Duffys «Rockferry» gehörte zu den Alben, die das Jahr 2008 definierten. Es war eine süffige Sammlung von jazzig angehauchtem Retro-Pop, vom Geist her irgendwo zwischen Dusty Springfield und Lulu angesiedelt, während das grandios melancholische Titelstück die Tiefen eines stillen Waldsees erahnen liess. Mehr als 6 Millionen Exemplare wurden von dem Album verkauft, und es brachte der jungen walisischen Sängerin mit der kernigen Stimme einen Grammy ein.

Alles neu auf zweitem Album

Statt nun aber für ihr zweites Album nochmals das gleiche Erfolgsrezept anzuwenden, hat sie alles – Manager, Produzent, Ko-Autoren, Aufnahmestudio – ausgewechselt. Dies nicht immer freiwillig, scheint es: Vom Manager, von dem sie sich eine Verbindung fürs Leben erhofft hatte, sei sie fallen gelassen worden mit dem Argument, man habe mit ihr erreicht, was man erreichen könne. Die eigenartige Erklärung lässt auf fliegende Fetzen hinter den Kulissen schliessen.

Dafür ist jetzt ein neuer musikalischer Partner ins Leben von Duffy getreten: Als Mitkomponist und Produzent waltet der Veteran Albert Hammond, aus dessen Feder allerhand Tina-Turner-Hits, aber auch der Schlager «Little Arrows» von Leapy Lee und der Hollies-Evergreen «The Air That I Breathe» stammen. Er hat für Duffy einen beschwingteren und bunteren Pop-Sound mit einem Hauch Disco und Soul geschrieben, der natürlich immer noch sehr nach Sixties klingt. Da und dort – zum Beispiel auf der ersten Single-Auskoppelung «Well, Well, Well» – verhilft ihr der Schlagzeuger Guestlove von der Hip-Hop-Band The Roots zu trickigen Synkopen, die den Bogen in die Jetztzeit schlagen.

«Bis es das Schicksal irgendwo ablegt»

Auf die Frage hin, wie es zu all diesen Veränderungen gekommen sei, schüttelt die Musikerin Duffy ratlos den Kopf. «Das Leben halt», sagt sie schliesslich. «Manchmal fühle ich mich wie ein Blatt im Wind, das dahin und dorthin getrieben wird, bis es das Schicksal irgendwo ablegt.»

Sie sei sich voll und ganz bewusst, dass die wichtigsten Schritte in ihrem Leben nichts mit Intelligenz oder Überlegung zu tun gehabt hätten: «Die wichtigsten Entschlüsse in meinem Leben habe nicht ich gefasst», sagt sie. «Albert Hammond zum Beispiel hat mich am Fernsehen gesehen und ist mit mir in Kontakt getreten.

Er wollte mit mir arbeiten. Sie sitzen nicht einer intelligenten Frau gegenüber. Sie sitzen einer Frau gegenüber, welche es versteht, eine Chance am Schopf zu packen, wenn sie sich ergibt.» Selbstvertrauen gehörte nie zu den Stärken von Duffy. Schuld daran war vor allem eine diffizile Teenage-Zeit, wo sie hin- und hergerissen wurde zwischen geschiedenen Eltern und ins Schleudern geriet. Allerhand musikalische Abenteuer führten zu nichts, ehe sie vom unterdessen abgetretenen Manager unter die Fittiche genommen wurde.

Nun habe Albert Hammond weit mehr getan als nur ihren Sound aufgefrischt: «Er ist mein grösster Fan. Ständig schwärmt er von meiner Stimme. Er nahm mich als einen Star wahr, weniger als die Person, die ich bin. Genau das brauchte ich. Ich brauchte jemanden, der mich in den Arm nahm und mir sagte, wo meine Stärken liegen und warum ich überhaupt hier bin.»

Duffy, «Endlessly» (Universal)