Five, four, three, two, one...auf der riesigen Leinwand erscheinen die Umrisse von Justin Timberlake.

«Pusher Love Girl» des letztjährigen Erfolgsalbums «The 20/20 Experience» erklingt. Langsam wird die fünfzehnköpfige Band, die Tennessee Kids, zum Superstar auf die Bühne gehoben.

Das Publikum im mit 12 500 Zuschauern restlos ausverkauften Hallenstadion Zürich tobt. Es folgt der Disco-Kracher «Rock Your Body», bei dem Timberlake von einer fünfköpfigen Tanz-Crew unterstützt wird. Der 33-jährige Superstar trägt einen weissschwarzen Anzug mit Fliege. Er überzeugt nicht nur mit seiner makellos reinen Stimme, sondern auch mit perfekt choreografierten Tanzeinlagen.

Timberlake hat sich in den letzten Jahren rar gemacht. Vor sieben langen Jahren war er zum letzten Mal in der Schweiz und Europa, in der Zwischenzeit konzentrierte er sich auf die Schauspielerei. Überhaupt war es ungewiss, ob er wieder auf die Pop-Bühnen zurückkehren würde. Im letzten Jahr ist ihm mit dem Kompilationsalbum «The 20/20 Experience» die fulminante Rückkehr gelungen.

Justin Timberlake bietet in Zürich eine mehr als zweistündige Show in zwei Akten und gegen dreissig Songs. Im ersten Set spielt er eine Reihe seiner grössten Hits wie «FutureSex/LoveSound», Cry Me A River» und «TKO». Es ist eine gigantische Show mit über zwanzig Musikern und Tänzern auf der Bühne. Alles bewegt sich, selbst die verschiedenen Bühnenelemente tanzen. Das ganze Stadion scheint sich im Rhythmus zu bewegen. Eigentlich ist es mehr eine durchstrukturierte Theaterproduktion als ein Konzert. Und doch gelingt es Timberlake, den spontanen Charakter einer Party aufrecht zu erhalten.

Sorgt für Nervosität: Justin Timberlake in Zürich

Sorgt für Nervosität: Justin Timberlake in Zürich

Turbo zum Finale

Im zweiten Set setzt der Superstar noch eins drauf. Auf einer beweglichen Bühne wird Timberlake durch die Halle geführt, schwebt über das Publikum und geht auf einer kleinen Bühne auf Tuchfühlung mit den Fans. Der Show-Motor wird etwas heruntergeschraubt, bevor Timberlake zum Finale den Turbo startet.

Er singt eine Reihe von Covers: «Heartbreak Hotel» von Elvis Presley, «Jungle Boogie» von Kool & the Gang und «Human Nature» von Michael Jackson. Spätestens jetzt, wird klar, dass Timberlake in die Fussstapfen des «King of Pop» treten will.

Timberlake ist ein begnadeter Sänger, Tänzer und Entertainer. Bruno Mars, dem ähnliches Potenzial bescheinigt wird und der im Oktober an gleicher Stätte eine eher bescheidene Show bot, kann jedenfalls einpacken.

Vor sieben Jahren ist Timberlake mit 26 Sattelschleppern nach Zürich gekommen, jetzt waren es nochmals zwei mehr. Timberlake hat die Massstäbe gesetzt und es ist kaum vorstellbar, dass die Stones (am 1. Juni), Robbie Williams (2./3. Juni) oder Lady Gaga (6. November) ihn noch toppen können.

Wir vermuten, dass wir gestern die zurzeit grösste und spektakulärste Show des Pop gesehen haben.

Morgen Mittwoch findet das zweite Konzert von Justin Timberlake im Hallenstadion statt. Es ist ebenfalls schon lange restlos ausverkauft.