Arta Arnicane

Die Heimat grüsst durchs Teeblatt

Arta Arnicane ist als Solistin und Kammermusikerin unterwegs in der grossen Musikwelt.Andreas Zihler/ho

Arta Arnicane ist als Solistin und Kammermusikerin unterwegs in der grossen Musikwelt.Andreas Zihler/ho

Die in Zürich lebende lettische Pianistin Arta Arnicane tritt in den kommenden Wochen gleich zweimal in Aarau auf, einmal zusammen mit dem Cellisten Florian Rohn als «Duo con Certo», einmal mit dem Latvian Trio.

Was ist sie denn nun, Solistin, Pädagogin oder Kammermusikerin? Und welche Art von Kammermusikerin? Gehört sie nun zum «Latvian Trio» oder zum «Duo Artena»?

Arta Arnicane giesst erst einmal Wasser über die getrockneten Pfefferminzblätter, die ihre Schwester Andra eben aus der lettischen Heimat mitgebracht hat, lächelt und antwortet ganz ruhig: «Ich bin alles Mögliche, und ich bin voller Energie. Ich versuche, auf mehreren Schienen zu fahren, und schaue, auf welcher es am besten geht.»

Auf der Habenseite sind Studienabschlüsse in Lettland, Schottland und der Schweiz, gewonnene Wettbewerbe und Auftritte in der Zürcher Tonhalle. Und doch gilt es für Arnicane weiterhin, die Karriere als Pianistin zu festigen und genug Konzertverpflichtungen zu erhalten, damit sie davon leben kann. Dazu braucht es Geduld … und Glück. Arnicane nimmts gelassen. «Das Glück kommt nur auf Dich zu, wenn Du ein paar Schritte zu ihm hin machst. Alles, was ich erreicht habe, habe ich selbst durch meine Arbeit erreicht, das sind keine Geschenke, die ich wieder zurückgeben muss.»

16 Wettbewerbsauszeichnungen

Obwohl bereits an rund 16 Klavierwettkämpfen ausgezeichnet, obwohl «schon» 30 Jahre alt, geht Arnicane weiterhin an Wettbewerbe, diese Talentschauen, wo Karrieren in Schwung kommen können. Nervös ist sie dort längst nicht mehr – im Gegenteil: «Ich bin dann auf Erholungsreise, muss ja bloss Klavier spielen. Für meine Konzerte hingegen muss ich Programme schreiben, Werbung machen, den Saal organisieren, immer hoffen, dass genug Leute kommen – jedes Mal eine Riesenarbeit!» Sie nimmt es auf sich, der Traum von der Solistenkarriere soll in Erfüllung gehen. Da sie zunehmend mit der Kammermusik beschäftigt ist, kommt allerdings immer stärker der Wunsch auf, in diesem Bereich zu reüssieren.

«Es ist so erfrischend, mit meinen Kammermusikpartnerinnen zu arbeiten. Ich übe mit ihnen viel leidenschaftlicher als alleine.» Dies auch, weil sie nach langer Suche endlich die idealen Musikerinnen dazu gefunden hat. «Viele Musiker spielen nicht mit genügend Leidenschaft, sie geben dem Publikum nicht das, was sie ihm geben sollten.» Was das ist, lässt sich schwer ausdrücken: «Ihre Seele, die Energie? Das kann man nicht messen. Es ist auch schwer, darüber zu sprechen, es klingt so esoterisch. Aber ich bin überzeugt, dass man Menschen mit Musik heilen kann.»

Musikerinnen, die Musik ähnlich wie sie fühlen, sind ihre Duo-Partnerin Verena Maria Fitz, eine Geigerin, und die Lettinnen Jana Ozolina und Gunta Abele, mit denen sie das «Latvian Piano Trio» bildet.

Erwachte Heimatliebe

Arnicanes Heimatliebe zeigt sich jedoch nicht nur in diesem Trio und im Pfefferminztee. Der Abschied von Lettland fiel ihr schwer. «Ich wollte dort bleiben, wohnen, leben, heiraten … aber ich sah, dass mein Spiel stagnierte.» Sie musste raus aus der Enge, um neue Impulse für ihr Spiel zu erhalten und meldete sich für ein Bundesstipendium in der Schweiz an. Dank eines Kontakts, den ihre Schwester Andra, die bereits in Zürich war, herstellte, kam sie in die Klasse des berühmten Pädagogen Homero Francesch in Zürich. Und in dieser Stadt ist sie nach Abschluss des Studiums geblieben. «Ich bin glücklich in der Schweiz, auch wenn Lettland meine geliebte Heimat bleibt. Ich hoffe, dass ich Lettland irgendwann etwas zurückgeben kann.»

Es liegt nicht an ihr, dass dies im Moment noch nicht möglich ist. «Wenn ich doch schon in der Zürcher Tonhalle aufgetreten bin, dann sollte ich doch auch in Lettland spielen können, nicht?», fragt sie rhetorisch. «Schade, hat Lettland noch nicht verstanden, dass man von den Künstlern auch profitieren kann. Dort meinen viele, Künstler nehmen dem Staat bloss Geld weg, in Wahrheit ist es umgekehrt.»

Staunen über die Schweiz

Aber auch über die Schweiz, der sie dankbar ist, staunt sie bisweilen. Dass der Staat viel Geld für die Ausbildung der Studenten bezahlt, diese Musiker nachher aber kaum Möglichkeiten erhalten, Konzerte zu geben, findet sie eigenartig. Vielleicht aber ist das Problem ein anderes, vielleicht haben die meisten Konzertveranstalter ganz einfach zu viel Geld – genug jedenfalls, um eine Argerich statt eine Arnicane zu engagieren.

Auch wenn die meisten Schweizer Arta Arnicane vielleicht auch noch nicht im Konzertsaal gehört haben, gesehen haben sie schon fast alle, mimt die Lettin doch in einem ZKB-Werbefilm eine Pianistin. Wer sie einmal richtig hören will, wird in Aarau bald Gelegenheit dazu kriegen.

Konzerte: Aarau, Golattikeller, So, 7. April, 17 Uhr. Konzert mit Florian Rohn (Cello). Werke von Debussy, Beethoven. Eintritt frei (Kollekte); Aarau, Golattikeller, Do, 18. Juli, Sommerabendkonzerte Aarau, Latvian Piano Trio.

CD: Werke von Beethoven, Chopin, Ravel und Rachmaninow.
www.artaarnicane.com

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