Rap-Ikone

Cro oder der rappende Pandabär: «Ich bin ein Vorbild»

Rapper Cro findet Pandas süss – als Elefant würde er nicht auftretenTom Ziora

Rapper Cro findet Pandas süss – als Elefant würde er nicht auftretenTom Ziora

Vom Phantom zur Ikone – der Wandel des Rappers mit der Panda-Maske: Wir sprachen mit Cro über Masken, Musik und Mädchen am Mikrofon. Am Samstag tritt er zudem als wichtigster ausländischer Act am Argovia Fest auf.

Sie sind auf dem Weg zu uns in die Schweiz. Was haben Sie hier schon für Erfahrungen gemacht?

Cro: Ich komme immer wieder gerne. Es ist ein kleines bisschen schöner als in Deutschland. Am Vierwaldstättersee sieht es aus wie in Rio – richtig geil. Als wir da vorbeifuhren, mussten wir anhalten.

Sie tragen eine Maske, um Ihre Privatsphäre zu schützen. Im Internet kursieren Bilder von Ihnen ohne Maske – werden Sie privat erkannt?

Nee, nee. Da tauchen ja immer wieder Bilder auf, aber niemand weiss, ob sie echt sind, die sind ja gar nicht bestätigt. Es ist nicht immer dasselbe Bild. Wir sorgen so für Verwirrung, dass ich immer noch frei herumlaufen kann, ohne erkannt zu werden.

Bleibt die Pandamaske oder sehen wir Sie auch mal mit anderen Verschleierungen?

Nein, ich denke, der Panda bleibt. Ich wüsste auch gar nicht, was ich anders machen würde. Einmal hatte ich eine andere, eine Panda-Sturmmaske, auf, aber ich denke nicht, dass ich jetzt plötzlich als Elefant auftreten würde.

Was haben Sie denn mit einem Pandabären gemeinsam?

Na, die sind süss, alle mögen sie und sie klettern gern auf Bäumen rum …

Das machen Sie auch?

Ja klar.

Kaum ein Fan hat Ihr Gesicht gesehen, trotzdem fallen Mädchen in Ohnmacht und kreischen, wenn Sie auf der Bühne stehen. Wie erklären Sie sich das?

Nun ja, die wissen nicht wie ich aussehe. Das heisst: Sie haben viel Spielraum für ihre Fantasie. Sie können sich dann ihren Traummann vorstellen – die Maske hat auch etwas Geheimnisvolles.

In einem Interview haben Sie gesagt, Mädchen könnten nicht rappen, Rap sei eine Männerdomäne. Warum?

Das stimmt so nicht, es gibt auf jeden Fall welche, die das können – allerdings nur wenige. Es gibt Nicki Minaj, die kann das oder … hm. Ja, da hört es eigentlich schon auf. Es gibt auch kaum Frauen, die rappen, aber das ist okay.

Ihre Musik handelt von alltäglichen Themen wie Liebe, Freundschaft und Erwachsenwerden. Sind politische und gesellschaftskritische Themen nichts für Sie?

Ich bin ja jetzt ein Jugendsprachrohr, eine Art Vorbild für die Jugend. Die schauen, was ich mache, kaufen sich dieselben Schuhe und T-Shirts. Deswegen könnte ich mir schon vorstellen, bald etwas in eine neue Richtung zu machen. Im Moment mache ich ziemlich neutrale Sachen – nichts Böses, aber auch nicht wirklich etwas Gutes. Vielleicht könnte ich auch einmal etwas Gutes machen.

Sie haben ein ganzes Album, das Sunny-Mixtape, gratis zum Herunterladen online gestellt. Warum das?

So hat alles angefangen. Wenn man erfolgreich sein will, muss man den Leuten etwas zum Anschauen geben, egal, ob das Musik ist oder etwas anderes. Die Leute kaufen selten irgendetwas, was sie nicht kennen.

Mittlerweile kennt man Sie und Ihre Musik.

Trotzdem lade ich immer mal wieder ein paar Mixtapes hoch. Aber ein witziges Phänomen ist auch, wenn etwas verschenkt wird, finden es die Menschen plötzlich nicht mehr spannend und wollen es gar nicht haben. Sie denken dann, etwas stimmt damit nicht.

Ihre aktuellste Single «Bad Chick» handelt von Ihrer Freundin, die Sie einsperrt und Ihren Wecker drei Stunden nachstellt. Beruht der Song auf wahren Begebenheiten?

Ein kleines bisschen erlebt das doch jeder von uns. Natürlich nicht so extrem, dass sie mir meinen Tank aus dem Auto klaut und mich einschliesst. Aber eigentlich geht es im Song um etwas anderes: Im Grunde ist der Song eine Ausrede, warum ich immer zu spät komme. So wie zu diesem Interview zum Beispiel. Über die Jahre hinweg haben sich ganz viele Ausreden angesammelt, und da dachte ich mir, ich könnte ein Lied daraus machen.

Sie geben sich immer sehr ruhig, positiv und entspannt. Gibt es etwas, was Sie wirklich auf die Palme bringt?

Ja klar, das geht doch jedem so. Letztens haben wir etwas gedreht für ein Video, ich konnte aber nicht dabei sein. Andere Menschen haben die Statisten angekleidet, doch es sah völlig beschissen aus. Ich hätte es nie so gemacht. Da habe ich mich echt aufgeregt. Aber das ist nun einmal so: Wenn man nicht selber überall dabei ist, dann läuft alles schief.

Apropos Filmdreh: Sie machen zusammen mit Til Schweiger einen Film. Wie kam es dazu?

Meine Jungs und ich kamen auf die Idee, einen Film zu drehen. Wir haben überlegt, wie das aussehen könnte, Drehbücher geschrieben und bearbeitet – wir haben eine ganz verrückte Geschichte zusammengeschustert! Und dann brauchten wir noch einen mega krassen Star, der die Star-Rolle spielt. Als wir Til anfragten, hatte er Bock und sagte sofort zu. In den Medien klingt es ein bisschen so, als wenn das von Til aus entstanden wäre, aber eigentlich war es anders herum.

Wie ist denn die Zusammenarbeit mit dem Hollywood-Star?

Der Til ist cool. Jung geblieben – äusserlich wie auch in seiner Art. Er ist mega nett und gastfreundlich. Er sagte zu uns: «Hier, nehmt mein Haus, macht damit, was ihr wollt.» Dann verschwand er. Mega krass. Und wenn er etwas sagen will, dann sagt er das immer direkt.

Und werden wir Sie im Film ohne Maske sehen?

Eventuell …

Womit beschäftigen Sie sich, wenn Sie nicht auf der Bühne stehen, keine Musik schreiben, die Maske ablegen?

Ich muss mal überlegen … Ich male nebenher auf grossen Leinwänden, dann habe ich noch mein Modelabel «VioVio», dann dreh ich einen Kinofilm. Und wenn ich wirklich gar nichts, gar nichts mache, dann häng ich rum oder mit Freunden ab.

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