Zürcher Kammerorchester
Der coole Schritt ins 21. Jahrhundert

Stargeiger Daniel Hope wird Musikdirektor beim Zürcher Kammerorchester.

Christian Berzins
Drucken
Teilen
Daniel Hope.

Daniel Hope.

harald hoffmann

Endlich, nach dem offiziellen Teil der gestrigen Programmpräsentation liess Direktor Michael Bühler die Bombe platzen: Daniel Hope ist der neue Music Director des traditionsreichen Zürcher Kammerorchesters. Wussten wir das nicht schon, fragen Sie sich jetzt. Gewiss: In dieser Zeitung stand am 29. Januar: «Wird bald ein Geiger das Zürcher Kammerorchester leiten? Vielleicht gar Daniel Hope?» Und der «Tages-Anzeiger» plapperte die Neuigkeit einige Wochen später nach. Jetzt ist es offiziell: Der britische Stargeiger tritt übernächste Saison sein Amt an. Ein Glücksfall für ein um Profil kämpfendes Kammerorchester: Hope ist nicht einfach einer, der ab und zu vorne auf dem Podium stehen und halbdirigierend Violinkonzerte fiedeln wird, sondern er steht für eine Zukunft der Klassik: Neue Projekte, neue Orte, andere Formen, der Miteinbezug von Sprache – alles Dinge, die Hope längst weltweit ausprobiert hat. Und bestens verkauft.

Hope wird allerdings explizit nicht Chefdirigent des ZKO. Als Music Director wird er andere Dirigenten und dirigierende Solisten einladen. Wer deshalb befürchtet, dass dem ZKO nun der vom ehemaligen, 81-jährigen Chefdirigenten Roger Norrington entwickelte Charakter verloren geht, hat vielleicht nicht unrecht. Aber eben: mit einem fixen Dirigenten ist man auch wieder nur ein kleines Tonhalle-Orchester. Mit Hope wird man ein noch flexibleres, noch moderneres Ensemble. Mit Hope hat man zudem einen Kopf, der international Gold wert ist. Schon in der Saison 2015/2016 wird man die Abo-Konzerte um einen Drittel kürzen (neu 10), und vermehrt im Ausland auftreten.

Fazil Say ist dann Artiste in Residence – und Norrington dirigiert zum Glück weiterhin einige Abende. Die Auslastung ist gestiegen, die Eigenwirtschaftlichkeit ebenso. Auch die CD-Produktion läuft, eben ist eine frische Aufnahme von Haydn-Sinfonien erschienen. Kurz: Es sieht gut aus für das ZKO.

Aktuelle Nachrichten