertreter betonen im Stall offen, dass das Festival eine politische Botschaft hat: «Wir wollen die Reithalle füllen und dem Aarauer Publikum zeigen, was in dieser wunderbaren Halle alles möglich ist», sagt OK-Präsident Roman Kuhn. Der Zeitpunkt des Festivals drei Wochen vor der Abstimmung über die Alte Reithalle, ist denn auch kein Zufall. Es soll dem Projekt Reithalle weiteren Schub verleihen. Kuhn betont aber, dass sich die politische Komponente erst entwickelte, als die Lokalität für das Festival bestimmt wurde. «Die Reithalle hat uns motiviert, inspiriert und beflügelt», sagt er.

So erhält der Aargau im ohnehin schon festivalintensiven Frühling und Frühsommer ein weiteres attraktives Festival, das im Zweijahresrhythmus geplant ist. Gleichzeitig mit «MelodyAarau» finden das Klassikfestival auf dem Schloss Brunegg und das Bluesfestival Baden statt. Danach folgen die Klassikfestivals SOLsberg, die Lenzburgiade sowie der Boswiler Sommer (siehe Box).

Konkurrenz zu Lenzburgiade?

Pikant ist, dass die Aargauische Kantonalbank (AKB) mit der Lenzburgiade auf Schloss Lenzburg und MelodyAarau innerhalb eines Monats gleich zwei Festivals mit einer ähnlichen musikalischen Ausrichtung unterstützt. «Wir sehen keine Konkurrenz», sagt dazu Kuhn. Er sieht zwar die Parallelen, betont aber die Unterschiede: MelodyAarau biete im Umfeld der Reithalle eine «ganz andere Atmosphäre». Das Festival sei «weniger traditionell, biete neue Formen und sei in seinem urbanen Umfeld auf ein jüngeres Publikum ausgerichtet».

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