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Das Schlagzeug-Monster Ginger Baker ist tot

Ginger Baker: Genialer Schlagzeuger, unangenehmer Zeitgenosse. Bild: AP

Ginger Baker: Genialer Schlagzeuger, unangenehmer Zeitgenosse. Bild: AP

Der britische Drummer Ginger Baker war der erste Superstar am Schlagzeug. Jetzt ist er im Alter von 80 Jahren gestorben.

Schlagzeuger waren in Pop und Rock lange die ungeliebten Stiefkinder im Hintergrund. Gefragt waren „Timekeeper“ und einfache, zuverlässige Rhythmusarbeit. Das änderte sich mit Ginger Baker fundamental. Auf seinem Schlagzeug mit zwei Basstrommeln, vier Tom-Toms und neuen Becken gehörten schlug so komplizierte Kreuz- und Gegenrhythmen wie sie zuvor in diesem Genre nicht gehört wurden. In seinen Lehrjahren als Jazz-Drummer orientierte er sich einerseits an den virtuosen Schlagzeugern Gene Krupa und Buddy Rich, andererseits an den Rhythmen der westafrikanischen Talking Drums.

Der Meister der Doppelpauke

Bei Cream, dieser ersten Supergroup des Rock, mit Eric Clapton und Jack Bruce (1966 bis 68) hatte er es zur vollen Meisterschaft gebracht. Legendär ist sein Schlagzeug-Solo im Song „Toad“ von 1966. Das fünfminütige Solo war eines der ersten aufgenommenen Schlagzeug-Soli des Rock. Der 1939 in London geborene Ginger Baker wurde zum ersten Schlagzeug-Superstar. Er war zwar nicht der Erste, der die Doppelpauke einsetzte - das war der Jazz-Musiker Louie Bellson). Baker war es aber, der das Spiel mit zwei Bassdrum perfektionierte und entscheidend zur Verbreitung der Technik beitrug. Die Bassdrum-Salven wurden sogar zu den stilbildenden Elementen des Metal. Von Schlagzeugern des Rock und Metal wurde Ginger Baker deshalb bis zuletzt kultisch verehrt.

Nach einem kurzen Gastspiel bei „Blind Faith“ mit Clapton und Steve Winwood gründete er 1969 die Afro-Jazz-Rockband „Air Force“. Mit der Annäherung an afrikanische Rhythmen leistete die Band Pionierarbeit und war die ideale Plattform für polyrhythmischen Kabinettstücke des Drum-Monsters. Doch kommerziell hob die Air Force nie ab, weshalb sie nach gut einem Jahr wieder aufgelöst wurde.

Es folgte eine Odissee mit vielen kurzlebigen Projekten zwischen Jazz und Rock. Viele interessant, Einige misslungen, aber alle nie sonderlich erfolgreich. Immer wieder tauchte er ab, lebte in Lagos, in Italien und kämpfte mit seiner Heroinsucht. Einzige Konstante waren die Tantiemen aus seiner Zeit bei Cream. 1994 kam es zu einer Art Cream-Revival mit Jack Bruce und dem Gitarristen Gary Moore. Eric Clapton wollte zunächst nichts davon wissen. 2005 kam es dann doch noch zum vielbejubelten Revival mit vier Konzerten in der Londoner Royal Albert Hall.

Bobby Leiser: "Er war ein schwieriger Charakter"

Der Schweizer Bobby Leiser, der als Vertreter der Schweizer Schlagzeug-Becken-Firma Paiste, verschiedentlich mit Ginger Baker zu tun hatte, bezeichnet ihn als „unangenehmen Zeitgenossen“. „Genial als Schlagzeuger, aber extrem launisch, dominierend und intrigierend“. Leiser vermutet, dass sich Cream vor allem seinetwegen aufgelöst hat. Auch die Abfolge von kurzlebigen Bands und Projekten in seiner Karriere führt er auf den schwierigen Charakter des Schlagzeugers zurück.

Am Sonntagmorgen ist Ginger Baker 80-jährig nach langer Krankheit friedlich eingeschlafen. Er hat seinen Frieden gefunden.

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Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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