Er ist so etwas wie eine moderne Schweizer Version von Frank Sinatra. Dabei ist Raphael Jost erst 30 Jahre alt. Jazz-Standards gehören ebenso in das Repertoire des Sängers und Pianisten wie jazzige Eigenkompositionen mit einer grossen Portion Pop-Appeal.

Vor acht Jahren wurde der im thurgauischen Diessenhofen geborene Jost als Solist mit dem Europäischen Nachwuchs-Jazzpreis ausgezeichnet und vor drei Jahren wurde er mit dem Swiss Jazz Award geehrt. Jetzt erscheint sein gelungenes zweites Album «Moosedays», das er mit seinem Oktett in Schweden aufgenommen hat. Seine poppigen Eigenkompositionen erinnern an den britischen Sänger und Pianisten Jamie Cullum.

Bemerkenswert sind Josts wandelbarer, sonorer Bariton und seine Arrangements für die prominent besetzte, fünfköpfige Bläser-Sektion «Lots Of Horns» mit Lukas Thöni (Trompete), Florian Egli (Altsax), Christoph Grab (Tenorsax), Lukas Wyss (Posaune) und Nils Fischer (Baritonsax/Bassklarinette).

Raphael Jost, Sie haben sich dem Swing verschrieben. Sind Sie mit dreissig nicht etwas jung dafür?

Raphael Jost: Auf dem neuen Album «Moosedays» swingt nur ein Song so richtig, der Jazz-Standard «The More I See You». Alle übrigen Titel sind Eigenkompositionen, und die klingen meistens recht poppig.

Pop?

Ich habe als Bub viel Pop gehört, Elton John oder Michael Jackson. Erst mit siebzehn, achtzehn kam der Jazz dazu. Diese Einflüsse hört man immer noch. Meine oft poppigen Songs werden aber von einer akustischen Jazz-Band gespielt.

Sie haben in Zürich Jazzpiano studiert und im Nebenfach Gesang. Warum?

Als Kind habe ich sehr gern gesungen, dann hatte ich einen fürchterlichen Stimmbruch. Klavier habe ich seit je gespielt. Als ich den Jazz entdeckte, begann ich wieder zu singen. Inzwischen ist für mich der Gesang fast wichtiger geworden, weil die Identifikation halt mehr über meine Stimme läuft.

Sie taufen Ihre zweite Platte im Zürcher «Moods». Ein guter Ort?

Es ist für mich der coolste Jazzclub der Schweiz.

Welche Orte fehlen noch?

Am Montreux Jazz Festival spielten wir auf der Bühne im Park – ein Auftritt im Auditorium Stravinski wäre natürlich schön oder am Jazznojazz in Zürich, um nur zwei zu nennen.

Sind Sie auch im Ausland zu hören?

Noch kaum, das entwickelt sich erst. Wir spielten schon in der Bretagne, in Paris, danach das erste Festival in England. Und jetzt letzte Woche eben Tel Aviv. Ich hoffe, das renommierte deutsche Label enja, bei dem «Moosedays» erscheint, wird uns als Sprungbrett dienen. Ich möchte auf jeden Fall häufiger im Ausland auftreten.

Was ist Ihr grossstädtischer Traum?

London! Vielleicht für ein Jahr da leben und arbeiten…

Und was ist mit der Jazz-Metropole New York?

(lacht) Da war ich tatsächlich noch nie. Das sollte ich als Jazzmusiker wohl dringend ändern.

Raphael Jost: Moosedays (enja/MV). Erscheint am 12. 10. Plattentaufe heute im Moods im Schiffbau, Zürich.