Es gibt unverfänglichere Nachnamen als Zappa. Man verbindet ihn automatisch mit dem amerikanischen Rockmusiker und Komponisten Frank Zappa, der sich zwischen Debütalbum (1965) und Krebstod (1993) einen Ruf als Bürgerschrecks und Querdenker erspielt hat. Als wären seine vier Kinder damit nicht vorbelastet genug, hat Zappa ihnen sperrige Vornamen verpasst.

Sohn Ahmet sei gehänselt worden, weil sich sein für das damalige Kalifornien sehr ungewöhnlicher Vorname auf «vomit» (Erbrochenes) reimt. Tochter Moon Unit hat vor Jahren einen Roman geschrieben, in dem eine junge Frau am Ruf ihres Genie-Vaters zerbricht. Und Diva, die Jüngste im Bunde, hat sich konsequent nie zu ihrer Familie geäussert.

Einzig der Zweitgeborene liebt seinen unverwechselbaren Namen, wie Dweezil Zappa im Gespräch anlässlich seines Auftritts am letztjährigen Montreux Jazz Festival sagte: «Ich könnte mir nicht vorstellen, einen austauschbaren Namen zu haben. Mein Vater hat uns früh gelehrt, dass wir alle einzigartig sind.»

Dabei muss man dem heute 48-Jährigen nicht lange gegenüber sitzen, um zu merken, dass ihm der Erfolg seines Vaters keineswegs zu Kopf gestiegen ist. Der Sonnyboy mag die Liebe zur Musik geerbt haben, charakterlich ist er jedoch in seiner fast unterwürfigen Bescheidenheit ein Gegenentwurf zu seinem Erzeuger.

Zappa plays Zappa

Die Gitarre habe ihn ab dem Alter von zwölf Jahren voll in Beschlag genommen, sagt Dweezil Zappa, so habe er auch die typischen Teenager-Phasen ausgelassen: «Ich habe in meinem ganzen Leben keine einzige Zigarette geraucht und ich war noch nie betrunken.» Dafür habe er, der lange Jahre nur die Musik seines Vaters hörte und später eine Liebe zum Eighties-
Hardrock entwickelte, zehn Stunden am Tag geübt.

Längst hat Dweezil seinen Vater überflügelt, was die Virtuosität auf dem Griffbrett angeht. Dessen melodische und rhythmische Herangehensweise an Improvisationen seien aber noch immer weit ausser Reichweite, so Dweezil: «Für diese Art von Luftskulpturen, wie Frank seine Solos nannte, fehlt meinem Hirn die Rechenleistung.»

Dennoch hat er vor nunmehr zwölf Jahren das ambitionierte Projekt Zappa Plays Zappa ins Leben gerufen – mit dem Ziel, die Musik seines Vaters am Leben zu erhalten und sie auch jüngeren Generationen zugänglich zu machen. «Im Radio hat es ja nur Platz für die immer gleichen fünf Songs in Endlosschlaufe, also erreicht man neue Hörer nur noch an Konzerten,» zeigt sich Dweezil beim Gespräch zuversichtlich. Wobei auch er kein Patentrezept weiss, wie man ein solches Publikum überhaupt an eine Show bekommt.

Doch wer ein Konzert von Zappa Plays Zappa besucht, der bekommt genau, was der Bandname verspricht: Näher ans Original kann man live seit Frank Zappas finaler Tour von 1988 nicht kommen.

Familienkrach im Hintergrund

Dweezil ist ein kompetenter Erbverwalter und ein angenehm unaufdringlicher Hausierer. Natürlich haftet seinen Aussagen etwas Missionarisches an, wenn er sagt, er wolle, dass die Welt diese Musik zu Ohren bekommt. Doch kann man ihm glauben, dass es ihm keine Sekunde darum geht, mit dem weit über 100 Alben umfassenden Œvre seines Vaters die eigenen Taschen zu füllen – ganz im Gegenteil.

Einerseits ist es eine kostspielige Angelegenheit, mit einer Grossformation von aktuell sieben Musikern durch die Lande zu reisen; ganz zu schweigen von den monatelangen Proben, bei denen die Studioalben akribisch analysiert werden. Andererseits fliesst mit den Tantiemen aus Songrechten und Merchandise-Verkäufen ein Grossteil der Einnahmen in den Zappa Family Trust, wo Dweezil mit weniger als einem Viertel beteiligt ist.

Bei aller Noten- und Soundtreue unterscheidet sich ein Konzert von Dweezils Formation – die nun nach längeren und hinter den Kulissen fortdauernden Auseinandersetzungen mit den Geschwistern nicht mehr «Zappa Plays Zappa» heissen darf – in einem entscheidenden Punkt von den Konzerten Frank Zappas: Während beim Senior kein Konzert dem anderen glich, Arrangements und Setlisten auf laufender Tour fast täglich ihre Form veränderten, ist bei Dweezil – abgesehen von den stets innovativen Gitarrensoli – alles strikt vorgegeben.

Diese sklavische Detailtreue ist jedoch angesichts von zweieinhalbstündigen Konzerten voller halsbrecherischer Kompositionen wie «Ship Arriving Too Late To Save A Drowning Witch», «Rollo» oder «The Black Page» ein verkraftbarer Kritikpunkt. Dweezil Zappa wird seinem verheissungsvollen Nachnamen auf jeden Fall gerecht. Sicher auch in Lörrach.

Dweezil Zappa, Samstag, 28.Juli, 20 Uhr. Stimmen-Festival, Marktplatz Lörrach. www.stimmen.com