«Juustinnnn ist perfeeeekt. Seine Haare, sein Styyyle», schreien Anna, Judith, Kimberly und ihre Freundinnen im Chor. Vor dem Hallenstadion in Zürich Oerlikon wird nur noch geschrien. Justin Bieber ist in der Stadt.

Der Teenie-Megastar der Generation Youtube spielt im Hallenstadion. Neun Stunden vor Konzertbeginn sitzen rund 400 Fans vor dem Eingang, dicht gedrängt, und warten schreiend auf den Einlass.

95 Prozent der Fans sind Mädchen, zwischen Anfang und Ende der Pubertät. Unter ihnen Anna, Judith und Kimberly. Sie warten seit 8 Uhr hier, Türöffnung ist um 18 Uhr.

«Eigentlich ist niemand perfekt, aber Justin Bieber ist es», sagt Kimberly oder besser gesagt: Sie lässt es aus sich heraussprudeln. Sie spricht so schnell, dass sich die Wörter überschlagen. Die ersten Fans kamen um 5 Uhr. Die Mädchen haben ihre Arme vollgeschrieben - «Justin Bieber» in Mädchenschrift mit Herzchen. «All mein Schulzeugs ist mit Justin Bieber vollgeschrieben», sagt Judith.

Überhaupt: Wer Bieber nicht mag, ist scheisse, sagen die Mädchen. «Alle Buben sagen immer, dass er schwul ist, aber die sind einfach neidisch», sagt Kimberly und ihre Freundinnen bestätigen im Chor: «Genauuuuu».

Auf allen Kanälen

Justin Bieber ist der Prototyp eines Popstars der Zehnerjahre. 6,3 Millionen Fans folgen Bieber via Twitter, sein Youtube-Clip «With you» hat 30 Millionen Clicks, er hat 16,5 Millionen Freunde auf Facebook. Bieber sendet auf allen Kanälen.

Vor dem Hallenstadion brechen Mädchen in Weinkrämpfe aus, wenn er seinen Facebook-Status ändert und schreibt er sei «ready» für Switzerland.

Seine Musik ist das Unspektakulärste an ihm: Die «New York Times» nennt es «eine kalorienarme Mischung» aus R&B-Pop und Hip-Hop-Elementen. Innerhalb von sechs Wochen waren die 13 000 Tickets im Hallenstadion ausverkauft.

Das Youtube-Kind

14 Uhr. Die Hysterie vor dem Hallenstadion kommt in Wellen. Es fängt harmlos an. Zuerst ist da ein einzelner Mädchenschrei, ein Fan, der losspringt, weil sich hinter einem Zaun im Fahrzeugpark etwas bewegt.

Dann kommt der nächste Schreilaut und das Ganze schwillt an, zu einem furchteinflössenden Schrei-Crescendo und eine Armee von «Bieber» prescht vom Hallenstadion-Eingang zum Fahrzeugpark. Stampede. Es ist schwer vorstellbar, aber auch 13-jährige Mädchen können furchteinflössend sein.

Auf der Stirnseite des Hallenstadions liegen Sarina (17) und Adrienne (17) auf dem Trottoir und schauen unter einer Absperrung hindurch. «Wenn er jetzt kommt, dann krieche ich hier hindurch, ich schwörs im Fall.»

Sie gehören zu den älteren Bieber-Fans. Die zwei flirten mit einem Bühnenarbeiter, der über die Absperrung schaut. Dieser murmelt: «So schlimm war es seit Tokio Hotel nicht mehr.»

Adrienne und Serena verfolgen Bieber «seit ewig», sagen sie. «Ich habe ihn auf Youtube zum ersten Mal gesehen, dort war er unter der Rubrik mit den meisten Clicks ganz oben», sagt Adrienne.

Justin Bieber gäbe es ohne Youtube nicht. Bieber wurde im Netz entdeckt, vom amerikanischen Musikmanager Scooter Braun. Biebers Mutter hatte Aufnahmen von ihrem Sohn auf die Filmplattform hochgeladen, um sie Verwandten zu zeigen. Das ist der unschuldige Teil der Geschichte.

Manager Braun trieb Bieber an, weitere Filme hochzuladen, möglichst in schlechter Bildqualität. Dahinter steckte eine Strategie: «Wir liessen die Internetkids die Arbeit für uns machen.»