Die Semperoper in Dresden hatte jüngst erst ihre Spielzeit 2012/2013 mit der Antikriegsoper "Wir erreichen den Fluss - We come to the river" des in Italien lebenden Komponisten Henze eröffnet. Der 86-Jährige kam noch persönlich zur Premiere und wurde schon vor der Aufführung vom Publikum stürmisch gefeiert.

Schott Music würdigte Henze als einen der "vielseitigsten und wirkungsvollsten Komponisten unserer Zeit". Seine grenzenlose musikalische Fantasie habe während seiner langen künstlerischen Laufbahn in der Komposition von mehr als 40 Bühnenwerken und zehn Symphonien, in Konzerten, Kammermusik, Oratorien, Liederzyklen und einem aus neun Konzerten bestehenden Requiem Ausdruck gefunden.

Die Zusammenarbeit mit der Dichterin Ingeborg Bachmann bei den Opern "Der Prinz von Homburg" (1958/59), und "Der junge Lord" (1964) zählte ebenso zu den Höhepunkten seines Schaffens wie die Musikdramen "Elegie für junge Liebende" (1959-61) und "Die Bassariden" (1964-65).

Prägende Kriegsgefangenschaft

Henze wurde durch seine Erfahrungen in der Kriegsgefangenschaft geprägt. Sein politisches Engagement ab Mitte der 60er Jahre nahm starken Einfluss auf seine Kompositionen, die Wahl der Texte und Sujets. Er wollte zu den politischen Fragen seiner Zeit in einer neuen Musiksprache Stellung beziehen.

Er thematisierte beispielsweise das faschistische Deutschland, die Ereignisse von 1968 und die Revolution in Kuba. 1988 gründete er die Münchener Biennale, deren künstlerischer Leiter er bis 1994 war.

Der Wahl-Italiener wurde am 1. Juli 1926 als Sohn eines Dorfschullehrers geboren und studierte an der Staatsmusikschule in Braunschweig Klavier, Schlagzeug und Musiktheorie. Nach dem Krieg ging er an das Kirchenmusikalische Institut nach Heidelberg und studierte anschliessend Komposition in Darmstadt und Paris.