Büne Huber, ab Donnerstag sind Sie mit Ihrer zweiten Band, Meccano Destructif Commando, auf Tournee. Das kennt ja niemand.

Büne Huber: Nein, das kennt wirklich niemand. Der Name ist auch nicht unbedingt glücklich gewählt. Den kann sich keiner merken. Zum Glück steht dem Ganzen voran «Büne Huber», vielleicht kommt der eine oder andere dadurch auf die Idee, dass es mit Patent Ochsner zu tun haben könnte.

Wie ist es zu diesem Projekt gekommen?

Wenn wir mit Ochsner unterwegs sind, sind wir daran interessiert, die neue Platte zu präsentieren. Hinzu kommen einige Hits und ein paar auserlesene Songs, die ins Konzept des Albums passen. Aber viele Songs, die man selber vielleicht sehr gerne mag, gehen verloren, weil man nicht dazu kommt, sie zu spielen. Vor einigen Jahren habe ich mir zum ersten Mal gedacht, ich müsste eine kleine Band haben, mit der ich unterwegs bin und Songs spiele, die wir bei Patent Ochsner nicht mehr spielen. Das sind die sogenannten Nachtschattengewächse.

(Quelle: Youtube.com)

Schlächte Verlüürer - Büne Hubers MDC

Das heisst, Meccano Destructif Commando ist eine Restpostenverwertung von Patent Ochsner?

Nein natürlich nicht. Zum Beispiel haben wir Songs im Repertoire, die es nicht auf eine Platte geschafft haben, weil sie thematisch nicht dazugepasst haben. Grundsätzlich könnten wir diese auf einer nächsten Scheibe veröffentlichen, aber bis dann haben wir neue Songs geschrieben, die einen aktuelleren Bezug haben. Im Übrigen schreibe ich keine Songs die Restposten sind. Sie sind immer ein Teil von einer Geschichte.

Wie entscheiden Sie, mit welchen Songs Meccano Destructif Commando auftritt?

Es sind die Songs, auf die wir am meisten Lust haben. Jene, die man vermisst hat. Die Waisenkinder, die in einen Sprachaufenthalt nach England oder Australien geschickt wurden, über die man aber wahnsinnig Freude hat, wenn sie zurück sind.

Sie sind bekannt für Patent Ochsner. Patent Ochsner ist bekannt für «W. Nuss vo Bümpliz», «Scharlachrot» oder «Trybguet». Werden solche Lieder an Konzerten von Meccano Destructif Commando gar nicht gespielt?

Auf der letzten Tour haben wir «Trybguet» und «Scharlachrot» gespielt, weil die Besucher das gewünscht haben. Trybgut könnte auch jetzt wieder dabei sein. Aber eigentlich wissen wir es nicht so genau. Das Boot ist sehr klein mit vier Leuten. Ändu Hug, Disu Gmünder, Wolfgang Zwieauer und ich, wir sind ein Schnellboot. Wenn wir am Nachmittag das Gefühl haben, wir nehmen einen Song ins Repertoire auf, dann spielen wir ihn am Abend. Und wenn wir auf der Bühne das Gefühl haben, Scharlachrot wäre gut, dann machen wir das. Es ist eine ziemlich offene Geschichte.

Sie tönen es selber an, drei der vier Mitglieder sind von Patent Ochsner, der Vierte ist der Ersatzbassist. Was ist denn das Spezielle an Meccano Destructif Commando?

Dass die Leute Songs hören können, die sie schon lange nicht mehr gehört haben. Von denen sie vielleicht auch denken: «Mamma mia, wird man die nie mehr live hören?» Sie werden vor allem eine Band hören, die «u huere» agil und enorm wendig ist. Sie hören Geschichten und haben einen schönen Abend. Sie bekommen etwas, das sie den Rest vom Jahr nicht mehr bekommen werden, von niemandem. Wissen Sie, wie ich meine, von NIEMANDEM. Es ist etwas Einmaliges. Es ist wie ein Edelstein.

Das war ja Ihre Idee, etwas in einem kleineren, intimeren Rahmen zu machen, als dies mit Patent Ochsner möglich ist. Da Sie und Ihre Songs aber doch sehr bekannt sind, ist dieser intime Rahmen fast nicht mehr möglich. Haben Sie sich deshalb schon einmal überlegt, das Meccano Destructif Commando ganz von Patent Ochsner zu lösen und eigene Songs dafür zu schreiben?

Nein, überhaupt nicht. Das hat in diesem Sinn auch gar nichts miteinander zu tun. Das grosse Boot von Ochsner ist mir lieb und das bedeutet mir wahnsinnig viel. Und das kleine Boot bedeutet mir auch enorm viel. Das ermöglicht mir, Sachen in einem kleinen Rahmen auszuprobieren. An Songs weiterzuarbeiten, zu spielen, Gebiete auszukundschaften, neue Klangbilder zu entwickeln, die nachher einen Einfluss auf Ochsner haben. Das ist alles ein komplexes System um mich herum. Ich bin am Schreiben, Malen, Komponieren und ich mache das nicht als exzentrisches Hobby. Das gehört alles zusammen. Eines ergibt das nächste, und jenes beeinflusst das andere. Es gehört dazu. Wenn ich das nicht machen würde, wäre es langweilig.

Was sagen Sie, wenn jemand behauptet, Meccano Destructif Commando sei einfach, um die Zeit zwischen zwei Tourneen von Patent Ochsner zu überbrücken?

Das ist nicht so. Unmittelbar nach dieser Tour starten wir die Arbeit am neuen Album. Wenn ich ein Bauarbeiter wäre, dann wäre ich wahrscheinlich froh, wenn ich einfach Ferien machen könnte. Aber als Musiker will man spielen. Das ist eine Bestimmung. Man will Konzerte geben und Sachen ausprobieren. Und wenn es Leute gibt, die das hören wollen, dann ist das Glück. Man geht spielen und das «fägt wie ne Moore» und deswegen macht man das. Wir sind scharf darauf, auf die Bühne zu gehen und Lieder zu singen und die Leute mitsingen zu lassen. Wir sind scharf darauf, die Leute irgendwie zu berühren. Das ist unser Job. Deshalb hat das Ganze mit dem Commando nicht viele Hintergedanken.

Also besteht auch keine ökonomische Notwendigkeit?

Es ist natürlich unser Beruf, wir leben davon, das ist klar. (Lacht laut). Ich muss sagen, das «fägt», wenn Eintritt bezahlt wird oder wir von den Veranstaltern eine Gage erhalten. Es ist natürlich schon irrsinnig, dass wir nicht Strassenmusik machen müssen und die Leute gehen an uns vorbei und werfen nichts in den Hut.

Sie haben selber gesagt, der Name «Meccano Destructif Commando» sei nicht so glücklich gewählt, weil man sich den nicht gut merken kann. Wie ist es zu diesem Namen gekommen?

Sehen Sie, das ist das beste Beispiel dafür, dass man nicht unter Alkoholeinfluss Bandnamen aussuchen sollte. Wir sind zusammengesessen und haben gesagt, wir brauchen einen Namen, weil es irgendwie ernst wurde und losging. Im Trinken ist dann das entstanden. Das kann Rotwein auslösen: Man erfindet Namen, die in keinen Kopf hineingehen.

Sie haben selber gesagt, nach dieser Tour geht es an die Arbeit am neuen Album. Sind Sie noch am Liederschreiben, oder ist das bereits abgeschlossen?

Das nächste Patent-Ochsner-Album ist der dritte und letzte Teil der Trilogie «Rimini Flashdown». Ein grosser Teil dieser Songs besteht bereits und es geht jetzt darum, das Konzept auszuarbeiten, sodass wir dieses Album schön hinbekommen. Natürlich bin ich noch am Songschreiben, aber dieser Prozess hört auch nie auf. Die Geschichte für diesen dritten Teil ist zusammengestiefelt und bereit, in Angriff genommen zu werden.

Das letzte Ochsner-Album war von einer persönlichen Krise von Ihnen geprägt. Haben Sie diese Krise überwunden?

Ja, ich glaube, ich habe das Schlimmste überstanden. Ich war lange mit meiner Frau zusammen und war auch stolz, dass wir es so lange geschafft haben. Und obwohl ich die Trennung überwunden habe, bleibt so eine Melancholie hängen. Aber es ist nicht so, dass es mein Leben noch sehr tangieren würde.

Wovon könnte nun das nächste Album geprägt sein?

Es sind natürlich teilweise Geschichten, die bereits bestehen. Zu dieser Trilogie ist es gekommen, weil ich beim Schreiben für das erste Album, «Rimini Flashdown», einen richtigen Lauf hatte und sehr viele Songs geschrieben habe. Da war mir bereits klar, dass ich das Ganze weiterziehen muss. Thematisch sind es deshalb Lieder, die bereits 2007 entstanden sind, die sich aber weiterentwickelt haben. Für das neue Album hoffe ich einfach, dass diese Trennungssongs nicht mehr so im Zentrum stehen, da eine Entwicklung passiert ist.

Um noch einmal auf Meccano Destructif Commando zurückzukommen: Welches ist Ihr Lieblings-Nachtschattengewächs?

Im Moment ist es eine Version des Songs «Angelina». Das Lied hat ein ganz neues Gesicht bekommen. Es wurde eine intensive elektrische Nummer. Lauter als sonst. Das ist man sich von Patent Ochsner nicht so gewohnt. Im Moment ist mir dieser am liebsten. Es fährt mir richtig ein, wenn wir diesen Song spielen. Ich hoffe, das Publikum hält das auch aus. Es ist eine sehr energetische Angelegenheit.

Dann dürfen sich die Besucher auf eine neue Version vom alten Büne Huber freuen?

Ja, man könnte dem schon so sagen. Aber eigentlich würde ich mich gerne mehr verändern, als ich das kann. Eine so neue Version ist es letztlich wahrscheinlich nicht, wie ich mir das wünsche. Man ist halt sich selber und kann ja nicht in eine andere Haut schlüpfen und ein ganz anderer werden. Manchmal möchte ich das, aber es gelingt mir nicht.