Zermatt Unplugged

Brian Ferry: «Dank Zermatt habe ich mit dem Rauchen aufgehört»

Der Dandy im Anzug: Popmusiker Brian Ferry.

Der Dandy im Anzug: Popmusiker Brian Ferry.

Die britische Pop-Ikone tritt mit Jazz- und Rockmusikern am 11. April bei «Zermatt Unplugged» auf. Er möge die Berge seit Kindheit, sagt die britische Poplegende. An Zermatt hat er besondere Erinnerungen. Hier hat er mit dem Rauchen aufgehört.

Mr. Ferry, Sie treten erstmals in Zermatt auf. Kennen Sie es als Tourist?

Bryan Ferry: Ich war zwar schon seit Jahren nicht mehr dort, aber ich erinnere mich sehr gerne an die tolle Woche, die ich verbracht habe, als ich mit unterschiedlichem Erfolg Skifahren zu lernen versuchte ... (lacht) Noch berühmter ist Zermatt, weil ich dort mit dem Rauchen aufgehört habe und standhaft geblieben bin. Ich werde also immer in der Schuld der sauberen Luft von Zermatt stehen!

Mögen Sie die Berge?

Als Junge habe ich oft Bücher über Whymper und all diese exzentrischen Engländer, die das Matterhorn bestiegen haben, gelesen. Zermatt ist so ein wunderbarer Ort, mit dieser grossartigen Aussicht auf die Berge, den Pferdekutschen – einfach grossartig! Ich freue mich sehr, zurückzukommen.

Stimmt es, dass dies Ihr erstes Unplugged-Konzert sein wird?

Die Show wird eine der ersten sein, die ich mit der neuen Jazzband mache. In der ersten Hälfte werden wir akustische Lieder vom Album «The Jazz Age» spielen. Allerdings werde ich live bei einigen auch singen. Danach werden einige Rockmusiker dazustossen. So können wir hoffentlich die Vielfalt der Musik, die ich in meiner langen Karriere gemacht habe, ziemlich gut widerspiegeln.

An welche Songs denken Sie?

Wir werden sicher «Reason Or Rhyme», einen meiner Favoriten vom letzten Rockalbum «Olympia», interpretieren, aber auch Solo- und Roxy- Music-Lieder, welche die Leute besser kennen, wie «Love Is The Drug», «A Hard Rains’s Gonna Fall» und natürlich «Let’s Stick Together».

Brian Ferry: Avalon

Viele Popstars interpretieren heute Lieder aus dem Great American Songbook oder covern Popklassiker, aber Sie interpretieren auf «The Jazz Age» Ihre eigenen Evergreens im Stil der 20er-Jahre. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Ich wollte schon lange ein Instrumentalalbum mit Eigenkompositionen machen, um die Aufmerksamkeit auf meine Arbeit als Melodiker und Komponist zu lenken. Letztes Jahr beschlossen wir, dieses im Stil des Jazz der 20er-Jahre zu realisieren, auch, weil es eine der ersten Arten von Musik war, die ich als Kind gehört habe.

Waren Sie damals schon Jazz-Fan?

Ja, ich kaufte Alben, ging an Konzerte und liebte den New Orleans Jazz von Leuten wie Neil Armstrong. Später, als ich höhere Ansprüche stellte, begann ich mich für Duke Ellington zu interessieren, dann für Coleman Hawkins, Charlie Parker, Billy Holiday und Miles Davis. Tolle Musiker, die
ich mir oft anhörte, ehe der Rock ’n’ Roll richtig durchstartete und ich Rockfan und schliesslich Rockmusiker wurde.

Was bedeuten die Roaring Twenties für Sie – als Stilbegriff und Ära?

Sie stehen für den Anfang dieser Musik, die ich mein ganzes Leben lang geliebt habe. Jazz hat sich aus dem Blues auf den Feldern, den Blaskapellen und Beerdigungsbands in New Orleans heraus entwickelt. Als er New York und Chicago erreichte, fingen die Leute an, elektrische Instrumente zu spielen. Die 1920er-Jahre waren eine sehr spannende Periode, die im Grunde genommen den Beginn des 20. Jahrhunderts und von vielen anderen Dingen markieren. Die Menschen wechselten von Pferd und Karren aufs Auto. Der erste Flug von Amerika nach Europa fand statt. Das Radio kam auf. Scott Fitzgerald ist der grosse Literat jener Epoche, der das damalige Lebensgefühl im Roman «The Great Gatsby» einfing. Zum Soundtrack des Remakes mit Leonardo DiCaprio, der die Filmfestspiele von Cannes eröffnen wird, habe ich einige Stücke von «The Jazz Age» beigesteuert.

Sie gelten als der grosse Dandy der Popmusik. War die Mode für Sie in Ihrer Jugend eine Art, sich von Ihrem Vater abzugrenzen, der Bergarbeiter war?

Ich bin in einem Dorf aufgewachsen, habe mich aber bereits als Teenager für Kleider interessiert und samstags in einem Schneidergeschäft in nahen Newcastle gearbeitet. Dieses Taschengeld habe ich dann immer für Platten ausgegeben, manchmal auch für Kleider oder Jazzkonzerte. An der Kunsthochschule war ich plötzlich mit Leuten zusammen, die sich für Kunst, Musik und Mode interessierten. Das war eine sehr prägende Zeit für mich.

Wie funktionierte die Zusammenarbeit mit Modedesigner Antony Price?

Er half uns in der Anfangszeit von Roxy Music mit den Kleidern und beim Stylen der Albumcovers, die ich gestaltet habe. Der Sinn und die Liebe für den Glamour vergangener Zeiten hat uns verbunden, aber wir versuchten auch ein frisches, futuristi- sches Element hineinzubringen – damals noch ganz ohne Photoshop und ähnliche Einrichtungen! (Lacht.)

Wie empfinden Sie diesen Unterschied?

Als wir 2010 mit Kate Moss das Cover für «Olympia» gemacht haben, waren sicher 20 Leute im Studio, die mitgearbeitet haben, neben der Foto-Crew Make-up, Haare, Kostüm, Licht, Computergrafik und so weiter. Früher waren wir zu dritt und hatten nur primitive Mittel zur Verfügung. Technische Einschränkungen sind aber manchmal gut für die Kreativität ...

Zermatt Unplugged Bryan Ferry tritt wie Mando Diao am 11. April auf, weitere bekannte Namen sind Rea Garvey (9.), Die Fantastischen Vier, Stefanie Heinzmann (10.), Marianne Faithfull, Morcheeba with Skye (12.), Skunk Anansie und Marlon Roudette (12.).

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