Die Basel Sinfonietta will es wissen. Seit einiger Zeit sind ihre beiden Leiter Felix Heri und Thomas Wehry regelmässig auf den wichtigen internationalen Festivals für neue Musik anzutreffen. Sie vernetzen sich und ziehen exklusive, ziemlich spektakuläre Programme an Land. Wie am kommenden Sonntag, wenn zum allerersten Mal die an der Berner Fachhochschule entwickelte Kontrabassklarinette Clex (Contrabass-Clarinet Extended) zu hören sein wird.

Neuentwickelte Klarinette Clex

Zwei Komponisten, der Schweizer Michael Pelzel und der gebürtige Venezolaner Jorge Sanchez-Chiong, haben neue Solokonzerte für das Instrument geschrieben. Clex hat nicht nur einen grösseren Tonumfang als konventionelle Kontrabassklarinetten, sondern verfügt auch über digitale Schnittstellen. Die Klappen werden nicht manuell bedient, sondern über Sensoren gesteuert, die Impulse an kleine Motoren schicken, die jede Klappe einzeln schliessen und öffnen. Aufgrund dieser Computersteuerung hat das Instrument viele Möglichkeiten: «Man könnte gleichzeitig spielen und den Herd bedienen», lacht Ernesto Molinari, Professor für Klarinette an der Hochschule der Künste Bern. Im Sinfonietta-Konzert wird er mit dieser digitalen Schnittstelle zu Sanchez-Chiongs Stück ein Live-Video-Spiel steuern, das eigens dafür von dem Videokünstler-Kollektiv TE-R (Thomas Wagensommerer und Luise Linsenbolz) entwickelt wurde. Chiong lebt in Wien und ist bekannt für genreübergreifende Werke, in denen er oft selbst an den Turntables steht.

Mit den beiden neuen Werken ist die Sinfonietta sogar zu den Internationalen Darmstädter Ferienkursen für neue Musik eingeladen, ein zweiwöchiges Riesen-Event, das alle zwei Jahre stattfindet und in der Szene weltweit Aufmerksamkeit findet. Hier ist die Sinfonietta dank Clex, dessen Einführung sicher auch andere Schweizer Klangkörper mit Freude übernommen hätten, am Puls der Szene.

Jedes Konzert an anderem Ort

Doch auch in Basel selbst verspricht das Programm der kommenden Saison unter dem neuen Principal Conductor Baldur Brönnimann einiges an Dynamik. Und das liegt vor allem an der Schliessung des Stadtcasinos oder noch präziser am offiziellen Ausweichort.

Thomas Wehry erklärt: «Uns war schnell klar, dass wir nicht eine ganze Saison im Musical-Theater spielen können. Als Orchester für neue Musik möchten wir auf die Räume und Kontexte eingehen, in denen wir spielen. Und daher haben wir uns seit einigen Monaten mit anderen Augen durch Basel bewegt.» Immer auf der Suche nach möglichen Auftrittsorten seien sie gewesen und haben dabei einige vielversprechende Entdeckungen gemacht. Alle sechs Saisonkonzerte finden an unterschiedlichen Orten statt.