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Zum Beispiel Duke Ellington, Charles Mingus und Thelonious Monk. In diese Kategorie gehört auch Wayne Shorter (84), dessen erstes klassisches Werk morgen in Aarau seine Welt-Uraufführung feiert.

Shorter hat die Entwicklung des Jazz ab den 60er-Jahren massgeblich mitgeschrieben und ist der wohl bedeutendste lebende Jazz-Komponist. Sein kompositorisches Talent wurde früh erkannt, weshalb ihn Schlagzeuger Art Blakey 1959 in seine Band holte. Mit Kompositionen wie «Free For All» prägte er die damals äusserst populäre Band fünf Jahre lang. Dabei blieb er formal der konventionellen Form des Hard Bop treu, suchte aber nach neuen Klangmöglichkeiten und testete die Grenzen der Harmonien.

Seine kompositorische Kunst blieb auch Miles Davis nicht verborgen. Nach jahrelangem Werben gelang es ihm, Shorter in seine Band mit Tony Williams, Herbie Hancock und Ron Carter zu holen. Shorter war der Katalysator, und sein E.S.P. von 1965 hatte programmatischen Charakter. Keine Akkorde mehr! Die modale Spielweise wurde perfektioniert. In dieser Zeit entstand «Footprints», Shorters Paradestück, auf das er im Lauf seiner Karriere immer wieder zurückgriff.

Revolutionär war auch «Nefertiti». Das Stück stellte das Thema ins Zentrum, sprengte die formalen Konventionen und stellte die Rollenverteilungen auf den Kopf: Statt der Bläser improvisierte die Rhythmussektion über das Thema. «Nefertiti» war der Beginn jener Endlos-Themen wie «Harlequin» oder «Palladium», die in der Jazz-Rock-Formation Weather Report zum Markenzeichen von Shorter werden sollten. Seine Vorliebe für Bandwurmthemen und parallel verlaufende mehrstimmige Melodielinien wird auf dem Album «High Life» deutlich. Es ist sein Opus magnum. «Children of the Night» etwa ist eine Wiederaufnahme eines Stücks von 1961, die seine Entwicklung als Komponist zeigt. «High Life» hat sinfonischen Anspruch und Shorter macht zunehmend Anleihen bei der klassischen Musik. Zum Beispiel in «Bachianas Brasileiras» und «On the Wings of Song», wo er sich von Heitor Villa-Lobos und Felix Mendelssohn inspirieren lässt.

Art Blakey: Free For All (1964)

Art Blakey: Free For All (1964)

Miles Davis: E.S.P. (1965)

Miles Davis: E.S.P. (1965)

Wayne Shorter: Footprints (Adam’s Apple, 1966)

Wayne Shorter: Footprints (Adam’s Apple, 1966)

Miles Davis: Footprints (Miles Smiles, 1967)

Miles Davis: Footprints (Miles Smiles, 1967)

Wayne Shorter: Footprints (Footprints Live!, 2002)

Wayne Shorter: Footprints (Footprints Live!, 2002)

Miles Davis: Nefertiti (1967)

Miles Davis: Nefertiti (1967)

Weather Report: Harlequin (Heavy Weather 1977)

Weather Report: Harlequin (Heavy Weather 1977)

Weather Report: Palladium (Heavy Weather 1977)

Weather Report: Palladium (Heavy Weather 1977)

Wayne Shorter: Children of the Night (High Life, 1995)

Wayne Shorter: Children of the Night (High Life, 1995)

Art Blakey: Children of the Night (mosaic, 1961)

Art Blakey: Children of the Night (mosaic, 1961)

Wayne Shorter: Bachianas Brasileiras No. 5 (2003)

Wayne Shorter: Bachianas Brasileiras No. 5 (2003)

Wayne Shorter: On the Wings of Song (Felix Mendelsohn, 2004)

Wayne Shorter: On the Wings of Song (Felix Mendelsohn, 2004)