Die Grammy-Academy würdigt das Schweizer Mischer- und Produzenten-Gespann Ben Mühlethaler und Jamie Lewis für ihre Zusammenarbeit mit dem verstorbenen US-Superstar Prince. Das letzte Album von Prince, «HITnRUN Phase Two», ist in der Kategorie «Best Engineered Album, Non-Classical» für einen Grammy Award nominiert worden. Auf diesem Album haben Ben Mühlethaler und Jamie Lewis die beiden Songs «Rock ’n’ Roll Loveaffair» und «Big City» abgemischt.

«HITnRUN Phase Two» ist am 12. Dezember 2015 überraschend und weitgehend ohne Promotion erschienen, weshalb es erst nach dem Tod von Prince, am 21. April, in die Charts kam. Das Album, das von der Musikkritik positiv aufgenommen wurde, beinhaltet Aufnahmen, die zwischen 2010 und 2015 in den Paisley-Park-Studios von Prince in Minneapolis mit verschiedenen Musikern und Soundengineers entstanden sind.

Prince war zufrieden

Der Superstar kontaktierte Mühlethaler und Lewis erstmals vor fünf Jahren via Mail. «Prince gefielen unsere Sounds und er wollte seine Songs auf meinem Schweizer Label Purple Music veröffentlichen», sagt Jamie Lewis. Einige Zeit später hatten die beiden Schweizer aber schon «Remixes» aus dem Œuvre von Prince gefertigt.

Dazu die Single «Rock ’n’ Roll Loveaffair» (2012), die auf Purple Music in Europa veröffentlicht wurde. Der Kontakt zu Prince reduzierte sich auf Mails. Aber offenbar war der Meister mit der Arbeit der Schweizer zufrieden, denn zwei Jahre später lud er sie in seine Studios nach Minneapolis ein, wo sie das Album «Plectrum Electrum» (2014) abmischten.

Prince - Rock and Roll Love Affair

Prince - Rock and Roll Love Affair

Mühlethaler, bekannt durch seine Arbeit mit Seven, Remady und Müslüm, beschreibt die Arbeit mit Prince als sehr intensiv. Vier Sessions in acht Wochen. «Prince dirigierte und kontrollierte alles», sagt Mühlethaler.

Er erklärte die Songs, beschrieb, welche Stimmung er sich vorstellte. Es war viel mehr Material als die Songs, die schliesslich auf dem Album erschienen. Als Mensch wurde Prince für Mühlethaler nicht ganz fassbar. Bei den Gesprächen ging es vor allem um Musik. Es herrschte eine unglaubliche Konzentration und Professionalität.

Die beiden Songs auf «HITnRUN Phase Two» stammen aber schon aus der Zeit vor diesem Treffen. Sie wurden in der Schweiz in den B-Note Studios Bern abgemischt. Schweizer Qualitätssound.

Zuerst vergessen

«HITnRUN Phase Two» wurde schon am 6. Dezember offiziell für die Grammys nominiert. Die beiden Schweizer fehlten aber auf der Liste der Beteiligten. Das hat gemäss Mühlethaler damit zu tun, dass sie auch bei den Credits auf dem Album vergessen gingen. Die Schweizer intervenierten mit Erfolg und wurden jetzt nachträglich auf die Liste der Nominierten gesetzt.

«In diesen Tagen ist die Bestätigung von der Academy eingetroffen», sagt Mühlethaler und freut sich riesig. «Es ist unglaublich, damit geht für mich ein grosser Bubentraum in Erfüllung. Es ist eine Anerkennung für die Arbeit, die wir leisten».

prince – big city

prince – big city

Erst zwei Schweizer haben bisher einen amerikanischen Grammy, den wichtigsten Musikpreis der Musikindustrie, gewinnen können: Harfenist Andreas Vollenweider (1987) und 1990 der welsche Musik-Enthnologe Marcel Cellier, der Produzent des bulgarischen Frauenchors «Le Mystère des Voix Bulgares».

In diesem Jahr haben gleich zwei Schweizer Nominierte Chancen auf Grammy-Ehren: Neben Mühlethaler und Lewis sind dies das Basler Barockorchester La Cetra mit Magdalena Kožená in der Kategorie «Best Classical Solo Vocal Album».

Mühlethaler und Lewis wollen am grossen Ereignis, den Grammy-Verleihungen am 12. Februar, unbedingt dabei sein. Ihre Chancen sind intakt.