Musik

Die Wunden von damals scheinen geheilt: Fleetwood Mac im Hallenstadion

Die britisch-amerikanische Band Fleetwood gab in Zürich ein Live-Comeback mit etlichen Längen. Das Hallenstadion war vollständig gestuhlt und war mit 7500 Zuschauern fast ausverkauft.

Mit «Second Hand News» wurde das legendäre Album «Rumours» aus dem Jahr 1977 eröffnet, jetzt war bildete der Song auch den Start zum Comeback-Konzert im Hallenstadion.

Es begann die nostalgische Reise zurück in die Pop- und Rockwelt der 1970er-Jahre und die Erinnerung an die grösste Seifenoper der Popgeschichte.

Denn der Song hatte Gitarrist Lindsay Buckingham damals an seine Verflossene, die Sängerin Stevie Nicks gerichtet, dich sich kurz zuvor mit lautem Getöse von ihm getrennt hatte. «Ich werde dich nicht vermissen, wenn du weg bist», sang er auch 36 Jahre danach und tanzte mit ihr ein paar Songs später engumschlugen über die Bühne.

Die Songs von «Rumours», einem der erfolgreichsten Alben der Popgeschichte, bildeten aber nur den sehr dünnen, roten Faden des Comeback-Konzert.

Hits wie «Dreams» von Nicks oder «Go Your Own Way» von Buckingham wurden vom Publikum frenetisch gefeiert, doch die Songs von Christine McVie, der dritten wichtigen Songschreiberin der Kultband, fehlten. Also wichtige Songs wie „Oh Daddy", „Songbird" oder „You Make Loving Fun". Immerhin wurde ihr „Don't Stop" als Zugabe gespielt.

Christine McVie hatte keine Lust auf ein Comeback. Ganz im Gegensatz zu den beiden englischen Gründungsmitgliedern Mick Fleetwood (Schlagzeug), ihrem Ex-Mann John McVie (Bass), sowie den beiden Amerikanern Buckingham und Nicks, denen es sichtlich Spass bereitete, wieder zusammen auf der Bühne zu stehen.

Vor allem Buckingham war hochmotiviert und glänzte auch mit solistischen Einlagen.

Mick Fleetwood sagte im Interview mit der «Nordwestschweiz», dass «manche Songs erst heute wirklich gut klingen».

Dabei hat er nicht zu viel versprochen. Aber nicht etwa, weil die Band besser geworden wäre, sondern weil sie gegenüber früher erweitert wurde.

Abseits der Scheinwerfer wirkte ein Keyboarder, ein weiterer Gitarrist unterstütze Buckinham, zwei Backing-Sängerinnen sorgten für den vollen mehrstimmigen Gesang und sogar versteckt hinter Verstärkern groovte ein weiterer Schlagzeuger. So wirkte der Sounds im Hallenstadion erstaunlich dicht, kompakt und frisch.

Während der fast zweieinhalbstündigen Show wurden zwar viele der Hits gespielt, das Konzert wies aber doch etliche Längen auf - insbesondere bei den weniger bekannten Songs des Albums „Tusk".

Dieses Nachfolgealbum von "Rumours" war 1979 ein kommerzieller Flop, hat sich mit seinen leicht experimentellen Anleihen im Laufe der Jahre zu einem Kultalbum für Insider entwickelt.

"Let's celebrate Tusk", sagte Buckingham. Doch die Zuschauer im Hallenstadion wollten in erster Linie die Songs von "Rumours" hören.

So kam erst gegen Ende des Konzerts wirkliche Stimmung auf und und bei "Go Your Own Way", dem letzten Stück vor der Zugabe, erhoben sich die Zuschauer von den Sitzen.

Immerhin spielte Fleetwood Mac nicht nur die Nostalgiekarte. Mit „Sad Angels" und „Without You" präsentierten sie auch zwei Stücke ihrer neuen, digital erschienenen 4-Song-Extraplatte (EP) «Extended Play».

Während «Without You», eine bisher unveröffentlichte Nummer von Buckingham und Nicks, schon 1974 aufgenommen wurde, ist «Sad Angels» wirklich neu.

Eine mitreissende Uptempo-Partynummer, die Lust auf mehr macht. "Wir arbeiten an neuem Song-Material", sagte Buckingham.

Vielleicht schaffen es Fleetwood Mac doch noch, ein neues Album mit neuen Songs aufzunehmen. Die Wunden von damals scheinen bei den vier jedenfalls geheilt.

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