Der ganze Wahnsinn begann 1984. In der Folge wurden Bands wie Cannibal Corpse, Morbid Angel, Deicide Obituary und auch Death mit ihrer Metal-Variante aus tiefer gestimmten Gitarren und unverständlichem Gegrunze über zerstückelte Leichen und blutgetränkte Mordszenarien unter dem Namen «Death Metal» zusammengefasst. Seine Blütezeit erlebte Death Metal in den 90er-Jahren. Ab dem neuen Jahrtausend trieben die Retro-Welle und Rockbands wie Nickelback Death Metal in den Untergrund.

Jetzt sind die skurrilen, Furcht einflössenden Gestalten mit ihren blutrünstigen Songs wieder da. Die Szene erlebt ein Revival. Hauptverantwortlich dafür ist die schwedische Band Amon Amarth mit ihrem neuen Studioalbum «Surtur Rising». Sie werden von der Szene als die neuen Helden gefeiert, obwohl nur noch ihre um fünf Halbtöne heruntergestimmten Instrumente an den klassischen Death Metal erinnern. Das deutsche Leitmedium, das Magazin «Metal Hammer», hat der Band zwölf Seiten gewidmet und die ganze harte Rockgemeinde stimmt in die Lobeshymnen ein.

Metal-Gemeinschaft ist toleranter

Das Revival des Death-Metal hat auch damit zu tun, dass sich die Szene geöffnet hat. Die finnische Band Children of Bodom, die mit ihren schnellen Gitarrenläufen, den Keyboardpassagen und dem grunzenden Gesang mit jedem neuen Album den Sprung in die Charts schafft, wird beispielsweise ebenfalls zur Gemeinschaft gezählt. Keyboardmelodien in einer Death-Metal-Band, die von ihrem Image aus knallharten Gitarrenriffs und wahnsinnigen Drumbeats leben? Das konnte sich in den 90er- Jahren höchstens der Szeneprimus Morbid Angel erlauben, der auch mit langsamen Gitarrenriffs und Kirchenchor-Samples experimentierte. Heute ist man toleranter und nimmt in die Gemeinschaft auf, wer blutrünstige Texte schreibt und dunkel klingt.

Amon Amarth: Videoclip zu «The Pursuit of Vikings»

Amon Amarth: Videoclip zu «The Pursuit of Vikings»

Auch Amon Amarth, die bereits seit 1992 existieren, spielen heute eher melodiös und verwenden neben dem typischen Gitarren-Bollwerk auch verspielte Gitarrenläufe. Auch vom ultratiefen Gegrunze, das unter Sängern sogar als Wettbewerb betrieben wurde – wer kommt am Tiefsten? –, hat sich Sänger Johan Hegg etwas abgewandt und grunzt auf «Surtur Rising» beinahe verständlich ins Mikrofon. Diese kleinen Anpassungen zum klassischen Death Metal machen Amon Amarth zu einer interessanten Band, die durchaus auch Fans aus anderen Rocklagern ansprechen kann.

2011 viele neue Metal-Alben

Und just zum Höhenflug der Schweden werden nun auch wieder alte Death-Metal-Bands aktiv. Im Juni soll das Comback-Album von Morbid Angel aus Florida erscheinen, die zum letzten Mal 2003 im Studio waren. Ebenfalls für dieses Jahr sind neu gemasterte Alben der Band Death angekündigt, deren verstorbener Gitarrist und Sänger Chuck Schuldiner von vielen Bands als «Godfather of Death Metal» bezeichnet wird.

Andere Bands wie Deicide oder auch Cannibal Corpse, deren aktuelles Album «Evisceration Plaque» im letzten Jahr in Deutschland wegen Gewaltverherrlichung und Unsittlichkeit auf den Index gesetzt wurde, veröffentlichen abseits vom Rampenlicht konstant neue Alben und könnten dank Bands wie Amon Amarth ebenfalls bald wieder auf grösseren Bühnen bespielen.