Jedes Kind kennt «079». Keines besitzt die CD. Eine tolle Geschenkidee! Doch wer die Enkelin oder den Göttibub mit dem zugehörigen Album des Duos Lo & Leduc erfreuen will, hat ein Problem. Es existiert weder als Schallplatte noch als CD, sondern nur als digitaler Download und als Stream.

Die einzige Möglichkeit, um daraus ein Päckli zu machen: selbst auf CD brennen. Als Geschenk funktioniert dies aber nur für kleine Kinder, die keine Vorstellung von monetärem Wert haben. Denn der Download dieses Albums kostet nichts, und was gratis ist, wirkt billig.

Doch auch käufliche CDs eignen sich nicht, um junge Menschen zu beschenken. Die Digital Natives besitzen kein Abspielgerät dazu. Sie holen sich ihre Musik direkt vom Netz aufs Mobiltelefon. Der Tonträger hat für sie ausgedient, es geht ausschliesslich um digitale Inhalte, Nullen und Einsen. Das gilt natürlich auch für Filme, das Netflix-Abo hat die DVD-Sammlung abgelöst.

Mit dem Verzicht auf die physische Scheibe haben Lo & Leduc also den Zeitgeist getroffen. Untypisch ist allerdings, dass ihre Songs nichts kosten. In der Regel werden digitale Inhalte auf Onlineplattformen zum Kauf angeboten oder sie können bei Streaminganbietern – an vorderster Front Spotify für Musik und Netflix für Filme – gegen eine Abogebühr abgerufen werden.

Das lässt sich alles nur noch als Geschenkkarte überreichen, wie sie an Kiosks, bei der Post oder bei Detailhändlern erhältlich ist. Doch während die Reduktion der Päckli vom LP- auf das CD-Format noch verkraftbar war, wirkt die Geschenkkarte mit weniger als einem Millimeter Dicke doch gar flach. Und etwa so originell wie der Geldschein vom Götti, der zwar willkommen ist, aber nicht das unmittelbare Freudengefühl auslöst.

Hand aufs Herz, nicht nur bei Kindern gilt: Je grösser das Paket, desto grösser die Freude (der Erfolg von Zalando beweist es). Man kann versuchen, das zweidimensionale Geschenk durch eine aufwendige Verpackung zum 3-D-Objekt aufzuwerten und so zumindest zeigen, dass man neben Geld auch Zeit hineingesteckt hat. Doch das Grundproblem aller Gutscheine bleibt bestehen: Das eigentliche Geschenk, in diesem Fall der Musik- oder Filmgenuss, ist im Moment des Auspackens nicht da. Wer einem Digital Native an Weihnachten ein Strahlen aufs Gesicht zaubern will, muss sich etwas komplett anderes ausdenken, das sich hübsch verpacken lässt. Und dann die Geschenkkarte aufs Päckli kleben.