Klassik

Das Musiktaxi kommt: Pudelwohl mit Boccherini

Das Musiktaxi besucht das Publikum zuhause.

Musiktaxi

Das Musiktaxi besucht das Publikum zuhause.

Beim Sinfonieorchester Basel kann seit Ende Mai ein Musiktaxi bestellt werden. Maximal fünf Musiker spielen in Heimen und Gärten.

Wer denkt, Tiere verstünden nichts von Musik, hat keine Ahnung. Oder kennt den rabenschwarzen Riesenpudel nicht, der im Parterre dieses Drei-
Parteien-Hauses in Basel lebt. Interessiert verfolgt er zusammen mit Herrchen alle vier Sätze von Boccherinis C-Dur-
Streichquintett op. 28/4.

Die rostrot getigerte Katze hingegen, die im selben Haushalt wohnt, mag zwar offensichtlich ihren Pudelfreund, aber eher keinen Boccherini. Beim Menuett schnuppert sie kurz rein, interessierte sich dann aber demonstrativ mehr für die Kinder im Nachbarsgarten und die Vögel, die mit den fünf Streichern um die Wette zwitschern.

An der Qualität der Aufführung kann es nicht gelegen haben. Andrés Gabetta – sonst mit seiner Capella eine solide Marke für die Aufführung barocker Musik auf historischen Instrumenten – ist auch Mitglied der Geigen im Sinfonieorchester Basel und spornte das Streichquintett aus seinen Orchesterkollegen zusammen mit der Cellistin Judith Gerster, welcher der selber Cello-spielende Boccherini zentrale Aufgaben zukommen lässt, resolut an. Alle hatten sie Darmsaiten aufgespannt und die Barockbögen ausgepackt, zeigten lebendiges Musizieren auf höchstem Niveau, mit viel Esprit und Charme, die dieser auf Schritt und Tritt überaus originellen und einfallsreichen Musik aufs schönste gerecht wurde.

Für 100 Franken rollt das Musiktaxi an

Der Applaus von den drei Balkonen war ihnen gewiss, auch drohende Gewitterwolken, zeternde Krähen und ferne Sirenen im Stadtlärm hatten keine Chance, etwas gegen dieses charmante Garten-Konzert auszurichten.

Bis zum Saison-Schluss Mitte Juni fährt das Musik-Taxi des Sinfonieorchesters Basel noch durch die Stadt und die nähere Region. Maximal fünf Orchestermusiker in ständig wechselnden Besetzungen spielen in den Gärten von Basel und Umgebung. Bevorzugt – und gratis – gastiert man bei Institutionen wie Altersheimen. Aber auch Private können sich für 100 Franken das Taxi in ihren Garten bestellen, auf der Webseite des Orchesters gibt es einen Anmelde-Talon dafür.

Wer Andrés Gabetta im Quintett mit Boccherini allerdings hören möchte, ist nicht allein auf sein gutes Glück angewiesen: Den gut gelaunten, witzigen Schluss-Satz haben die fünf SOB-Musiker auch für die Online-Reihe «Salon Picasso» aufgenommen, die auf der Webseite des Orchesters ganz verschiedene Kammermusik mit den Orchestermitgliedern anbietet, vom langsamen Satz des Schubert-Streichquintetts bis zu de Bagatellen von György Ligeti.

Ab 18. Juni dann sind Sommerferien bis zum 22. August. Dann steht die feierliche Eröffnung des neu renovierten Musiksaals im Stadtcasino auf dem Programm. Als Saison-Finale gibt es zuvor wie einst geplant, den Abschluss des sinfonischen Bruckner-Zyklus im Münster, allerdings nicht mit der monumentalen Neunten, sondern mit der Siebten in der kammermusikalischen Bearbeitung aus Schönbergs berühmtem «Verein für musikalische Privat-Aufführungen». Neun Musiker auf der Bühne, je 100 Zuhörer an den beiden Abenden vom 17. und 18. Juni – Bruckner im Corona-Format.

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