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Ein Jahr nach ihrem Tod: Vater von Amy Winhouse packt aus

Hinter dem Popstar-Punker-Girl-Image verbarg sich eine junge, sensible Frau mit einer Menge Problemen. Matt Dunham/Keystone

Hinter dem Popstar-Punker-Girl-Image verbarg sich eine junge, sensible Frau mit einer Menge Problemen. Matt Dunham/Keystone

Mitch Winehouse, Vater von Amy Winehouse, hat eine Biografie des verstorbenen Weltstars veröffentlicht. Darin geizt er nicht mit schmutzigen Details aus dem Leben der Sängerin, die vor einem Jahr mit 27 an einer Alkoholvergiftung starb.

Auf dem neuen Album von Rapper Nas ist noch einmal ihre Stimme zu hören, in den Buchhandlungen funkeln ihre grünen Katzenaugen aus den Regalen. Ein Jahr nach ihrem Tod ist Amy Winehouse wieder auffällig präsent.

Ihr Leben war eine gigantische Achterbahnfahrt. Innerhalb von weniger als einer Dekade avancierte die Londonerin dank ihrer Soul-Röhre, ihrer nonchalanten Art und ihres einzigartigen Looks zu einer Pop-Ikone. Wofür andere ein ganzes Leben brauchen, das erreichte die kleine Soul-Diva in kurzer Zeit: Die erste Gitarre mit 14, das erste Tattoo mit 15, einen Plattenvertrag mit 18, der erste Top-Ten-Hit und der erste Zusammenbruch mit 23. Das Ende kam viel zu früh: Mit 27 starb Amy Winehouse am 23. Juli vergangenen Jahres an einer Alkoholvergiftung.

Eltern sind Alleinerben

Ihr Management wollte sie in die Entzugsklinik stecken, doch Amy Winehouse hatte andere Pläne: «I ain’t got the time and if my daddy thinks I’m fine, I won’t go, go, go», trotzte die britische Sängerin in ihrem wohl bekanntesten Song «Rehab». Wie ihr Daddy sich dabei fühlte, berichtet dieser nun in einem 250-seitigen Buch, «Meine Tochter Amy». In nüchternem Ton schildert der ehemalige Taxi-Fahrer Mitch Winehouse den Werdegang seiner talentierten Tochter.

Der Einfluss des stets präsenten Vaters auf ihre Karriere wurde immer wieder kritisiert. Wieso hat er, der hinter den Kulissen die Fäden zusammenhielt, sie in oft desaströsem Zustand auftreten lassen? Wieso hat er, während sie gegen ihre Sucht ankämpfte, ein eigenes Album aufgenommen? Und wieso veröffentlicht er knapp ein Jahr nach ihrem Tod eine Biografie, die nicht mit schmutzigen Details geizt? Wegen des Geldes hat der heute 60-Jährige das Buch wohl kaum verfasst, denn er und seine Ex-Frau sind die Alleinerben des Millionen-Vermögens ihrer Tochter. Sein gesamtes Autorenhonorar geht an die Amy Winehouse Foundation, wie er betont. Eine Stiftung, die benachteiligte Kinder und Jugendliche unterstützt.

Amy Winehouse im Duett mit Tony Bennett (Body and Soul)

Amy Winehouse im Duett mit Tony Bennett (Body and Soul)

Superstar auf Abwegen

In der Biografie erfährt man über Amy Winehouse als Person wenig, das nicht bereits in den Medien zu lesen war. Mitch Winehouse zeigt stattdessen die Geschichte hinter den Schlagzeilen. Wie es ist, permanent von Paparazzi belagert zu werden. Wie es ist, morgens die Zeitung aufzuschlagen in der Hoffnung, keine neuen Horror-Storys über die eigene Tochter zu lesen. Fast täglich erschienen neue Bilder des Nachwuchstalents auf Abwegen: Amy in blutverschmierten Ballerinas, Amy sturzbetrunken am Mikrofon, Amy mit Verletzungen am Arm.

Hinter dem Popstar-Punker-Girl-Image verbarg sich eine junge, sensible Frau aus Fleisch und Blut, die eine Menge Probleme hatte. Amy Winehouse sang den Blues nicht nur, sie lebte ihn. Ihren ersten grossen Liebeskummer verarbeitete sie in den Songs von «Back To Black». Später wollte sie manche der Titel nicht mehr singen, da es sie zu sehr schmerzte. «Die Leute liefen die Strassen entlang und summten ‹Love Is A Losing Game›, für Amy jedoch war der Song ein Stich ins Herz», schreibt Mitch Winehouse.

Obwohl Amy Winehouse zu Lebzeiten nur zwei Studioalben veröffentlichte, gibt es laut Mitch Winehouse genug Material für mindestens zwei weitere Longplayer. Was Fans freut, ist für die Industrie ein verlockendes Geschäft: Die dritte, vier Monate nach dem Tod von Amy Winehouse veröffentlichte LP, «Lioness: Hidden Treasures» mit zuvor unveröffentlichten Songs erreichte die Top 10 in zahlreichen Ländern. Die Erlöse gingen ebenfalls an die Winehouse-Stiftung – genau wie die Provision der Amy-Winehouse-Kollektion von Fred Perry, die in Zusammenarbeit mit der Künstlerin kreiert wurde.

Längst ist ihr Name zu einer Marke geworden. So bringen sich auch einige Kollegen durch die Verstorbene ins Gespräch: Nas zaubert auf seinem neuen Album «Life Is Good» ein Duett mit Amy Winehouse aus dem Studioarchiv. Ihr letzter Lebenspartner, der Regisseur Reg Traviss, plant eine Film-Biografie über seine Liebste. Und Pete Doherty will für sein nächstes Solo-Album Lyrics aus der Feder von Winehouse verwenden. Der ein oder andere wird wohl auch in Zukunft versuchen, mit ihrem Namen Geld zu machen. Fest steht: Amy Winehouse war eine der begabtesten Sängerinnen der letzten Jahre und wird weitere Generationen mit ihrer Musik und ihrem Leben faszinieren.

Mitch Winehouse Meine Tochter Amy. Edel-Verlag 2012. 285 S., Fr. 28.50.

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