Weihnachtsgeschichte

Der Nussknacker im Musical Theater: Ungewohnt frische Klassik

Clara (Moeka Katsuki) mit dem Geist des Nussknackers (Pablo dos Santos).

Clara (Moeka Katsuki) mit dem Geist des Nussknackers (Pablo dos Santos).

Eine Neuinterpretation des Familienballetts begeistert auch dank modernen Tanzelementen. Inhaltlich hält es sich nicht an die ursprüngliche Geschichte von E.T.A. Hoffmann

Es scheint, als hätte der Schnee genau gewusst, wann er zu fallen hat. Rechtzeitig zum Start des «Nussknackers – Eine Weihnachtsgeschichte» begann er, Basel zumindest teilweise mit seinem weissen Zauber in ein Winterwunderland zu verwandeln.

Das berühmte Familienballett, das momentan im Basler Musical Theater gastiert, erzählt in seiner Interpretation des ungarischen Choreografen Youri Vámos aber nicht die ursprüngliche Geschichte des Nussknackers. Diese ist wohlbekannt: die kleine Clara bekommt zu Weihnachten die Figur eines Nussknackers geschenkt, der sich am Ende ihres Traums in einen Nussknacker-Prinzen verwandelt. Diesen Plot von E.T.A. Hoffmann hat Vámos genommen, und mit der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens zusammengeführt. So, dass Weihnachten und die kleine Clara nur noch den Rahmen der Show bilden. «Meine Geschichte ist immer noch mit dem Nussknacker verbunden, das muss auch so sein. Aber man muss heute mehr zeigen als nur die zuckersüsse Nussknacker-Geschichte», sagt Vámos, der in den 90er-Jahren Ballettdirektor in Basel war.

Für Erwachsene aufpeppen

Die Idee zur Verbindung der Stoffe von Hoffmann und Dickens – gepaart mit der weltberühmten Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski – sei Vámos plötzlich gekommen. «Ich hatte das Buch von Dickens zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelesen, kannte nur einen alten Schwarz-Weiss-Film. Aber ich wollte diese infantile Geschichte etwas anreichern. Schliesslich kommen die Eltern auch ins Theater und sollen auch etwas sehen, dass sie toll finden.»

So steht beim «Nussknacker – Eine Weihnachtsgeschichte» nicht das kleine, weihnachtsliebende Mädchen, sondern der alte weihnachtshassende Scrooge im Mittelpunkt. Er, der die von Clara angehimmelte Nussknacker-Puppe zerstört. Wie es sich für ein Märchen gehört, bleibt dieser böse Akt aber nicht ohne Moral. Mehr sei nicht verraten. Die Geschichte, wenn auch ungewohnt kombiniert, funktioniert. Entstanden ist eine Mischung aus dem schönen, klassischen Rahmen des «Nussknackers» und einer Frische, die sich auch im Tanz widerspiegelt. So gehören der Moonwalk genauso wie Breakdance-Elemente zu diesem «Nussknacker». Auf die Frische legt Vámos, wie er immer wieder betont, sehr viel wert. «Man muss schauen, dass man immer nah beim Menschen bleibt. Das war das orthodoxe Ballett nie. Das hatte nie etwas mit der Realität zu tun.» Nicht so wie dieses Stück: mit dem Konflikt zwischen dem reichen Ladenbesitzer Scrooge und dem armen Volk thematisiert das Ballett auch gesellschaftliche Brandherde.

Klassik als Highlight

Nichtsdestotrotz kommt der Besucher auch bei der Neuinterpretation auf den Genuss der klassischen Ballett-Elemente. So ist der Pas de deux von Clara und dem Nussknacker-Prinzen der Höhepunkt der Show – wie es sich für ein Ballett gehört. Sowieso wissen die Tänzer mit einer Leichtigkeit und gleichzeitig einer Bedeutungsfülle zu überzeugen – vor allem in der zweiten Halbzeit, die tänzerisch vor allem dank vieler Solos und Duetten stärker ist als noch die erste. So, dass auch der weniger Ballett-geneigte Zuschauer auf seine Kosten kommt und sich mit dem doch noch kalten Winter wenigstens für gute zwei Stunden anfreunden kann.

Der Nussknacker – Eine Weihnachtsgeschichte noch bis zum Sonntag, 8. Januar, im Musical Theater Basel. Mehr Infos unter www.actnews.ch

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