Baloise Session

Chris Cornell überzeugte mit nichts als seiner Stimme und seiner Gitarre

Seine markante Stimme überzeugte: Chris Cornell an der Baloise Session 2013

Seine markante Stimme überzeugte: Chris Cornell an der Baloise Session 2013

Chris Cornell und Aimee Mann liessen an der Baloise Session die 90er wiederauferstehen. Der ehemalige Soundgarden-Kopf begeisterte mit seinem akustischen Rock und setzte dem Abend im 90er-Gewand das i-Pünktchen auf.

Es ist eine Zeitreise, auf die uns der Baloise-Session-Abend mit den Songwritern Chris Cornell und Aimee Mann entführt. Eine Reise in eine Zeit, als handgemachte Gitarrenmusik in Moll und lange Haare die Charts dominierten. Die Rede ist von den 1990er-Jahren, eine Zeit, die noch nicht ewig lang her, aber den Middle Agern auf der Bühne und im Publikum vor Augen führt, dass ihre grosse Zeit doch irgendwie vorbei ist.

Abgespeckt noch eindringlicher

Mancher Besucher ist banger Erwartung: Was hat Cornell - mit der Grungeband Soundgarden eines der Aushängeschilder der Seattle-Szene - nach mittelmässigen Solo-Scheiben und fragwürdigen Experimenten mit Hip-Hop-Produzent Timbaland zu bieten? Die Antwort fällt nach dem fast zweistündigen Gig erfreulich aus: Einiges! Der 49-Jährige legt mit Solonummern jüngeren Datums los - darunter «You Know My Name», Titelsong des James-Bond-Streifens «Casino Royale». Daumen hoch: Das Stück funktioniert auch ohne Opulenz der 007-Streicherarrangements.

Der aussagekräftigere Test folgt später: Wie wirken die Soundgarden-Songs, im Original dräuend schwere und vielschichtige Kompositionen, von der One-Man-Show dargeboten? Noch eindringlicher. Die Akustik-Interpretationen beweisen, dass die Band um Frontmann Cornell in den 90ern einige zeitlose Klassiker geschrieben hat. Vom speckigen Soundwall befreit kommt Cornells Organ noch besser zur Geltung, etwa in «Fell on Black Days» oder in «Black Hole Sun».

Die Stimme des Ausnahmesängers schraubt sich durch mindestens vier Oktaven, klingt mal warm und klar, dann heiser bis schrill. Immer aber trifft der 49-Jährige den richtigen Ton. Einer von vielen gesanglichen Höhepunkten ist «Hunger Strike», den Cornell 1991 mit späteren Pearl-Jam-Mitgliedern zum Heroin-Tod seines Kumpels Andrew Wood komponierte.

Fehlgriffe bei Coverversionen

Gegen Ende versucht sich der Amerikaner an mehreren Coverversionen: Nahe am Original gibt er die Led-Zeppelin-Liebeshymne «Thank You» - das erwärmt das Herz. Stark verfremdet kommt hingegen Michael Jacksons «Billie Jean» daher. Kühn, aber irgendwie gut.

Leider leistet sich Cornell zwei Fehlgriffe: das bombastische «A Day in the Life» der Beatles sollte man gar nicht erst in Angriff nehmen, wenn man kein 30-köpfiges Orchester hinter sich weiss. Cornells Interpretation wirkt vermessen bis dämlich. Und über John Lennons «Imagine» sollte schleunigst ein generelles Cover-Verbot verhängt werden.

Insgesamt bereitet das Wiedersehen mit dem früheren Grunger aber viel Spass; kleine Abstriche sind beim zu schrillen und manchmal zu laut abgemischten Sound zu machen.

Manns Songs plätschern vor sich hin

Ein gutes Händchen bewiesen die Session-Verantwortlichen mit Aimee Mann im Vorprogramm. Die 53-jährige Songwriterin aus Virginia entstammt derselben Musiker-Subkultur wie der vier Jahre jüngere Cornell, leidet aber etwas am Status des ewigen Geheimtipps und Kritikerlieblings. Manns melancholischer Folk wirkt ruhiger und unaufgeregter als Cornells Akustik-Rock. Obwohl Mann mit drei Begleitern antritt, ist die Instrumentierung spärlich gehalten. Die Songs der Troubadourin sind gepflegt arrangiert, wirken aber - Pardon Aimee - gleichwohl etwas gleichförmig.

Mit «Save me» aus dem Episoden-Film «Magnolia» landete Mann um die Jahrtausendwende fast einen Hit. Wie die Blondine in Basel mit trockenem Humor berichtet, hat sie diesen kürzlich an einer Gala vor hochrangigen US-Politikern gespielt. Die Episode sagt einiges über ihren Status als Musikerin aus: Mann will beobachtet haben, dass Hillary Clinton zu «Save me» sanft getanzt hat. Anders die Reaktion von Jeb Bush, Bruder des früheren US-Präsidenten. Mit festem Händedruck gratulierte er backstage der Sängerin für die Darbietung: «Great job.»

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