Sonntag, 7. April 2013. Es bläst ein kalter Wind, es regnet, in der warmen Alten Kirche drängen sich 320 Besucher, geniessen das vierte Boswiler Meisterkonzert der Saison. Nach einer Stunde ist Pause. Habitués wechseln rüber ins Haupthaus, ein Häufchen steht sich draussen unter dem Vordach in der Kälte auf den Füssen, ein Teil drängt sich im «Foyer», das seinen Namen nicht verdient, das Gros bleibt gedrängt in der Kirche. «So ist halt Boswil», sagt man sich gegenseitig gequält lächelnd.

«So war mal Boswil», sagt man vielleicht in fünf Jahren. Dann nämlich könnte das neue Foyer gebaut sein. Doch kaum ist dieser Satz gesagt, wird der Boswil-Besucher Fragen über Fragen stellen. Wo soll es denn stehen? Und wie überhaupt, bei allen denkmalschützerischen Aspekten bzw. Hindernissen, ermöglicht werden? Und vor allem, mit wessen Geld?

Diese Fragen sind noch nicht beantwortet, aber der Stiftungsrat des Künstlerhauses hat eine Planungsidee vorgelegt und gestern präsentiert. Mit Rolf Furrer/Christof Rösch und Boa Baumann/Fritz Hauser standen zwei Architektenduos in der Alten Kirche, hinzu kam die Landschaftsarchitektin Jane Bihr-de Salis, die Stiftungsratsmitglieder Peter Wipf und Stefan Hegi sowie Künstlerhausleiter Michael Schneider.

Umbau Sigristenhaus und Foyer

Alle zusammen präsentierten nicht nur Ideen für das neue Foyer, sondern auch für die Neunutzung des Sigristenhauses, das der Kanton gekauft und 2008 dem Künstlerhaus übergegeben hat.

Damit nicht genug: Die ganze Anlage soll Korrekturen erhalten, am markantesten bemerkbar: ein einziger Hauptzugang und das Büro im «Gartenhäuschen» wird abgerissen.

Für die Konzertbesucher am bemerkbarsten wird das zweitteuerste Projekt, das neue Kirchenfoyer und der Umbau der Kirche, sein. Doch wohin damit? Das gegen das weite Feld gerichtete Kirchenschiff und das alte Eingangsportal waren unberührbar. Und der breit angelegte Seiteneingang schien zu schön, zu ideal für Sommeraktivitäten. Blieb also die der Kapelle zugewandte Seite. Für diesen Platz hat das Duo Baumann/Hauser ein Projekt vorgelegt.

Das relativ lange, fast der Kirchenseite (ohne Chor) entsprechende Foyer würde den verträumten Schattenplatz besetzen. Die Grundmauern eines alten Turmes geben die Grenze vor. Im Foyer wäre Platz für Pausengäste und der Raum könnte auch Seminarort sein. Neu wäre hier auch der (behindertengerechte (Lift-)Abgang zu den unter der Kirche liegenden WCs. Der bisherige Abgang im Kircheninnern, beim alten «Foyer», könnte endlich aufgehoben werden. Dort würde Platz frei für mehr ersehnte Konzertbesucherplätze.

Bloss Studien, aber sehr konkrete

Das Sigristenhaus soll gemäss den Plänen des Duos Furrer/Rösch in Zukunft für Gäste, Büros und zur musikalischen Arbeit offen sein. Zentrum wird ein multifunktionaler Saal, wo durchaus auch Kammermusikkonzerte gegeben werden können.

Alle bisher gemachten Pläne sind mit der kantonalen Denkmalpflege abgesprochen, sind also konkret brauchbar. Aber es kann sein, dass für das Foyer noch ein Wettbewerb ausgeschrieben wird.

Die Kosten für diese Bauten belaufen sich auf 7,7 Millionen: eine Million für die Umgebungsarbeiten, 1,6 für das Kirchenfoyer und den Umbau der Kirche und fast eine Million für die Vorbereitungsarbeiten. Den grössten Posten macht der Umbau des Sigristenhauses aus, rund 3,7 Millionen. Würde das Sigristenhaus ennet der Strasse umgebaut, könnte das jetzige Atelierhaus allerdings abgegeben werden.

Grosse Pläne für Boswil in seinem 60. Jahr. 2014 steht das nächste Jubiläum an: 350 Jahre Kirche. Diesem Feiertag könnten bald neue folgen.