Die Editors gehörten schon immer zu den raren Bands, deren Talente auf grossen Bühnen besser zur Geltung kamen als in versifften Pubs, die sonst die frühen Tage von jungen Musikern prägen. Nach ihrem neuen, vierten Album werden die Bühnen wohl noch etwas grösser werden.

Der Erfolg der Band ist bemerkenswert, zumal sie stets weitab vom vermeintlichen Zeitgeist operierte. Die Stimmung der Lieder erinnerte an Bands wie Echo & The Bunnymen oder The Room, die einem von der 80er-Retrowelle ignorierten Stil pflegten. Mit Gitarren, die wie Trockeneiswolken aufwallen und fein gestrickten Liedern, die von Fernweh triefen.

The Editors: «The Weight of Your Love»

Das Debüt der Editors bewies, dass dem Zeitgeist diese Art von Gitarrenliedern doch gefiel. Das zweite Album erreichte die Spitze der Charts – genauso wie das Dritte, «In This Light and on this Evening», obwohl dieses viele kalte, synthetische Klänge enthielt.

Nun ist mit dem vierten Streich wiederum alles anders geworden. Auf «The Weight of Your Love» ist von Elektronik kaum etwas zu spüren. Stattdessen stehen gewaltige Gitarren, eingängige Refrains sowie Streicher und Bläser im Vordergrund. Sänger Tom Smith bestreitet kommerzielle Motive für diesen Wechsel: «Wir wären nie dazu imstande, Musik mit kommerziellem Kalkül zu machen.»

Neuausrichtung forderte Opfer

In den letzten Jahren seien seine Lieder melodisch und textlich klarer und direkter geworden: «Grosse Refrains haben uns schon immer gefallen.» sagt er. «Aber bei diesen neuen Songs hatten wir zum ersten Mal das Gefühl, dass sie eine Rockproduktion im grossen Stil ertragen würden.»

Schmerzlos verlief diese Entwicklung nicht: Nachdem man sich mehr als ein Jahr mit harzigen Aufnahmen abgemüht hatte, trennte sich die Band im Frühling 2012 von Gitarrist und Gründungsmitglied Chris Urbanowicz: «In der alten Besetzung hätte es kein neues Album mehr gegeben.» Ihn ersetzten Gitarrist Justin Lockey und Multi-Instrumentalist Elliott Williams. Die Aufnahmen fanden nicht mehr in London, sondern in Nashville mit Jacquire King (Kings of Leon, Modest Mouse, Norah Jones) statt.

The Editors: «A Ton of Love»

Das Album steht mit einem Bein in England, mit dem anderen in Amerika, ganz in der Nähe der letzten Arcade-Fire-Alben. Wie der Titel andeutet, geht es oft um Liebe. Der glückliche Familienvater Smith: «Ich habe noch nie so direkt über Liebe gesungen. Es ist ein schwieriges Thema, wenn es nicht käsig tönen soll. Jetzt fühle ich mich endlich reif dafür.»

Editors The Weight of Your Love. PIAS/MV. MMMMI

Live Montreux, heute; Gampel, 15.8.