Montreux Jazz Festival

Die Alten setzen in Montreux die Latte hoch

Carlos Santana, B. Jazz B. King und John McLaughlin rocken und bluesen am Eröffnungsabend des Montreux Jazz Festival ganz schön forsch. Die jungen Musiker müssen sich ranhalten, um da mitzuhalten.

Der Blues-König empfing am Sonntagabend seine Fans standesgemäss: sitzend im Stuhl, seine Gitarre locker im Schoss, um den sich mittlerweile ein beeindruckender Speckgürtel rankt. Da reihten sich selbst Carlos Santana und John McLaughlin mit anderen Gitarristen wie Kings Hofstaat ehrfürchtig um den bestandensten Montreux-Gast, sie setzten sich neben His Majesty und solierten nur dann, wenn B.B. King (85) ihnen mit generösem Kopfnicken die Erlaubnis dazu gab.

Der vierstündige Blues-Reigen war rührend, er ging auch in die Beine – doch Jamsessions wie diese hatte das Montreux Jazz Festival doch schon einige erlebt. Da konnte auch der ergriffene Thuner Blueser Philipp Fankhauser beim 18-köpfigen Schaulaufen keine grossen Akzente setzen.

Ekstatisch und temperamentvoll

Richtig Spass gemacht hatte hingegen der Auftakt des 45. Jazz Festival Montreux am Freitag. Bei seiner «Invitation to Illumination» hatte der Mexikaner Carlos Santana (64) zusammen mit dem Briten John McLaughlin (69) an die Good Old Times des psychedelischen Rock erinnert: Vor 39 Jahren waren beide zusammen beim selben indischen Guru, Sri Chimnoy, und spielten – von Esoterik und Drogengewölk enthemmt – das Album «Love, Devotion, Surrender» ein.

Dieses – nie live aufgeführt – bildete den Grundstein zu einem dreistündigen Konzert, in welchem sich die beiden als ekstatische, muskulöse und vor allem sehr temperamentvolle Musiker erwiesen. Sie liessen dabei zudem die gesamte Musikgeschichte Revue passieren, erwiesen den Montreux-Helden Miles Davis und John Coltrane ihre Reverenz, flochten mal Jimi Hendrix und gar Michael Jackson ein. In ihrem euphorischen Furor baten sie heuer gar erstmals den grössten Musikdoyen der Schweiz, Montreux-Jazz-Gründer Claude Nobs, auf die Bühne: Er solierte auf seiner Bluesharp und strahlte, gerührt und ganz in Weiss wie die Gastgeber.

«Hits»-Abend

Liessen sich Santana und McLaughlin am Freitag reichlich Zeit, duellierten sich erschöpfend auf den Gitarren, liessen die Orgeln jubilieren und Santanas neue Frau, die Jazz-Drummerin Cindy Blackman (51), lustvoll die Felle hauen, so machte Santana an seinem samstäglichen «Hits»-Abend mächtig Druck. Santana ist ja seit mehr als 40 Jahren im Geschäft, und so sind eine Menge Hits entstanden, und man darf getrost sagen: Songs wie «Black Magic Woman», «Oye Como Va», «Europa» und selbst das poppige «Maria Maria» sind hervorragend gealtert. Diese Latinrock-Party machte grosse Freude.

Die Altherren haben die Latte in Montreux hoch gesetzt – die Jungen wie Rumer und James Blake (beide 5.Juli), Arcade Fire (10.Juli) und Mogwai (13. Juli) sind gefordert.

Montreux Jazz Festival. Bis 16. Juli.

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