«Let’s have some Whisky!». Mit einer kleinen Flasche Jack Daniels in der Hand kündet Billy Gibbons den Song «Just Got Paid Today» an. Eine der typisch stampfenden Bluesrocknummern von ZZ Top. Seine eh schon rachitische Stimme nuschelt den Text nur noch knapp verständlich durch den langen Bart ins Mikrofon. Wohl ein Tribut an die intensive Europatournee, welche die Band aus Texas in diesen Wochen absolviert. Die 5000 Zuschauer auf dem ausverkauften Marktplatz in Lörrach verzeihen es dem Rocker mit Hut und Sonnenbrille. Schliesslich hat Gibbons doch schon 68 Lebensjahre in den beiden dünnen Beinen.

Seit 48 (!) Jahren exportieren er, der Bassist Dusty Hill und der Drummer Frank Beard ihre Variante des Texas-Blues in die Welt. Ihr Stilmittel ist der hochtourige Zwölftakter. Ihre Botschaft liegt weniger in den Texten als in ihrer Haltung: Rock’n’Roll als Soundtrack für ein intensives Leben, garniert mit getunten Oldtimern, Frauen in Hot Pants, dunklen Sonnenbrillen, Flaschen voll Bourbon und viel Bart.

Die haarigen Gesichtsmatten von Gibbons und Hill sind längst zur globalen Erkennungsmarke geworden und in jedem gut ausgestatteten Kostümladen erhältlich. Neben wenigen echten Rocker- und noch weniger Hipster-Bärten waren einige dieser Faschingsvarianten auch in Lörrach präsent, samt aufblasbaren Gitarren.

Tribut an die Väter

Die 90 Minuten Konzert, inklusive Zugaben, könnten die Texaner locker ausschliesslich mit den Hits bestreiten, die sie zu Millionären gemacht haben. Mit «Got Me Under Pressure», «Jesus Just Left Chicago» oder «Gimme All Your Lovin’» heizt das Trio die Mitsingchöre denn auch gleich zu Beginn an. Die Spielfreude ist Gibbons und Hill durch die Bärte hindurch anzusehen, während Drummer Beard die trockenen Beats aus seiner Küche ballert.

Die beiden Gitarreros tänzeln ihre witzigen Minimalchoreografien. Da ein Gleichschritt, dort ein Synchronwippen oder ein doppelter Fingerzeig. Aber nie zu viel davon. Zu lesen ist das auch als spöttischer Kommentar auf allzu viel Show-Brimbamborium. Auch wenn sie für «Legs» ihre kultigen, weissen Flokati-Gitarren hervorholen, «Reduce To The Max» heisst hier, einfach begnadet Blues-Gitarre spielen.

Woher diese Leidenschaft kommt, welche die Herren immer noch auf die Bühnen treibt, zeigen sie mit fremdem Songmaterial: eine schnoddrige Variante von Jimi Hendrix’ «Foxy Lady», einer Country-Nummer mit Gastmusiker an der Pedal-Steel-Gitarre oder mit «Sixteen Tons», dem Ernie-Ford-Klassiker aus den Fünfzigerjahren, .

Für die Zugaben schmücken sich Gibbons und Hill mit glitzerbestickten Jacketts und geben den Fans, was sie brauchen: Zu «La Grange» und «Tush» branden nochmals Sprechchöre über den Marktplatz. Teile des Publikums rufen den Bandnamen, als ob es sich um eine Fussballmannschaft vor dem Pokalgewinn handeln würde. Dass sie den Rock’n’Roll nicht erfunden haben, aber saugut spielen können, zeigen ZZ Top mit dem allerletzten Song: Elvis Presleys «Heartbreak Hotel».