Mundartrock

Büne Huber: «Diese Songs sind Waisenkinder»

«Meine Stimme ist geschmeidiger geworden»: Büne Huber live.  key

«Meine Stimme ist geschmeidiger geworden»: Büne Huber live. key

Büne Huber tritt mit dem Meccano Destructif Kommando in intimem Rahmen auf. Der Mundartrocker über Nachtschattengewächse, Rauchen und die Zusammenarbeit mit Sina.

Büne,welche Nachtschattengewächse essen Sie am liebsten?

Büne Huber: Ich habe gemerkt, dass ich gar nicht so genau Bescheid weiss, welche Gewächse dazuzählen. Gehören Bärlauch und Knoblauch dazu? Zuletzt habe ich erfahren, dass auch Rauschpflanzen darunter sein sollen. Der Journalist, der mich ebenfalls darauf angesprochen hat, wusste leider nicht, welche. Wissen Sie mehr?

Single von Büne Hueber und Sina.

Single von Büne Hueber und Sina.

Tollkirschen, Stechäpfel, vor allem Tabak. Rauchen Sie?

Ich habe vor drei Jahren damit aufgehört.

Klappte es im ersten Anlauf?

Ich habe mich nicht besonders mit dem Thema beschäftigt. Ich rauchte und wollte Raucher bleiben. Ich wartete rauchend in Perpignan auf den Nachtzug aus Barcelona und wusste, dass das für die nächsten acht Stunden die letzte Zigarette war. Dann kam mir die Idee, ich könnte ja mal schauen, wie weit diese acht Stunden auszudehnen wären. Es ging erstaunlich leicht.

Weil sich Ihr Wohlbefinden gesteigert hat?

Ich weiss nicht, ob sich mein Wohlbefinden gesteigert hat. Aber meine Stimme ist geschmeidiger und weniger anfällig geworden. Sie hält die hohen Belastungen während einer Tournee besser aus. Ich bilde mir natürlich ein, das sei auf meine Nikotinenthaltsamkeit zurückzuführen.

Sind Sie froh, dass das Publikum bei den Konzerten nicht mehr rauchen darf?

Ich werde dadurch einerseits weniger in Versuchung geführt, andererseits finde ichs etwas stier, wenn ich mich durch die Nacht bewege und vor den Klubs mehr Leute stehen als im Innern. Es gibt Etablissements, in denen meiner Meinung nach ein gewisser Rauchzwang herrschen sollte. Andererseits schätze ich es sehr, dass ich in Restaurants nicht mehr den Rauch der Viertelpfünderzigarren von Mr. Wichtig in der Nase habe.

Sprechen wir also über die musikalischen Nachtschattengewächse. Weshalb widmen Sie ihnen eine ganze Tournee?

Es sind Kleintheatersongs, die etwas in Vergessenheit geraten sind, da sie für den grossen Rahmen nicht taugen und deshalb seit Jahren nicht mehr gespielt wurden. Wir hätten sie auch Waisenkinder nennen können.

Wann kamen Sie auf die Idee, sie wieder ins Rampenlicht zu zerren?

Schon auf der letzten Tournee bekam ich Lust, mich um die fragileren, dunkleren und weniger populären Lieder zu kümmern. Meistens legen wir auf einer Tour das Schwergewicht auf die Songs der neuen Scheibe. Und wenn wir die «Swiss Hits» weglassen würden, wäre das schon fast Etikettenschwindel! (lacht) So ziehen wir nun unter anderem Namen, in überschaubarem Rahmen von Klub zu Klub. Bei den Proben habe ich allerdings gemerkt, dass ich auf «Scharlachrot» nicht verzichten möchte. Das Lied bedeutet mir nach wie vor viel.

Können Sie Beispiele für typische Nachtschatten-Songs nennen?

Ein Intermezzo, das es nie auf eine Ochsner-Bühne geschafft hat, ist «Paranoid». Ein anderer, ziemlich stiller Song heisst «Schruubschtock». Wir lassen ihn zur veritablen Noise-Nummer ausarten, die fast in den Schmerzbereich hinein reicht.

Weshalb haben Sie zwei Ochsner und Wolfgang Zwiauer als Begleiter gewählt?

Diesel Gmünder war der Produzent meiner Solo-CD «Honigmelonemond». Er ist ein wunderbarer und sehr geschmackssicherer Musiker. Andi Hug hat das Ochsner-Schiff bei den letzten beiden Platten gesteuert. Er zieht die Grenzen oft nicht an denselben Punkten wie Diesel und ich, was eine reizvolle Herausforderung ist. Wir haben mit dem Gedanken gespielt, für die vierte Position jemand aus der Welt der elektronischen Musik ins Boot zu holen. Aber bei uns kann einer nicht nur an den Knöpfen drehen. Er muss dazu im Minimum noch singen können, und da hört der Spass meist auf. Die Rolle des «Elektronikers» spielt nun Wolfi Zwiauer, der seinem Bass nie gehörte Töne entlocken kann. Wir haben bereitsbeiTinu Heiniger und dem Swiss Jazz Orchestra zusammengearbeitet.

In Ihr Programm würde vermutlich auch die Single «Ich schwöru» passen. Wie kam es zu diesem Duett mit Sina?

Ich kam spätnachts nach Hause, checkte die Mails und fand Sinas Songskizze und die Frage, ob ich das Lied mit ihr singen möchte. Die Demoversion, die nur aus einer Klavierspur und ihrer Stimme bestand, hat mich sehr berührt. Zwei Minuten später sagte ich Sina zu.

Wann schwören Sie?

Ich bin eigentlich vom Typ her nicht unbedingt ein Schwörer. Aber als vor 14 Jahren unsere Tochter auf die Welt kam, habe ich ihr in einem
Anflug grösster Ergriffenheit den Schwur ins Ohr geflüstert, jeden auf der Stelle zu pulverisieren, der sich ihr mit böser Absicht in den Weg stellen würde.

Wie geht es nach der Tournee bei Ihnen weiter – mit Patent Ochsner oder solo?

Als ich 2008 mit Patent Ochsner «The Rimini Flashdown Part 1» veröffentlichte, war für mich klar, dass 2011 der zweite Teil folgen würde. Die meisten Songs waren schon damals grösstenteils fertig. In ein paar Wochen ziehe ich nun aber in ein Loft, das ich als Arbeits- und Übungsraum nutzen will. Ich möchte in dieser neuen Umgebung mit Patent Ochsner ein neues Projekt in Angriff nehmen. Der Part 2 vom «Rimini Flashdown» muss aus diesem Grund noch ein Weilchen im Wartesaal Platz nehmen.


Büne Huber und das Meccano Destructif Kommando 26.2. Aarau, KiFF; 3.3. Basel, Kaserne; 4.3. Amriswil, Kulturforum;
1.3. Lyss, Kufa; 19.3. Brugg, Salzhaus; 24.3. Langenthal, Alte Mühle; 30.3. Zürich, Kaufleuten; 31.3. Luzern, Schüür;
1.4. Solothurn, Kofmehl.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1