Die «Wagner-Sinfonie» von Bruckner neben einem Stück des französischen Klangästheten Henri Dutilleux: Da sind aber starke Kontraste vorprogrammiert, mochte sich das Publikum am Mittwochabend beim Blick ins Programm denken.

Auf der einen Seite brachiale Bläserthemen und schwülstige Sinfonik vom wohl grössten Wagner-Verehrer Österreichs, auf der anderen Seite feingliedrige, französische Klangwolken à la Debussy und Ravel.

Doch unter der Leitung von Mario Venzago überwog überraschenderweise der Eindruck einer umfassenden Gemeinsamkeit beider Werke: eine sinnliche Tiefe bei gleichzeitiger Leichtigkeit im Klang. Trotz der halligen Akustik im Münster erreichte das Basler Sinfonieorchester eine feine Transparenz, die Bruckner niemals zu schwer und Dutilleux, trotz gross besetztem Orchester, niemals schwammig werden liess.

Auch der Solist des Abends, Nicolas Altstaedt, konnte so mit seinem klaren, weichen und durchdringenden Celloklang glänzen, ohne vom Orchester überdeckt zu werden.

Aufs Wesentliche konzentriert

Inspiriert von Charles Baudelaire, hat Dutilleux (1916–2013) dieses fünfsätzige Stück mit dem Titel «Tout un monde lointain» (Eine weit entfernte Welt) dem russischen Cello-Maestro Mstislaw Rostropowitsch auf den Leib geschrieben. Von 1967 bis 1970 hat der äusserst selbstkritische Komponist daran gearbeitet, der dafür bekannt ist, nur wenig eigene Werke gelten zu lassen.

Seine Manuskriptsammlung befindet sich heute in der Paul-Sacher-Stiftung. Und obwohl er mit 97 Jahren ein langes Leben hatte, ist es eine kleine Sammlung. Denn Dutilleux hat streng ausgesiebt und sein Schaffen auf das Wesentliche konzentriert.

Dieses Bestreben nach Essenz ist auch in seinem Cellokonzert hörbar. Cello und Orchester führen in dem kontemplativen, verträumten Stück einen echten Dialog, der von Venzago, Altstaedt und dem Orchester mit wunderbarer Intensität umgesetzt wurde.

20 Jahre Orchester-Fusion

Wer nach diesem impressionistisch anmutenden Klangbad noch nicht genug von dem fantastischen Nicolas Altstaedt hatte, der konnte ihn im zweiten Teil zwar nicht mehr so genau heraushören, dafür aber noch weiter beobachten. Denn er spielte spontan und ungefragt die etwa einstündige Sinfonie Nr. 3 d-Moll von Anton Bruckner im Tutti-Register mit. Eine Bestätigung seiner engen Verbindung mit Dirigent Venzago.

Dass dieses Konzert ausgerechnet vom fast 70-jährigen Dirigenten geleitet wurde, der mit seiner Wachheit, Frische und Offenheit viele jüngere leicht in die Tasche steckt, war im Übrigen kein Zufall. Seine Präsenz erinnerte an die Gründung des Basler Sinfonieorchesters vor 20 Jahren, als es zur Fusion mit dem Radio-Sinfonieorchester kam.

Bereits damals spielte Venzago mit dem Orchester Bruckner. Und 20 Jahre später hat er einmal mehr bewiesen, dass dieser Komponist überraschend vielseitig, frisch und lebendig klingt.

Sinfonierochester Basel: «Bruckner und Dutilleux». Donnerstag, 8. Februar, 19.30 Uhr. Basler Münster