Hip-Hop
Die Fantastischen Vier kehren an den Ort ihrer Rettung zurück

Ihr zweites Akustik-Album nimmt die Stuttgarter Band «Die Fantastischen Vier» wieder am selben Ort auf: In der Balver Höhle im Sauerland. Der erste Auftritt dort hat der Band wohl das Leben gerettet.

Pascal Münger
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Nicht nur der Ort, auch die Kleider von Fanta 4 sind dieselben wie bei der ersten Session. HO

Nicht nur der Ort, auch die Kleider von Fanta 4 sind dieselben wie bei der ersten Session. HO

Man fühlt sich als Band geehrt, wenn man eingeladen wird, ein MTV-Unplugged-Konzert zu spielen. Für die deutschen Hip-Hopper Die Fantastischen Vier war es aber viel mehr als das, als sie im Jahr 2000 dazu eingeladen wurden, ein akustisches Konzert für den Musiksender in der Balver Höhle im Sauerland zu spielen: Das Konzert rettete wahrscheinlich die Band.

«Damals zogen wir gerade alle weg von Stuttgart, die Solo-Karriere von Thomas D kam ins Rollen und Michi Beck gründete die Turntablerocker», sagt Fanta-4-Rapper Smudo im Gespräch. «Es war nicht die beste Zeit für unsere Band.»

Durch die Unplugged-Anfrage mussten sich die vier Musiker plötzlich wieder mit ihrer gemeinsamen Karriere beschäftigen, trimmten die alten Hits zu akustischen Nummern und hatten sofort Spass an den organischen Sounds, die ihre Rap-Einlagen umgarnten. In den Folgejahren kamen die Fantastischen Vier wieder in ein Hoch, nicht zuletzt deshalb, weil sie die organische Musik vermehrt in ihre Ideen einfliessen liessen.

Erneut in der Balver Höhle

Nun, 12 Jahre später, wurde die Band aus Stuttgart erneut eingeladen, ein MTV-Unplugged zu spielen. «Was für eine Ehre», findet Smudo. Und erneut wählte die Band die Balver Höhlen für das Konzert.

Smudo: «Wir machten einfach alles grösser und fetter. Wir spielten 90 Minuten anstatt 60 Minuten, hatten 35 Musiker anstatt 20 Musiker auf der Bühne und luden nicht 300 Fans ein, sondern 900 Fans.»

Das Ergebnis des zweiten Streichs ist ab nächstem Freitag als Doppel-CD im Handel erhältlich. «Wir wissen, das erste Konzert ist mittlerweile ein Klassiker», sagt Smudo. «Das lässt sich nicht wiederholen.»

Dennoch schien sie die Anfrage von MTV etwas grössenwahnsinnig werden zu lassen. «Uns schwebte so etwas wie das rote und blaue Best-of-Album der Beatles vor», meint Smudo. Die Fab-Four liessen sich für die beiden Cover in der gleichen Pose im Treppenhaus ihrer Plattenfirma ablichten.

Einfach im Abstand von sechs Jahren. «Deshalb haben wir nun wieder dieselben Klamotten angezogen wie damals und das Konzert in der gleichen Höhle gespielt», sagt Smudo. Nur die Lieder sind anders: «Troy», «Fornika», «Populär» oder auch «Danke» stehen unter anderem auf der Setliste.

Dennoch erwarten die Stuttgarter nicht, dass das Album sofort durch die Decke geht. «Auch das erste Unplugged-Album verkaufte sich erst nach zwei, drei Jahren gut, als MTV den Abend erneut ausgestrahlt hat», sagt Smudo.

Ob das Publikum mit dem neuen Doppel-Album auch auf diese Weise zu knacken ist und ob die Fans überhaupt auf einen Akustik-Nachfolger gewartet haben, das lässt sich nur schwer kalkulieren. Eine Akustik-Tour, wie man sie nach dem Auftritt am diesjährigen Zürich Open Air vielleicht hätte erwarten können, ist momentan nicht geplant.

«Wir haben keine Zeit dafür», sagt Smudo. Die vier Freunde arbeiten am nächsten regulären Studioalbum, das voraussichtlich im kommenden Jahr erscheinen wird. Smudo: «In diesem Sinne ist das
Unplugged-Album wieder der Abschluss einer Ära für uns.»

Band entwickelt sich weiter

Denn auch das sind die Fanta 4: Das Quartett ist bekannt dafür, dass es sich gerne weiterentwickelt. Und nach 12 Jahren scheint auch das Ding mit den Live-Instrumenten zu Hip-Hop irgendwie gegessen, weil es schon lange zum Standardprogramm der Szene avanciert ist.

Wohin die neue Reise nun gehen wird, darüber möchte Smudo heute noch nicht philosophieren: «Wir haben uns kürzlich getroffen und ein paar erste Ideen zusammengetragen. Es wäre viel zu früh, jetzt schon über konkrete Sachen zu reden.» Bis sich die Fantastischen Vier wieder einmal neu erfunden haben, seien noch einige dieser Treffen nötig.

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