US-Popstar Prince ist in seinem Haus in Chanhassan in Minnesota tot aufgefunden worden. Laut Sheriff Jim Olson entdeckten ihn Beamte, die zum Anwesen gerufen worden waren. Medizinisches Personal versuchte vergeblich, den 57-Jährigen wiederzubeleben.

Offenbar erreichte am Donnerstag um 9.43 Uhr Ortszeit der Notruf eines männlichen Anrufers die Rettungskräfte in Minneapolis. «Wir brauchen sofort einen Krankenwagen» («we need an ambulance right now»), sagte der Mann laut eines Anruf-Protokolls, das die Polizei veröffentlichte. «Wir haben hier jemanden, der bewusstlos ist.» («We have a person down, not breathing»)

Der Anrufer wusste zwar, dass er sich bei Prince zu Hause befand. Die Adresse, welche die Telefonistin in der Notrufzentrale brauchte, konnte er aber nicht sofort angeben.

«Wie ist die Adresse?», fragte die Telefonistin. «Wir sind im Haus von Prince», antwortete der hörbar geschockte Anrufer. Er erkundigte sich offenbar bei anderen Personen nach der genauen Adresse. «Sind sie bei der Person, die ...», fragte die Telefonistin. «Ja, es ist Prince!» «Okay, bleiben Sie in der Leitung»: Diese Worte der Telefonistin sind die letzten des Notruf-Protokolls.

Um 10.07 Uhr Ortszeit wurde Prince schliesslich für tot erklärt. Die Polizei schliesst ein mögliches Fremdeinwirken nicht aus. Um dies festzustellen, sei es aber noch viel zu früh, sagte ein Hilssherriff. 

Die Polizei und die Rettungssanitäter seien zuvor telefonisch alarmiert und zum Anwesen gerufen worden, hiess es in einer Erklärung des Sheriffs. Zur Todesursache machte er zunächst keine Angaben; er verwies auf laufende Ermittlungen.

Strassenparty in New York

US-Regisseur Spike Lee hat den verstorbenen Musiker mit einer spontanen Strassenparty in New York gefeiert. "Wir sind alle fassungslos über seinen plötzlichen Tod, aber er ist hier bei uns in spiritueller Form", sagte Lee am Donnerstagabend. "Wir lieben ihn."

Wie CNN berichtete, trug der Filmemacher ("Malcolm X"), der mit Prince für einen Kurzfilm zusammengearbeitet hatte, bei der Feier im Stadtteil Brooklyn einen lilafarbenen Pullover – in Anlehnung an den Prince-Hit "Purple Rain".

Purple Rain - Prince AVI

Purple Rain - Prince AVI

 

Mehr als 5000 Menschen seien seinem Aufruf zu der Gedenkparty in sozialen Netzwerken gefolgt, sagte Lee. Videos im Internet zeigen, wie die Prince-Fans zu Hits wie "Let's Go Crazy" tanzten und sangen.

Prince ist laut der Promi-Website "TMZ" vergangene Woche wegen einer Überdosis behandelt worden. Bei einer ungeplanten Zwischenlandung nach einem Konzert wurde ihm in einem Spital ein sogenannter Save Shot gespritzt.

Ein Save Shot sei das übliche Gegenmittel gegen eine Überdosis an Opiaten, schrieb die Promi-Website am Donnerstag (Ortszeit) unter Berufung auf mehrere Quellen in der Stadt Moline im US-Bundesstaat Illinois. Dort soll Prince am vergangenen Freitag eingeliefert worden sei.

Prince - I Wanna Be Your Lover - 01/30/82 - Capitol Theatre

Prince - I Wanna Be Your Lover - 01/30/82 - Capitol Theatre

Recorded Live: 1/30/1982 - Capitol Theatre (Passaic, NJ)

Demnach wollten die Ärzte, dass Prince 24 Stunden zur Beobachtung in der Klinik bleibt. Der Star habe das Spital aber nach drei Stunden wieder verlassen, weil er kein Privatzimmer bekommen habe.

Vergangene Woche hatte es laut Medienberichten geheissen, Prince sei wegen einer Grippe ins Spital gebracht worden. Demnach fühlte er sich nach einem Konzert in Atlanta derart unwohl, dass sein Privatjet in Moline zwischenlanden musste.

Der Tod des Sängers, Komponisten und Produzenten löste weltweit grosse Bestürzung aus. Prince war mit seiner innovativen und virtuosen Musik in den 80er Jahren zum Weltstar geworden.

Prince - Kiss (Video)

Prince - Kiss (Video)

Music video by Prince performing "Kiss" (C) 1986 Warner Bros. Records

Kreative Ikone verloren

"Heute haben wir eine kreative Ikone verloren", hiess es in einer in Washington verbreiteten Mitteilung des US-Präsidenten Barack Obama. "Wenige Künstler haben den Sound und die Richtung der Popmusik so deutlich beeinflusst und so viele Leute mit ihrer Kunst berührt", schrieb er. "Er war ein virtuoser Instrumentalist, ein brillanter Bandleader und ein elektrisierender Bühnenkünstler."

"Die Welt hat eine Menge Magie verloren. Ruhe in Frieden", schrieb die Musikerin Katy Perry auf Twitter. "Taub. Fassungslos. Das kann nicht echt sein", schrieb ihr Kollege Justin Timberlake. "Prince kann nicht sterben", twitterte der Rapper Ice-T.

"Ein gewaltiger Verlust für uns alle! Was für ein Genie! Sprachlos", schrieb der Schauspieler Samuel Jackson. Prince sei "brillant und grösser als das Leben gewesen", twitterte die TV-Moderatorin Ellen DeGeneres. "Was für ein trauriger Tag."

Hunderte unveröffentlichte Titel

Der 1958 in Minneapolis geborene Prince galt als einer der bedeutendsten Musiker der vergangenen Jahrzehnte. Mit Songs wie "Purple Rain", "Sign o' the Times", "Kiss" und "When Doves Cry" feierte er Welterfolge.

Sänger Prince - Purple Rain

Sänger Prince - Purple Rain

Mit seinem einzigartigen Stil zwischen R&B, Funk, Rock und Soul galt Prince als einer der vielseitigsten und wandlungsfähigsten Künstler seiner Zeit. Der siebenfache Grammy-Gewinner ging sehr häufig auf Tour. Er produzierte Alben und schrieb Songs für andere Musiker.

Zum genialischen Mix, der ihn zur Ikone machte, gehörten auch seine exzentrische Kleidung und Bühnenshow, seine lasziven Tanzbewegungen und vulgären Texte, die den Sex zelebrierten und die Sittenwächter auf den Plan riefen.

Prince & the Revolution / Let's Go Crazy 1985

Prince & the Revolution / Let's Go Crazy 1985

1985 Live

Er nahm hunderte Titel auf, die bis heute unveröffentlicht sind. Immer wieder experimentierte er mit verschiedenen Stilen und band diese zu einem unverwechselbaren Werk zusammen. (sda/pz)