Der Newcomer-Jahrgang 2013 ist von Sängerinnen geprägt. Positiv aufgefallen sind uns die Debütalben von Alex Hepburn, Valerie June, Trixie Whitley, Cécile McLorin Salvant und Laura Mvula. Alle jung, mit ausdrucksstarken Stimmen, spannenden Biografien und Gesichtern. Alle beziehen sich auf amerikanische Musiktraditionen wie Folk, Soul, Jazz und Blues, aber nur Valerie June ist amerikanischer Herkunft. Trixie Whitley hat belgisch-texanische Wurzeln, Laura Mvula britisch-karibische, Cécile McLorin Salvant französisch-karibische und Alex Hepburn ist Schottin.

(Quelle: Youtube.com)

Alex Hepburn und ihre aktuelle Single «Under»

Hepburn ist bislang am erfolgreichsten. Ihr Debüt «Together Alone» erreichte in der Schweizer Album-Hitparade Platz 2, ihr Song «Under» Platz 5. Live singt sie am 29. Juni am Open Air St. Gallen und am 21. Juli am Gurtenfestival.

Alle schwärmen von Ihrer rauen Stimme. Ist das nicht langweilig?

Alex Hepburn: Keineswegs! Davon werde ich nie genug bekommen! Es macht mich sehr glücklich.

Welches Kompliment gefällt Ihnen am besten?

Wenn man nicht sagt: «Du klingst wie ...» Ich mag es nicht, wenn man mich mit anderen Sängern vergleicht.

Welches war Ihre erste prägende musikalische Erfahrung?

Ich habe mich immer für Musik interessiert, war besessen von den Platten meiner Mutter, die dann wollte, dass ich Klavierspielen lerne. Als mir Apricot, der Pudel meines Lehrers, in der dritten Klavierstunde ins Bein biss, wollte ich dort nie wieder hin. Also habe ich mir das Klavierspielen selbst beigebracht.

Haben Sie immer die Musik der älteren Generation vorgezogen?

Meine Eltern hörten Nina Simone, Sinatra, Hendrix, Creedence Clearwater Revival, Beatles, Rolling Stones. Etta James, die meine Mutter besonders mochte, liebe ich bis heute.

Wie haben Sie es mit Ihrer Musik geschafft?

Ich habe sehr viele Songs geschrieben, 257 Lieder allein in den letzten zwei bis drei Jahren. Die Plattenfirma wollte den richtigen Sound für mich finden. Ich wollte aber bei der Grundlage Gesang und Piano bleiben. Einzig die Single «Under» tönt poppiger, weil sie speziell fürs Radio produziert wurde.

Stört Sie das?

Nein, die Produzenten müssen auch ihren Job machen. Aber ich stellte sicher, dass zumindest das Album so klingt, wie ich es mir vorstellte. Die Musiker spielten live, wir haben analog auf Band aufgenommen. Einmal sagte ich, das Schlagzeug müsse wie Mitch Mitchell (Schlagzeuger bei Hendrix) klingen, ein anderes Mal wie Hendrix’ «Little Wing».

Wie beschreiben Sie Ihren Stil?

Ich wollte einen warmen, runden Sound, der weder zu modern noch allzu retro klingt. Es war sehr schwierig, ein Gleichgewicht zu finden. Also mussten wir die Lieder so schreiben, als ob es Popsongs wären, aber produzieren, als wären sie in den Sixties entstanden. Es war schwierig, das hinzubekommen, ohne dass es nach Amy Winehouse klingt. Ich bin noch am Lernen ... (lacht).

Was bedeutet Ihnen Janis Joplin, an die Sie bei «Pain Is» erinnern?

Alle fragen das. Wahrscheinlich, weil wir beide sehr gebrochene Stimmen haben. Sie war nicht mein Idol, aber ich habe grossen Respekt vor ihr. Sie gab einfach alles. Aber die meisten Leute unter 20 Jahren kennen sie gar nicht mehr. Sie vergleichen mich mit P!nk, obwohl ihr Poprock etwas ganz anderes ist, oder mit Macy Gray.

Sie haben Ihren Hit «Under» nach der Trennung von Ihrer ersten grossen Liebe geschrieben. Ist die Erinnerung schmerzhaft?

Allerdings, und die Person, die mich verliess, war mehr als nur mein Lover – er war auch mein Manager und Businesspartner. Das ist noch viel schlimmer. Ich kam mir vor, als ob er mich eben beerdigt hätte. Aber «Under» erzählt noch von viel schrecklicheren Dingen: von häuslicher Gewalt. Eine Frau, die tot ist, erinnert sich an ihre Abhängigkeit von dem Mann, der sie misshandelt hat. Leider erklärt der Videoclip dies nicht gut genug, da einmal mehr niemand auf mich gehört hat ...

Wie kommt es, dass es zu «Look What You’ve Done» einen Videoclip gibt, der so stark ist wie der Song, dieser aber nicht auf der CD ist?

Das war nicht meine Entscheidung und ich kann mir diese auch nicht erklären, denn es ist auch einer meiner Lieblingssongs. Den Clip habe ich selbst gemacht, als es mir langweilig war. Er wurde zu meinem ersten offiziellen Video! Aber anscheinend war das Lied nicht gut genug. Ich werde es aber aufs nächste Album nehmen.

Weshalb ist auf dem Cover Rauch, aber keine Zigarette zu sehen?

Im Stress rauche ich viel zu viel. Die besten Bilder der Fotosession waren jene, wo ich mich bei einer Zigarette entspannte. Die Zigarette mussten wir aber wegretouchieren, weil ich nicht propagieren möchte, dass Rauchen cool ist. Ich war dumm genug, damit anzufangen, als ich sehr jung war, und hätte das Vermögen nur allzu gerne gespart, das ich schon ausgegeben habe, um mich umzubringen.