Konzertbranche
Dichtestress: Die Schweiz hat viel zu viele Konzerte, Festivals und Open Airs

Mit fast 5 Millionen Besuchern und 1639 Events ist der Peak erreicht – mehr geht nicht. Im letzten Jahr ist die durchschnittliche Auslastung aber gesunken. Sprich: Es hat viel zu viele Konzerte, Veranstaltungen, Festivals und Open Airs.

Stefan Künzli
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Dunkle Vorzeichen für die Konzertbranche: Die Dichte der Veranstaltungen in der Schweiz ist zu hoch.

Dunkle Vorzeichen für die Konzertbranche: Die Dichte der Veranstaltungen in der Schweiz ist zu hoch.

Keystone

Mehr Veranstaltungen, mehr Besucher. Fast 5 Millionen Musikfans haben im vergangenen Jahr einen der 1639 Events der grossen Schweizer Pop-Veranstalter (Swiss Music Promoters Association, SMPA) besucht. So viele wie noch nie.

Also alles in Butter? Christoph Bill, der Präsident der SMPA, warnt. «Die neuen Rekordwerte täuschen», sagt er. Die Besucherzahl (plus 1,7 Prozent) habe nur zugenommen, weil es gegenüber dem Vorjahr 242 Events mehr gab. Die Nachfrage der Besucher konnte aber nicht mit dem Angebot an Veranstaltungen (plus 17,3 Prozent) Schritt halten. «Die durchschnittliche Auslastung bei den einzelnen Events ist gesunken», sagt Bill. Der Peak im Schweizer Konzertmarkt ist eindeutig erreicht.

Die Situation der Branche hat sich verschärft und wird sich in diesem Jahr weiter verschärfen. «Die Dichte der Veranstaltungen in der Schweiz ist zu hoch», sagt Stefan Breitenmoser, der SMPA-Geschäftsführer. Mit anderen Worten: Es hat viel zu viele Konzerte, Veranstaltungen, Festivals und Open Airs. «Für Veranstalter wird es darum immer schwieriger, Gewinn zu erwirtschaften», sagt er weiter. Vor allem die Festival-Veranstalter von Ein-Tages-Events wie «Live at Sunset» Zürich und «Moon & Stars» Locarno sind unter Druck, weil sie im letzten Jahr massive Verlust verzeichnen mussten. Immerhin soll der Vorverkauf des Zürcher Festivals erfreulich laufen.

Schleppend verläuft dagegen der Vorverkauf für die grossen Good-News-Konzerte der Foo Fighters in St. Gallen und von Muse/Sonisphere in Biel. Ticketcorner meldet für beide Konzerte eine «hohe Verfügbarkeit». Ein alarmierendes Zeichen.

Fiasko in Zürich erwartet

Ein Fiasko zeichnet sich Ende August ab. Denn das Open Air Zürich, sowieso ein Sorgenkind der Branche, und die Street Parade finden am gleichen Wochenende statt.
Noch schwerer haben es neue Festivals. Das Electro-Festival «Isle Of Dreams», das im letzten Jahr zum ersten Mal in Basel stattfand, schrieb massiv rote Zahlen. Es ist auf Anfang August terminiert. Wie es beim Veranstalter heisst, wird es in diesem Jahr aber wahrscheinlich gestrichen.

Verschärft wird die Situation durch die Konkurrenz der beiden Branchenführer Good News und abc Production. Ihr ruinöser Kampf um die Superstars und damit um die Vorherrschaft im Schweizer Konzertmarkt treibt die Gagen in schwindelerregende Höhen. Die Luft wird dünn.

In komfortabler Situation befinden sich die etablierten Schweizer Open Airs. Das Paleo Festival in Nyon und das Open Air St. Gallen sind längst ausverkauft, seit einigen Tagen auch das Heitere Open Air in Zofingen. Auf dem besten Weg dazu sind auch das Gurten-Festival und Gampel. Das Open Air Frauenfeld und Greenfield sind immerhin auf Kurs.

Erstaunlich, denn mit Ausnahme des Paleo (Robbie Williams, Kings Of Leon) konnten die Open Airs in diesem Jahr nur wenige internationale Superstars buchen.
Mit attraktiven Acts (Zaz, James Bay, Melody Gardot, Jamie Cullum, Mando Diao, Xavier Naidoo) können das Blue Balls Festival in Luzern und das Jazzfestival in Montreux glänzen. Das renommierte Festival am Genfersee ist im Ringen um Stars und spannende neue Musiker der grosse Gewinner.